„Sicherwerk“: Wo der Arbeitsalltag seine Gefahren verliert

Von: Burkhard Giesen
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Wie sichert man sich richtig? Wie arbeitet man in engen Röhren und vor allem: Wie kann man jemanden im Ernstfall schnell retten? Alles das kann man in der alten Reflex-Halle trainieren. Foto: Burkhard Giesen
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Jörg Mauel bietet mit dem neuen Dürener „Sicherwerk“ ein Trainingszentrum für unterschiedliche Gefahrenszenarien im Arbeitsalltag an.
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In einer alten Industriehalle können diverse Szenarien nachgestellt werden: Höhentraining, Rettung aus Schächten und engen Behältern.

Düren/Heimbach. Seit rund zwei Jahren beschäftigt sich Jörg Mauel mit einer Idee. Als Chef der Heimbacher Firma „Mauel Industrie-Service“ machte er sich 2004 selbstständig und führt einen Großhandel für technische Produkte, Schläuche, Hebezeuge, Anschlagmittel und Betriebseinrichtungen.

Von Anfang an war die Arbeitssicherheit für ihn ein Thema. Die in Theorie und Praxis zu schulen, war sein großes Anliegen. Das setzt er seit letzter Woche auf 1500 Quadratmetern in einer alten Reflex-Industriehalle an der Malteserstraße um. „Sicherwerk“ nennt Jörg Mauel seine Halle, in der der Ernstfall geprobt werden kann.

Schon 2014 hatte sich Mauel bei der Gründerinitiative „AC²“ mit dieser Idee beworben, errang damals aber keinen Hauptpreis. Was für ihn wichtiger war: Er konnte Kontakte knüpfen, zum Beispiel zu den Berufsgenossenschaften oder zu einem schwäbischen Unternehmen, mit dem er gemeinsam das „Sicherwerk“ in Düren aufgebaut hat. Den entscheidenden Tipp, wo er sein Trainingszentrum ansiedeln kann, bekam er dann von der Wirtschaftsförderung des Kreises Düren.

In der 1500 Quadratmeter großen Halle kann Mauel auf zwei Etagen die unterschiedlichsten Gefahrensituationen simulieren – vom Arbeiten in der Höhe bis zur Tätigkeit in Schachtanlagen oder in engen Behältern. So hat er zum Beispiel eine Papierwalze erworben, in der geübt werden kann, wie dort Reparaturarbeiten durchzuführen sind. Was simpel klingt, sollte man nicht unterschätzen. Wer in so eine enge Röhre steigen muss, kann schnell Platzangst bekommen. „Bei einer Außentemperatur in der Werkshalle von vielleicht 50 bis 60 Grad dort Schweiß- oder Flexarbeiten durchzuführen, das ist wirklich anstrengend“, erläutert Mauel.

Natürlich vermittelt Mauel in seinem Trainingscenter auch die gesetzlichen Grundlagen und Bestimmungen. „Wer zum Beispiel in Schachtanlagen arbeitet, muss vorher eine Freimessung durchführen, also den Sauerstoffgehalt messen, um sich nicht in Gefahr zu bringen“, erklärt er. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, die dennoch nicht immer beachtet wird. Oder: „Man darf nie alleine irgendwo reinklettern, sondern muss immer einen ausgebildeten Posten dabei haben, der einen im Notfall auch retten kann“, sagt Mauel – auch eine Selbstverständlichkeit, die im Arbeitsalltag oft missachtet wird: „Da reicht es dann nicht, wenn zum Beispiel der Azubi mit dabei ist, der aber nicht weiß, was im Notfall zu tun ist.“ Also steht in Theorie und Praxis auch auf dem Stundenplan, wie man den Rettungsgurt richtig anlegt.

„Nicht nur kennen, sondern können“, lautet Mauels Motto, das er in seinem „Sicherwerk“ vermitteln will – von den theoretischen Grundlagen bis zum Praxistest. Ein Angebot, das in der Region einzigartig ist und bei den Unternehmen gut ankommt. Zu den ersten Kunden gehört zum Beispiel die Dürener Leitungspartner GmbH, ein Tochterunternehmen der Stadtwerke. „Sollte der schlimmste Fall, ein Unfall, einmal eintreten, müssen die Mitarbeiter in der Lage sein, sich richtig zu verhalten, fachgerecht Hilfe leisten zu können, um weitere Gefährdungen an der Unfallstelle auszuschließen“, erklärt Jürgen Schulz von den Stadtwerken die Motivation, Mitarbeiter gezielt zu schulen. Das ist schon in der Vergangenheit regelmäßig geschehen. Aber: „Das interessante an diesem Angebot ist, dass wir hier auch einmal einen anderen Blickwinkel auf die Übungen und Gefahrenpunkte erhalten“, ergänzt Schulz.

Mauel setzt Profitrainer ein und spricht vor allem eine breite Klientel an. „Die Halle ermöglicht es uns, nahezu alle gefährlichen Szenarien nachzustellen.“ So könnten zum Beispiel auch Einsatzkräfte vom Technischen Hilfswerk geschult werden oder Mitarbeiter des DRK, die im Katastrophenschutz eingesetzt werden. „Wir wollen auch noch eine Hauswand mit Dachschräge aufbauen, damit zum Beispiel Feuerwehrleute das Retten aus Häusern bei uns üben können“, sagt Mauel. Einer der größten Vorteile der Halle dabei: Man ist unabhängig vom Wetter und kann dennoch ein realistisches Szenario erproben. Auch ein Höhengewöhnungstraining zählt mit zu den Angeboten, denn: „In der Höhe zu arbeiten kann man gezielt trainieren“, sagt Mauel.

Einer der wichtigsten Lerninhalte: das, was man tut, stets zu hinterfragen. „Ein Arbeitsunfall geschieht nie aus heiterem Himmel. Da ist immer vorher schon ein Fehler passiert – manchmal auch nur ein Denkfehler“, sagt Mauel. Genau die will er im „Sicherwerk“ abstellen helfen.

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