Siedlungsfunde auch im Bereich des Uhledömchens

Von: Burkhard Giesen
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Die Grabungen auf der Trasse der B56n sind inzwischen abgeschlossen. Foto: ABS
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Die Archäologen konnten unter anderem einen Erdkeller im Bereich der früheren Ortschaft Miesheim dokumentieren. Foto: ABS

Düren. Als der 30-jährige Krieg im 17. Jahrhundert am Niederrhein tobte, wurde auch Düren angegriffen und so nebenbei der Ort Miesheim, der zum Herzogtum Jülich gehörte, komplett ausgelöscht. So ist es überliefert, so kann man es überall nachlesen.

Die Archäologen, die im Zuge des Neubaus der B56n den Trassenverlauf untersucht haben und dabei auch auf Funde des verschollenen Ortes gestoßen sind, kommen nun zu einem ganz anderen – sehr überraschenden – Ergebnis: Miesheim existierte schon Jahrhunderte vor dem 30-jährigen Krieg nicht mehr. Franz Kempken, wissenschaftlicher Leiter der Gesellschaft für Baugrund-Sanierung (ABS) aus Köln: „Die ehemalige Siedlung Miesheim hatte ihre Hochphase vom 10. bis 13. Jahrhundert. Anzeichen für eine Zerstörung haben wir nicht finden können.“

Im Auftrag des Landesbetriebes Straßen NRW haben die Archäologen der Firma ABS für das Rheinische Amt für Bodendenkmalpflege die Trasse der B56n zwischen den ehemaligen Fordwerken und der Kölner Landstraße auf vier Abschnitten untersucht – mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Während ein Teil komplett ohne Befund war, wurden in einem weiteren Abschnitt vorrangig Keramikscherben und Feuersteinartefakte aus der Jungsteinzeit, etwa 5500 bis 4500 vor Christi, entdeckt. Im Miesheimer Abschnitt konnten verschiedene Hofstandorte dokumentiert werden. Kempken: „Die Gebäude orientierten sich an einer Straße. Wir haben zum Beispiel Wagenspuren auffinden können.“

Wie groß die Ortschaft insgesamt war, können die Archäologen nicht sagen, weil sie ihre Grabungen allein auf den zu untersuchenden Trassenverlauf konzentrieren müssen. „Unser Auftrag ist immer klar formuliert: Wir müssen auf der zu untersuchenden Fläche Bodendenkmäler vor Ort bewahren und dokumentieren. Links und rechts können wir nicht schauen“, erklärt Kempken. Ob sich die Geschichte von Miesheim weiter aufklären lässt, ist noch unklar. Interessant ist zumindest, dass der Ort zur Zeit seiner ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr 1302 seine Blütezeit offenbar schon hinter sich hatte und die bisher vermutete Zerstörung im 17. Jahrhundert nicht belegbar ist.

Weitere Daten versprechen sich die Forscher aus anderen Funden. So konnte eine Grube entdeckt werden, in der Abfälle entsorgt wurden. „Die Untersuchung dieser Abfälle ist noch in Arbeit“, betont Kempken.

Für eine Überraschung dürften auch die Funde im Bereich der Kölner Landstraße am Uhledömchen sorgen. Dort war im Vorfeld der Kampfmittelräumdienst auf einen Brunnen gestoßen, der freigelegt wurde. Als die Archäologen weiter forschten, staunten sie nicht schlecht: „Wir konnten auch hier Siedlungsreste aus dem 10. bis 13. Jahrhundert entdecken, die im Zusammenhang mit der Kirche stehen. Dabei handelt es sich um eine bislang unbekannte Ortschaft“, erläutert Kempken.

Auch an dieser Stelle wird aber nicht deutlich, warum die Ortschaft nach dem 13. Jahrhundert verschwand – und warum der Kirchenbau dann offenbar überdauerte. Auch ob es eine Verbindung zwischen Miesheim und der Ortschaft am Uhledömchen gab, bleibt noch unklar. Dennoch dürften diese Erkenntnisse für die Heimatforschung äußerst interessant sein.

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