Sich einmal wie eine kleine Prinzessin fühlen

Von: Jörg Abels
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Gefallen Farbe und Form? Bei der Maikleiderbörse der Echtzer Junggesellen war die Auswahl groß. An die 100 Kleider wurden angeboten, viele nur ein paar Mal getragen. Foto: Abels

Echtz. Die 17-Jährige, nennen wir sie Jessica, strahlt. Im Mai wird sie erstmals in einem Maizug mitgehen. Dann geht auch für sie ein „Mädchentraum” in Erfüllung.

Sich einmal in „einem langen Kleid wie eine kleine Prinzessin fühlen”, beschreibt die 19-jährige Denise Büsch aus Inden/Altdorf ihre Motivation, T-Shirt und Jeanshose im Wonnemonat gegen Ballkleid mit Reifrock und Stola zu tauschen. Doch der Rollenwechsel hat seinen Preis. „Für ein neues Maikleid werden schnell ein paar hundert Euro fällig”, weiß Christoph Uerlings, Vorsitzender der Maigesellschaft Echtz. Und ein aufwändig gestaltetes Königinnenkleid kann auch schon mal über 1000 Euro kosten.

Viel Geld für drei, vier Gelegenheiten. Denn ein zweites Jahr das gleiche Kleid zu tragen, kommt für die meisten nicht in Frage. „Es muss schon ein neues sein”, betont auch Denise. Dafür können sich die jungen Frauen dann aber auch auf den Applaus der vielen hundert Zaungäste freuen, die die Umzüge nicht zuletzt deshalb besuchen, um sie in ihren Kleidern zu bestaunen.

Weil aber längst nicht alle Eltern Jahr für Jahr so tief in die Tasche greifen wollen oder können, obwohl das Maibrauchtum im Dürener Land tief verwurzelt ist, kamen die Echtzer Junggesellen vor nunmehr acht Jahren auf die Idee, ohne kommerziellen Hintergrund eine Maikleiderbörse ins Leben zu rufen: Verkauf von privat an privat. „Hier kann jedes Kleid anders als beim Verkauf übers Internet oder die Supermarkt-Pinnwand direkt anprobiert werden”, erklärt der Vorsitzende den entscheidenden Vorteil, neben der großen Auswahl. „Eine tolle Sache”, freut sich auch Jessicas Mutter. Dass ihre Tochter beim Maibrauchtum mitmacht, ist für sie Ehrensache.

Am Sonntag war es soweit. Kaum hatten die Maijungs die Tür der örtlichen Turnhalle geöffnet, waren die Ständer bereits prall gefüllt. An die 100 Kleider in den unterschiedlichsten Farben warteten auf eine neue, stolze Trägerin. Bei einem solchen Angebot fällt die Auswahl verständlicherweise schwer, auch für Jessica, die sich selbst bei der Farbe noch unschlüssig ist; hier ein schlichteres gelbes Kleid zum Preis von 50 Euro, daneben ein aufwändig verziertes in Bordeaux-Creme für 350 Euro und ein champagnerfarbenes Königinnenkleid für 325 Euro samt Schärpe - alles Verhandlungsbasis versteht sich.

Die 19-jährige Denise hat mit ihrer Mutter gleich drei Kleider mitgebracht, in der Hoffnung durch den Verkauf für die neue Saison entlastet zu werden.

Nach mehreren Runden durch die Halle hat auch Jessica einen ersten Favoriten gefunden - ein Kleid von Denise. Es geht zur Anprobe in den Umkleideraum der Turnhalle. „Dort haben wir extra Spiegel aufgestellt”, erklärt Christoph Uerlings.

Ob die zwei Mädchen und ihre Mütter handelseinig geworden sind, wird nicht verraten, schließlich muss sich Jessicas Partner das Recht, mit ihr im Mai ausgehen zu dürfen, in den nächsten Wochen erst noch erwerben. Und auf einer Maiversteigerung wird der Preis schnell in die Höhe getrieben, wenn andere Jungs wissen, dass die eine oder andere Herzensdame bereits ein Kleid gekauft hat.

Deshalb verschweigen wir auch Jessicas richtigen Namen. Nur so viel war am Sonntagabend in Echtz klar: Das eine oder andere Kleid hat einen neue Besitzerin gefunden, die sich jetzt noch mehr auf den Wonnemonat, einen großen Maibaum vor der Tür und die Umzüge freut.
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