Düren - Sexualstraftäter entzieht sich seit 2006 seinem Haftantritt

Sexualstraftäter entzieht sich seit 2006 seinem Haftantritt

Von: Christoph Lammertz und Franz Sistemich
Letzte Aktualisierung:

Düren. Ein im August 2006 wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern zu drei Jahren Haft verurteilter Birkesdorfer ist noch immer in Freiheit.

Wie die Staatsanwaltschaft Aachen auf Anfrage der DZ bestätigte, hat sich der 54-Jährige mehrfach erfolgreich dem Haftantritt entzogen. Seit drei Jahren laufe die immer gleiche Prozedur ab, sagt der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Robert Deller: Der Verurteilte wird zum Haftantritt aufgefordert, er reicht ein ärztliches Attest ein, das ihm Haftunfähigkeit bescheinigt; ein Amtsarzt kommt zu einem anderen Ergebnis - und der Prozess beginnt von vorne.

Das Landgericht Aachen verurteilte den Birkesdorfer 2006, weil er von Kindern Pornofotos und -filme gemacht hatte. Zu seinen Opfern gehört der Sohn einer ehemaligen Lebensgefährtin. Vor Gericht hatte der Täter zugegeben, den damals Achtjährigen sexuell missbraucht zu haben. Bei einem Parisaufenthalt habe er das Kind im Hotelzimmer mit Sex-Utensilien gefilmt, es berührt und sich von ihm befriedigen lassen. Beim Prozess kamen auch Schmerzmittel- und Kokainkonsum des Mannes zur Sprache. So lindere er seine körperlichen Leiden, sagte der Täter damals aus.

Diese körperlichen Leiden bewahren ihn nun vor dem Gefängnis. „Wir können nicht so tun, als würden die Ärzte ihm Unsinn attestieren”, erklärt Deller, warum der Justiz die Hände gebunden sind. Die Atteste müssten in jedem Fall überprüft werden. Das geschehe derzeit zum dritten Mal. „Irgendwann wird das ein Ende haben”, ist Deller sicher. Vorgesehen ist, dass der 54-Jährige seine Strafe in einem Justizkrankenhaus verbüßt.

Eine Möglichkeit, die Öffentlichkeit vor dem Sexualstraftäter zu schützen, gebe es bis zu dessen Haftantritt nicht, sagt Deller. Das Urteil gegen ihn sehe keine Sicherungsverwahrung vor. Da er bereits eine Untersuchungshaft von einem halben Jahr hinter sich habe, sei er spätestens zweieinhalb Jahre nach Antritt seiner Haftstrafe wieder in Freiheit.
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