Selbsthilfegruppe: Gemeinsam gegen Migräne und Kopfschmerzen

Von: Gudrun Klinkhammer
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Marie-Luise Heffenmenger (li.) und Marlies Wetzler wissen, was es bedeutet, von Kopfschmerzen geplagt zu werden. Foto: Gudrun Klinkhammer

Düren. Verabredungen mit Menschen, die an Migräne leiden, sind gar nicht so einfach. „Ja, gerne können wir einen Termin machen, aber es kann sein, dass ich kurzfristig wieder absagen muss, weil ich Migräne habe“, lautet die Antwort auf eine Terminanfrage.

„Migräne sind Kopfschmerzen, obwohl man gar keine hat“, formulierte Erich Kästner in seinem Buch „Pünktchen und Anton“.

Was der berühmte Autor damit wohl ausdrücken wollte: Migräne wurde damals – wie heute zum Teil immer noch – eher als Hysterie beziehungsweise Hypochondrie angesehen, vielleicht sogar als Drückebergertum. Dabei ist Migräne eine anerkannte Volkskrankheit, die eine ausgeprägte Beeinträchtigung mit sich bringt und Kopfschmerz ist dabei nur ein mögliches Symptom einer Migräneattacke. „Es kann bis zur Handlungsunfähigkeit führen“, sagt Marlies Wetzler, die Sprecherin der Selbsthilfegruppe Kopfschmerz/Migräne Düren. Die Ursachen beziehunsgweise Auslöser können unterschiedlicher Art sein. Marlies Wetzler beispielsweise hatte 2001 im Alter von 53 Jahren einen Autounfall. Seither plagt sie Migräne und Clusterkopfschmerz, wöchentlich, immer ist die rechte Kopfhälfte betroffen.

Marie-Luise Heffenmenger ist 63 Jahre alt und wird immer schon von Kopfschmerzen geplagt. Am 19. Juli 2000, an diesen Tag erinnert sie sich genau, erlitt sie eine extrem heftige Attacke. Seither ist ihre atypische Migräne chronisch. Gliederschmerz, Erschöpfung, Übelkeit und Erbrechen sind nur einige der Beeinträchtigungen, mit denen sie laufend zu kämpfen hat. 17 Mal wurde sie in einem Jahr im Krankenhaus stationär behandelt, doch niemand konnte helfen. Ein renommierter Arzt nahm sie irgendwann in den Arm und sagte: „Gute Besserung brauche ich ihnen nicht wünschen, die werden sie nicht haben.“

„Komplette Psychoschiene“

Die Betroffene muss heute lachen, denkt sie daran, was der Arzt sie alles fragte: „Der klapperte die komplette Psychoschiene ab, fragte nach meinem Urlaubsverhalten, meinen Zähnen, wollte wissen, ob ich ein geregeltes Sexleben habe, viel Schokolade esse und ob meine Nasenscheidenwand gerade ist.“ Das größte Problem neben Schmerzen und Beschwerden: Marie-Luise Heffenmenger stand im Job und musste funktionieren. Viele Tabletten und Infusionen ließ sie über sich ergehen, musste gefahren werden, da sie mit derartigen Medikamenten vollgepumpt kein Steuer in die Hand nehmen durfte. Eine Fehlfunktion von Hormonen im Gehirn, die sich auf die Gefäße auswirkt, Reizleiterstörungen, Erbanlagen – eine wirkliche Erklärung gibt es nicht. Die Betroffenen wissen, dass sie, wenn sie nicht gut aufpassen, schnell in der Isolation landen.

In der Selbsthilfegruppe fangen sich die Betroffenen gegenseitig auf, tauschen Erfahrungen aus, hören Vorträge und geben sich Hilfestellungen. So ist es ratsam, ein Tagebuch zu führen um möglicherweise herauszufinden, was der Auslöser sein könnte. „Vor acht Jahren bildete sich die Gruppe, und zu uns kommen Frauen wie Männer sämtlicher Altersklassen von 14 bis 70 Jahre“, sagt Wetzler. Wichtig ist der Sprecherin der Gruppe die Zusammenarbeit mit der Migräneliga: „Wir erhalten aufgrund der Kooperation die Möglichkeit, an Fortbildungen teilzunehmen, besuchen Kliniken, erhalten Einblick in neue Behandlungsmethoden und führen Gespräche mit Fachärzten, die gerne ihr Wissen und Können an uns weitergeben.“

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