Sexueller Missbrauch im Kleinbus: 37-Jähriger verurteilt

Von: Hartmut Prüss
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Das Dürener Schöffengericht glaubt der Belastungszeugin und hat den 37-Jährigen verurteilt. Symbolfoto: dpa Foto: dpa

Heimbach/Düren. Wenn Aussage gegen Aussage steht, was bei Sexualdelikten häufig der Fall ist, entscheidet letztlich die Glaubwürdigkeit über Verurteilung oder Freispruch. In einem aktuellen Fall glaubt das Dürener Schöffengericht mehr der Belastungszeugin als dem Angeklagten.

Das Gericht unter Vorsitz von Richterin Christine Pinkpank verurteilte einen 37 Jahre alten Sozialpädagogen aus Mönchengladbach zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten, deren Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt wird.

Für Prozessbeobachter bleibt ungeklärt, was sich während einer Freizeitmaßnahme für Jugendliche in der Nacht von 15. zum 16. Juni 2013 in Heimbach tatsächlich ereignete. Eine Gruppe von zehn Jugendlichen und sechs Betreuern hatte damals den Samstag am und auf dem Kletterfelsen in Nideggen verbracht und war abends in einer rustikalen Hütte in Heimbach eingekehrt. Zwei Betreuer hatten das Lager abends verlassen, weil sie andere Termine hatten. Zurück blieben die zehn Jugendlichen sowie vier Betreuer, und zwar zwei Frauen und zwei Männer. Nach dem Abendessen und einer geselligen Runde am Lagerfeuer, bei der es offenbar für alle auch Bier gab, gingen zunächst die Jungen zu Bett. Die Betreuer ließen danach den Tag noch einmal Revue passieren. Irgendwann machte dann, so sagten die Beteiligten übereinstimmend als Zeugen aus, eine Flasche Hochprozentiges die Runde.

Gegen Mitternacht löste sich die Runde auf und zwei Betreuer, ein Mann und eine Frau, bezogen einen Schlafraum in der Hütte. Der heute 37-Jährige und seine zwölf Jahre jüngere Kollegin hatten indes verabredet, auf einer Matratze im Kleinbus des Mannes zu übernachten. Nach dem Rauchen einer Zigarette habe man sich schlafen gelegt. In der Nacht sei sie aufgewacht, so die heute 25 Jahre alte Sozialpädagogin, weil ihr Kollege sie im Intimbereich angefasst, am ganzen Körper gestreichelt und schließlich mit einem Finger missbraucht habe. Weil die Frau zunächst offenbar schlief, klagte die Staatsanwaltschaft den Mann wegen „sexuellen Missbrauchs widerstandsunfähiger Personen“ an.

Zunächst lange geschwiegen

Die 25-Jährige, die im Prozess als Nebenklägerin auftrat und als Belastungszeugin aussagte, hatte zunächst monatelang geschwiegen, sich dann aber im Oktober 2013 einer Freundin anvertraut, die wiederum zur Anzeige riet. Erst im Januar 2014 informierte die Sozialpädagogin den gemeinsamen Arbeitgeber und bat, so ergaben Zeugenaussagen, ausdrücklich um Vertraulichkeit. Irritierend sei nach eigenem Bekunden der Geschäftsführung deshalb gewesen, dass „plötzlich aus anderen Ecken Hinweise und Andeutungen“ zu dem Vorfall gekommen seien.

Staatsanwältin und Nebenklage-Anwältin zeigten sich in den Plädoyers davon überzeugt, dass die Schilderungen der Belastungszeugin zutreffend seien. Der Verteidiger des Angeklagten hatte in seiner Würdigung der Vorkommnisse und dem Verlauf der Hauptverhandlung einige Ungereimtheiten im Verhalten der 25-jährigen Frau aufgezählt und entsprechend kritisiert. Für seinen Mandanten, der bis zuletzt beteuerte, er habe keine Erklärung für die Vorwürfe, beantragte er nach dem Grundsatz „im Zweifel für den Angeklagten“ einen Freispruch. Die Staatsanwältin hatte zwei Jahre und sechs Monate Haft beantragt, die Nebenklage-Anwältin eine Verurteilung ohne konkretes Strafmaß.

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