Heimbach - Seltenes Jubiläum: Martin Waider seit 50 Jahren Kirchenmusiker

Seltenes Jubiläum: Martin Waider seit 50 Jahren Kirchenmusiker

Von: Gudrun Klinkhammer
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Seit 50 Jahren spielt Martin Waider in Blens in der Kapelle St.Georg die Orgel. Foto: Gudrun Klinkhammer

Heimbach. Martin Waider griff am Sonntagmorgen in die Vollen. Mit großer Hingabe ließ er den Choral „Großer Gott, wir loben dich“ in der ausgezeichnet besuchten St.-Georg-Kapelle in Blens erklingen.

Allen Grund hatte er zu dem leidenschaftlichen Auftritt an diesem Tag, spielt er doch seit genau 50 Jahren die wohlklingende Schumacher-Pfeifenorgel in dem kleinen Gotteshaus. Pfarrer Dr. Christian Blumenthal zelebrierte die Messe und erinnerte in einer Ansprache an die Anfänge des verdienten Kirchenmusikers.

Anfang der 1960er Jahre wurde erstmals die Bitte an Martin Waider herangetragen, die Orgel in Blens zu spielen. Der betagte Organist Leo Weyer konnte den Dienst aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr lange fortsetzen. Christian Blumenthal schilderte augenzwinkernd: „Martin konnte gut Blockflöte spielen und da war sein Lehrer Hoppe sicher, dass er auch die Töne auf einer Orgel zurechtrücken könne.“

Bei diversen Lehrern nahm der Junge fortan Unterricht, übte sich im Tasten- und Pedalspiel. Der Jubilar erinnert sich heute noch gerne an die Zeit zurück. Während inzwischen nur noch eine Messe pro Woche in der St.-Georg-Kapelle ansteht, zuzüglich einiger Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen, gab es während der Jugendzeit von Martin Waider zwei Werktagsmessen zu bewältigen, einen Samstags- und zwei Sonntagsgottesdienst.

Problematisch wurde es, hatte der junge Mann eine Nacht durchgemacht. Er erzählt schmunzelnd: „In meiner Sturm- und Drangzeit kam ich schon mal im Morgengrauen nach Hause.“ Um 7.30 Uhr stand allerdings sonntags schon wieder die erste Messe auf dem Dienstplan.

Der Vater, so Martin Waider, trat dann zeitig an die Treppe und weckte den Sohn mit seiner sonoren Stimme. Noch ziemlich benommen griff der junge Musiker seine Noten und eine Flasche Wasser.

Zeit, um vor der Messe noch zum Pastor zu gehen, hatte er dann allerdings keine mehr. Geradewegs ging er die Treppe zur Empore herauf. Auf der Orgelbank angekommen hob er nur eine Hand, und der aus den Niederlanden stammende, sehr freundliche Pastor Josef Rombouts wusste Bescheid, dass er seinen Organisten an diesem Tag nicht überstrapazieren durfte. Ein einziges Mal, ausgerechnet zu einer Hochzeitsmesse, schaffte es Martin Waider nicht mehr pünktlich auf die Orgelbank. Nach einem langen Polterabend hatte er mit einigen Kollegen die Feierlichkeiten an anderer Stelle noch fortgesetzt.

Im Morgengrauen hatten die Kollegen nicht im Ansatz Lust, den Weg nach Hause anzutreten, und so kam auch der Kirchenmusiker nicht pünktlich an seinen Arbeitsplatz. Doch hatte er Glück im Unglück. Martin Waider berichtet: „Zufällig weilte mein Kollege Erich Stollenwerk, Organist in Kesternich, unter den Gästen und sprang kurzfristig für mich ein.“ Noch heute sind die beiden Vollblutorganisten bestens miteinander befreundet. Zum Jubiläum am Sonntag war die Orgel mit Gold dekoriert, zudem erhielt der 65-jährige Werkzeugbauer für seine langjährige Treue und seinen Einsatz an der Orgel langanhaltenden, herzlichen Applaus.

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