Seminare für E-Biker: Nicht zu schnell in die Kurve

Von: Sarah Maria Berners
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Seit es Fahrräder mit elektronischer Unterstützung gibt, sind wieder mehr Senioren mit dem Rad unterwegs. Die Polizei bietet Kurse für Radfahrende Senioren an. Foto: stock/Westend61
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Die Polizisten Klaus Thelen (l.) und Guido Machunske. Foto: smb

Kreis Düren. 187 Radfahrer sind im vergangenen Jahr im Kreis Düren verunglückt, 34 wurden schwer verletzt, zwei Radfahrer starben. Auch in diesem Jahr hat es schon zwei tödliche Unfälle mit Fahrradfahrern gegeben. Einem 64 Jahre alten Mann wurde an der Lagerstraße der tote Winkel zum Verhängnis. Der Fahrer eines Lkws hatte den Mann übersehen und überfahren.

„Vor zwei Jahren sind im Kreis Düren fünf Radfahrer bei Unfällen gestorben. Drei davon waren ältere Menschen, die mit E-Bikes“, weiß Polizeihauptkommissar Klaus Thelen. „Das haben wir zum Anlass genommen Seminare für fahrradfahrende Senioren anzubieten“, ergänzt sein Kollege Guido Machunske. Die Seminare richten sich an Menschen ab 62 Jahren. Menschen, die zum Beispiel nicht mehr im Beruf stehen und nun wieder Zeit und Lust auf das Fahrradfahren haben. Dabei steht nicht nur das E-Bike im Fokus, aber es ist ein wichtiges Thema in dem Kurs (siehe Infokasten).

Fahrräder mit Unterstützung ermöglichen auch den Menschen wieder aufs Rad zu steigen, die sonst nicht in die Pedale treten würden. „Aber es ist auch ein Unterschied, ob man mit 10 oder 15 Stundenkilometern oder mit 25 km/h unterwegs ist“, betont Klaus Thelen. Dabei gelte es auch zu beachten, dass sich Reaktionsgeschwindigkeit und Wahrnehmungsvermögen mit zunehmendem Alter verändern. Aber auch Autofahrer müssten sich beispielsweise daran gewöhnen, dass sich ein Senior auf dem Fahrrad nun deutlich schneller als zunächst erwartet nähert.

„Uns ist es wichtig, dass sich jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten sicher im Straßenverkehr bewegen kann“, nennt Guido Machunske ein Ziel der Veranstaltung. Dabei gehe es nicht um eine Wissensabfrage oder Prüfung. „Wir wollen Themen ansprechen und die Teilnehmer zum Nachdenken anregen“, betont Klaus Thelen. Mit anschaulichen Beispielen machen die Polizisten zum Beispiel auf den toten Winkel aufmerksam. „In dem kann eine ganze Schulklasse verschwinden“, unterstreicht Machunske.

Radfahrer müssten also aufpassen und lieber hinter einem rechtsabbiegenden Laster warten oder sich für einen Moment mit dem Rad auf den Gehweg stellen. „Wenn man verletzt ist, nützt es auch nichts, wenn man eigentlich im Recht war“, betonen die beiden Beamten. Der „Schulterblick“, wie man ihn in der Fahrschule lernt, sei allen Verkehrsteilnehmern dringend empfohlen.

Auch für das Linksabbiegen haben sie einen Tipp: Wer sich nicht auf den markierten Wegen in der Masse der Verkehrsteilnehmer bewegen möchte, kann beispielsweise an der Kreuzung vor dem Polizeigebäude „indirekt Linksabbiegen“. Dabei fährt man zunächst geradeaus über die Kreuzung, ordnet sich dann neu ein, um mit dem nächsten Verkehrsstrom wieder geradeaus über die Kreuzung zu fahren.

In dem Seminar stehen aber zunächst die Verkehrsregeln und rechtlichen Aspekte auf dem Stundenplan. Seit dem Führerscheinerwerb und der ersten Verkehrsteilnahme ist doch einige Zeit vergangen. So wird daran erinnert, dass immer dort, wo runde blau-weiße Schilder auf einen Radweg aufmerksam machen, dieser auch genutzt werden muss. Darüber hinaus werden Schutzkleidung und die Sicherheit des Fahrrades angesprochen. „Reflektoren sind für Fahrradfahrer jeden Alters wichtig“, betont Machunske. Und auch zum Helm raten die Polizisten allen Fahrradfahrern.

Ein Test mit einem rohen Ei

„Ein rohes Ei, das in einem kleinen Styroporhelm steckt, geht nicht kaputt, wenn es fällt“, veranschaulicht der Verkehrssicherheitsberater. Was ohne Helm mit dem Ei passiert, kann sich jeder vorstellen – und leicht auf den menschlichen Kopf übertragen. „Ein Helm kann Leben retten“, betont Thelen. Dafür müsse der Helm aber auch richtig sitzen. Jeder müsse sich selbst fragen, ob die Frisur oder die Sicherheit wichtiger sei. „Mittlerweile gibt es auch schicke Modelle und auch reflektierende Kleidung muss nicht hässlich oder schwer anzulegen sein.

Anders als besondere Pedelecs, die es auf 45 oder sogar 60 Stundenkilometer schaffen, und damit als Kleinkraftrad gelten, werden die normalen E-Bikes, die bei 25 km/h die Unterstützung einstellen auch rechtlich, wie Fahrräder behandelt.

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