Serie von Tankstellenüberfällen reißt nicht ab

Von: Sarah Maria Berners
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Theo Happe
Zuständig für Prävention und Opferschutz: Kriminalhauptkommissar Theo Happe. Foto: smb
Tatort Euskirchener Straße
Tatort Euskirchener Straße: Sechs Überfälle hat es alleine in diesem Jahr auf Tankstellen an der Durchfahrtsstraße gegeben. Foto: dpa

Düren. Es sind Einzeltäter, aber keine Einzelfälle: Schon sechs Mal in diesem Jahr haben bewaffnete Männer die Tankstellen an der Euskirchener Straße überfallen. In den Abendstunden oder am frühen Morgen betraten sie die Verkaufsstellen, forderten mit einer Waffe in der Hand Geld oder Zigaretten, dann flüchteten sie. Die Euskirchener Straße ist ein geeigneter Ort – aus Verbrecherperspektive.

An der Durchgangsstraße ist immer was los, von dort gibt es viele Fluchtwege, viele Möglichkeiten, sich aus dem Staub zu machen und der Polizei bei der sofortigen Fahndung zu entwischen. Zurück bleiben die Mitarbeiter, meist Aushilfskräfte, überwiegend Frauen. Körperlich sind sie meist unversehrt, aber manchmal traumatisiert.

„Die Beute ist meist gering, der Schock für die Mitarbeiter aber hoch“, sagt Dr. Wilfried Plum von der Geschäftsleitung der Fred Pfennings GmbH & Co. KG. Dies bestätigt auch Polizeisprecher Ralf Meurer: „Die Beute steht in keinem Verhältnis zur drohenden Strafe.“ Unabhängig von der Beute gelte: Wer einen schweren Raub begeht, geht in den Knast. Wenn er erwischt wird. In drei von sechs Fällen hat die Polizei den Täter in diesem Jahr gefasst.

Das Ergreifen der Täter ist aber nur eine Aufgabe der Polizei. Sie rückt auch die Mitarbeiter von Tankstellen und Spielhallen in den Mittelpunkt.

„Ein Überfall ist nicht der richtige Augenblick, um den Helden zu spielen“, sagt Kriminalhauptkommissar Theo Happe, der bei der Polizei für Vorbeugung und Opferschutz zuständig ist. Und auch Wilfrid Plum sagt: „Es ist wichtig ruhig zu bleiben und zu tun, was der Täter fordert. Es ist es nicht wert, Leib und Leben zu riskieren.“ Der Täter dürfe durch die Handlungen des Gegenübers nicht weiter in Panik geraten, es gehe ganz klar um Deeskalation.

Wie die Polizei betont, hätten es die Täter in der Regel bei Überfällen nicht darauf abgesehen, die Opfer zu verletzen. Wenn es gefahrlos möglich ist, sollten die Tankstellen-Mitarbeiter auf den Knopf für den stillen Alarm drücken. Ansonsten sollten die Hände möglichst immer zu sehen sein, keine hastigen Bewegungen stattfinden. „Wenn am Ende eines bewaffneten Überfalls nur Geld in der Kasse fehlt, dann ist es glimpflich ausgegangen“, betont Happe.

In Informationsbroschüren geben die Tankstellenbetreiber ihren Mitarbeitern die Sicherheitshinweise mit auf den Weg und bereiten sie in Schulungen auf „Überfall-Szenarien“ vor, wie es in einer Mitteilung von Orlen Deutschland, einem Konzern, zu dem die Star-Tankstellen gehören.

„Es gibt Menschen, die die Situation schnell verarbeiten können. Andere kommen nach einem solchen Erlebnis nicht mehr in den Beruf zurück“, weiß Plum. Auch die Polizei hat diese Erfahrung gemacht. „Die ermittelnden Kollegen stehen im Kontakt zu den Opfern. Sie sehen, wie es ihnen geht, und sie bieten ihnen Hilfe an“, erklärt Happe. Wenn die Opfer das wünschen, wird ein individueller Hilfeplan erstellt, werden Kontakte zu entsprechenden Spezialisten vermittelt, die für Überfallopfer auch kurzfristig Termine für die psychologische Begleitung ermöglichen.

„Die Opfer müssen so einen Überfall, bei dem ihnen vielleicht sogar mit einer Pistole gedroht wurde, erstmal einigermaßen aus dem Kopf kriegen“, sagt Happe. „Nach vier bis sechs Wochen sollten sie so weit sein, dass sie das Gelände wieder betreten können“, sagt Happe. Etwas bleibe aber immer zurück.

Für die Verarbeitung des Erlebten brauchten viele Betroffene Hilfe und sie müssten sich dafür keinesfalls genieren. „Wer eine Grippe hat, geht ja schließlich auch zum Arzt“, betont Happe. Opfer von Überfällen müssten sich Zeit lassen zum Verarbeiten und Aufarbeiten. „Bei einem Überfall handelt es sich übrigens um einen Arbeitsunfall, so dass auch mögliche Spätfolgen abgesichert sind“, betont Happe.

Vorbeugend empfiehlt die Polizei natürlich, dass Tankstellen zu später Stunde auf den Nachtschalter setzen. Aber Tankstellen seien eben auch 24-Stunden-Geschäfte. Umsätze würden mit dem Verkauf von Leckereien, Getränken und Co. gemacht, weiß Happe.

Viel Licht, wenig Bargeld, Videoüberwachung seien wichtige Bestandteile für mehr Sicherheit in der überfallgefährdeten Branche. Und die werden auch umgesetzt: „Wir halten die Bargeldbestände in den Kassen immer gering und weisen auch darauf hin. Außerdem machen wir auf die Videoüberwachung aufmerksam. Allerdings ist die Hemmschwelle der Täter meist niedrig“, sagt Plum. Im Bereich der Euskirchener Straße zeigt die Polizei als Konsequenz aus der Häufung nun mehr Präsenz.

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