Düren - Singen soll helfen, Vorurteile abzubauen

Singen soll helfen, Vorurteile abzubauen

Von: Sandra Kinkel
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Singen macht Spaß! Die Kinder der Vokalklassen der Südschule und der Martin-Luther-Schule bereiten sich auf eine große Musicalaufführung vor. Außerdem singen sie am Weißen Sonntag für die Kommunionkinder in der Annakirche. Foto: Sandra Kinkel

Düren. „Wir wollen einfach ein Zeichen setzen. Wir möchten zeigen, dass ein friedliches Miteinander verschiedener Religionen und Kulturen möglich ist. Die Kinder machen es uns vor.“ Hans-Josef Loevenich ist Regionalkantor im Kreis Düren und Kirchenmusiker in der Annakirche.

Er hatte vor acht Jahren die Idee, an Dürener Grundschulen sogenannte Vokalklassen ins Leben zu rufen. Nachrichten von Terroranschlägen in Paris und Brüssel, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit machen den 57-Jährigen wütend. Und er will zeigen, dass es auch anders geht. „In den Vokalklassen singen Kinder ganz unterschiedlicher Herkunft miteinander.

Und es klappt. Natürlich streiten die Jungen und Mädchen auch. Aber dabei geht es eben nicht um ihre unterschiedliche Herkunft.“ Loevenich ist davon überzeugt, dass es wichtig ist, dass schon Grundschüler auch andere Religionen kennenlernen. Und er hatte eine ziemlich ungewöhnliche Idee. „Die Dürener Südschule ist eine katholische Grundschule“, erzählt er. „Aber trotzdem gehen in diesem Jahr hier nur fünf Kinder mit zur Kommunion. Um allen Schülern zu zeigen, was am Weißen Sonntag in der Katholischen Kirche passiert, werde ich mit den Kindern aus der Vokalklasse in der Annakirche singen.“

Darüber hinaus hat Loevenich auch schon Kontakt mit der Evangelischen Gemeinde zu Düren und dem Moscheeverein an der Veldener Straße aufgenommen. „Ich möchte auch hier mit den Kindern auftreten“, sagt der Regionalkantor. Bei der Evangelischen Gemeinde ist geplant, dass die Kinder beim Erntedankfest im Oktober singen. „Auch die Vertreter der muslimischen Gemeinde waren von meiner Idee sehr angetan“, sagt Hans-Josef Loevenich. „Wir sind aber noch auf der Suche nach der passenden Gelegenheit.“

In der Moschee, ergänzt der Kirchenmusiker, würde während des Gebetes nicht gesungen. Loevenich: „Es wird sich aber bestimmt ein Gemeindefest finden, bei dem wir auftreten können. Da bin ich sicher.“ Für Loevenich ist klar: „Verschiedene Nationalitäten, verschiedene Muttersprachen und unterschiedliche Religionen bereichern eine Gemeinschaft. Die Kinder leben das, aber leider ist das in der Welt der Erwachsenen eben nicht immer so. Und auch dagegen wollen wir mit unseren Auftritten etwas tun.“

Hans-Josef Loevenich hat die Eltern seiner rund 70 Vokalklassen-Kinder informiert, sie waren ziemlich schnell von seiner Idee überzeugt. „Natürlich ist das Singen am Weißen Sonntag für die Schüler freiwillig. Aber ich habe schon jetzt die Rückmeldung, dass viele daran teilnehmen werden.“ Auch die Schulleiterinnen Susanne Senhen (Südschule) und Sabine Schindler (Martin-Luther-Schule) finden Loevenichs Initiative gut. Sabine Schindler formuliert es so: „An unserer Schule haben etwa 70 Prozent der Kinder einen Migrationshintergrund. Ich glaube, dass es die Gemeinschaft stärkt, wenn sie gemeinsam im Kirchenraum aktiv sind.“

Ähnlich sieht das auch Susanne Senhen. „Religion spielt in immer weniger Familien eine große Rolle“, sagt die Grundschulpädagogin. „Trotzdem finde ich es wichtig, dass die Kinder die verschiedenen Religionen kennenlernen.“ Mit dem Besuch der katholischen und evangelischen Kirche sowie der Moschee, ergänzt Senhen, würden die Kinder lernen, dass unterschiedliche Religionen im täglichen Zusammenleben keine Rolle spielen müssen.

„Die Kinder erleben mit den Auftritten Orte, die sie sonst vermutlich nicht besuchen würden. Sie lernen, dass in unserer Gesellschaft verschiedene Glaubensformen nichts Ungewöhnliches sind. Und vielleicht führt das ja dazu, dass sie sich auch als Erwachsene leichter damit tun, Menschen anderer Nationen und Religionen zu akzeptieren.“ Angemerkt

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