Sind Minijobs bald Geschichte?

Von: Stephan Johnen
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Wie blicken Mittelständler auf die Einführung des Mindestlohns? Die DZ hat sich umgehört. Foto: sj

Düren. Die Einführung des Mindestlohns wird sich früher oder später auf dem Dürener Wochenmarkt bemerkbar machen. Davon ist Landwirt Klaus Langen überzeugt. Zum einen mache der Landwirtschaft der seit Jahren wachsende Preisdruck zu schaffen, zum anderen steige mit der Einführung des Mindestlohns auch der bürokratische Aufwand für Landwirte.

Ab 2017 wird nach zwei Erhöhungen auch in der Landwirtschaft der Mindestlohn von 8,50 Euro gezahlt werden müssen, jede Pause, jede Minute Arbeitszeit müsse zudem dokumentiert werden. Die Mehrkosten könnten dabei kaum an die Kunden weitergereicht werden. „Wir werden vermutlich die Anbaufläche halbieren und Produkte aus dem Ausland zukaufen“, mutmaßt Langen im Gespräch mit unserer Zeitung.

Die DZ hat Mittelständler zum Thema Mindestlohn befragt. Die Reaktionen sind durchwachsen. Größter Kritikpunkt: der Bürokratieaufwand. „Ich bin nicht gegen einen Mindestlohn“, betont beispielsweise Thomas Labruier, Geschäftsführer einer Personalvermittlung.

„In der Zeitarbeitsbranche liegen wir ohnehin über dem Mindestlohn.“ Doch genau wie Handwerksmeister Bernd Ohlemeyer und Speditionsgeschäftsführer Ingo Malsbenden kritisiert Labruier, dass Unternehmer unter Generalverdacht gestellt werden und jede „Toilettenpause“ in einer Arbeitszeitdokumentation erfasst werden müsse.

Thomas Labruier begrüßt daher, dass bereits in naher Zukunft überprüft werden soll, in wie weit beispielsweise die gesetzlichen Dokumentationspflichten greifen – oder ob sie überarbeitet werden müssen. Er hofft auf eine Reduzierung des Aufwandes, den jeder Betrieb zu stemmen habe.

Guido Antons spricht sich als Vertreter der Taxifahrer im Kreis Düren prinzipiell auch für einen Mindestlohn aus. Dieser könne Wettbewerbsverzerrungen durch „schwarze Schafe“ in der Branche entgegenwirken. „Doch es gibt längst andere Möglichkeiten, den Mindestlohn zu unterwandern“, sagt Antons.

Die Frage, ob per App fürs Mobiltelefon „private“ Fahrten organisiert werden können, sei aktuell eine Frage für die Gerichte. „Taxiunternehmen arbeiten hingegen in einem regulierten Markt mit festen Tarifen“, betont Antons.

Frank Schmutzler, Vorsitzender des Fördervereins „Dürener Wochenmarkt“, befürchtet, dass die „Zeit des Hinzuverdienens“ für viele Minijobber bald vorbei sein könnte. „Minijobber erhalten 8,50 Euro netto, Festangestellte 8,50 brutto“, macht Gastronom Zeljko Zovkic eine Rechnung auf, „die für Unzufriedenheit“ in der Belegschaft sorgen könnte.

„Wir zahlen ja bereits Löhne über 8,50 Euro“, sagt Zovkic. Hinzu komme der Dokumentationsaufwand für Minijobs, mit denen bislang flexibel Spitzen abgefangen werden konnten. Auch der Gastronom rechnet damit, dass künftig in vielen Branchen weniger Aushilfen eingestellt werden und beispielsweise Schüler, Studenten und Renter weniger Möglichkeiten haben, etwas hinzuzuverdienen. Ob der Mindestlohn unter dem Strich Arbeitsplätze schaffe, ist für die befragten Mittelständler fraglich.

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