Selbstschutz: Nachfrage nach Kursen steigt

Von: Sarah Maria Berners
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Wie können Frauen sich aus dem festen Griff eines Mannes lösen? Das können die Teilnehmerinnen von Selbstverteidigungskursen lernen. Allerdings betonen Trainer und Experten, dass solche Kurse nur ein erster Einstig sein können. Routine ist wichtig. Foto: Sarah Maria Berners

Düren. „Seit den Vorfällen an Silvester fühlen sich die Leute verwundbarer. Vorher haben viele gedacht: ‚So etwas passiert mir nicht.‘ Durch die Vorfälle ist ihnen klargeworden, dass sie nicht geschützt sind“, sagt Marc Kraft, der in Düren die israelische Selbstverteidigungsform Krav Maga unterrichtet.

Nicht nur bei ihm ist die Nachfrage nach Selbstverteidigungsangeboten gestiegen. Auch im Gesundheitszentrum des Krankenhauses Düren und beim Kreissportbund hat sich die Nachfrage erhöht. Der KSB überlegt daher, einen neuen Kurs zu schaffen. Beim Gesundheitszentrum war das Angebot, das noch im vergangenen Jahr keinen Anklang, fand, schnell ausgebucht. „Es haben sich auch Mütter mit ihren Töchtern angemeldet“, weiß Christiane Kraft, die Leiterin des Zentrums.

„Kurse können nur ein erster Einstieg sein“, sagt Edmund Gallich, der beim FC Blau Weiß Embken Taekwondo und Hapkido trainiert. Er warnt davor, dass Crash-Kurse eine falsche Sicherheit vermitteln. „Die richtigen Reaktionen müssen lange eingeübt werden, sie müssen Reflexe werden. In einer ernsten Situation gibt es keine Zeit zum Überlegen. Dann muss die Entscheidung unmittelbar aus dem Bauch kommen“, betont er die Bedeutung von längerfristigem und regelmäßigem Training.

Als erste Berührung mit der Selbstverteidigung versteht auch Peter Hornfeck den Kurs am Krankenhaus. „In dem Kurs geht es nicht nur um entsprechende Techniken, sondern auch um eine Sensibilisierung“, betont der Trainer. „Die Menschen verhalten sich heute anders. Sie passen weniger gut aufeinander auf, weil sie zum Beispiel statt des Umfeldes das Smartphone im Blick haben.“ Nahende Bedrohungen würden dann nicht oder zu spät wahrgenommen. Immer mehr Schutzbarrieren würden fallengelassen, Privates beispielsweise in lauten Telefonaten öffentlich gemacht. Als Beispiel nennt er das Mädchen, das in der Bahn laut telefonierend vom Stress mit dem Freund erzählt und damit eine Trennwand abbaut. Darüber hinaus gehe es bei der Selbstverteidigung auch darum, lautes Schreien, ein bestimmtes „Nein“ und eine selbstbewusste Körperhaltung zu erlernen.

Bei den eigentlichen Selbstverteidigungstechniken ist es zunächst wichtig, eigene Hemmschwellen zu überwinden, betont Jörg Hamel vom 1. Judoclub Düren. „Man muss sich zunächst überhaupt einmal trauen, zu agieren. Mit einer Ohrfeige kann man schon viel erreichen. Alleine, weil der Angreifer dann sehr überrascht ist“, ergänzt Barbara Nußbaum, die im Judoclub einen Kurs für Frauen leitet. Die Idee dazu ist allerdings schon im vergangenen Jahr entstanden. Und auch sie sieht den Kurs als ersten Einstieg. Selbstverteidigungstechniken würden nur die Hälfte des Inhaltes ausmachen, ergänzend zu selbstbewusstem und bestimmtem Auftreten.

„Vor allem die Bewusstseinsschärfung eines solchen Angebotes wirkt nachhaltig“, weiß sie. Er zeige erste Handlungsmöglichkeiten auf, beispielsweise wie man einen festen Griff lösen kann. Das wird zunächst in der Frauenrunde und dann auch am stärkeren Gegenüber geprobt – für Frauen, die das möchten.

„Eine Herausforderung ist, dass sich die Komponente Angst in einer Ernstsituation nicht simulieren lässt. Genau deswegen sind die Routine und das reflexartige Reagieren so wichtig“, sagt Krav-Maga-Trainer Marc Kraft. Er betont: „Ein Rückzug ist nicht feige, sondern klug.“ Und auch Hapkido-Experte Edmund Gallich rät: „Gerade wenn es sich um eine Gruppe von Angreifern handelt, ist die Flucht der bessere Weg. Eine solche Situation ist selbst für erfahrene Kampfsportler nicht unbedingt zu lösen.“

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