Selbstbestimmung, Respekt und Würde

Von: Gudrun Klinkhammer
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„Sterben hat einen Platz im Leben“: Unter dieser Überschrift stand eine Veranstaltung in der Wohnanlage Sophienhof in Niederzier, zu der die SPD-Bundestagsfraktion eingeladen hatte. Foto: Gudrun Klinkhammer

Niederzier. Das Thema „Sterben“ betrifft jeden, irgendwann. Doch wird dieses unumgängliche Thema in der deutschen Gesellschaft gerne an den Rand gedrängt beziehungsweise, es gilt sogar als Tabu-Thema.

Dagegen geht seit Jahren zum Beispiel die SPD vor. Unter der Überschrift „Sterben hat einen Platz im Leben“ lud die SPD-Bundestagsfraktion mit dem Dürener Bundestagsabgeordneten Dietmar Nietan und der Bundestagsabgeordneten Helga Kühn-Mengel in den Vortragsraum der Wohnanlage Sophienhof nach Niederzier ein. Rund 70 Personen nahmen die Einladung an. Mit Fachleuten beleuchteten die Politiker den Ist-Zustand und die Entwicklung der Hospiz- und Palliativversorgung. Dietmar Nietan moderierte die Gesprächsrunde, Helga Kühn-Mengel gab das Impulsreferat.

Selbstbestimmung, Schmerzen ersparen und Respekt und Würde walten lassen, das sind Schlagworte, die für die letzte Lebensstation wünschenswert sind. Kühn-Mengel: „Leider sieht die Wirklichkeit oft anders aus. Viele Menschen haben Angst, der Technologie in diesem hoch spezialisierten Gesundheitssystem ausgeliefert zu werden.“ Laut einer Bertelsmann-Studie, wusste die Bundestagsabgeordnete, möchten 96 Prozent der Deutschen zu Hause sterben. Tatsächlich sterben 46,6 Prozent in einem Krankenhaus und 25 Prozent in einem Heim.

Zunehmend gewinnt die Palliativmedizin an Raum. Kühn-Mengel: „Palliativ, da steckt das Wort Mantel drin, schützend und stützend.“ 100.000 Ehrenamtler engagieren sich derzeit bundesweit auf diesem Feld, 9000 Ärzte und 20.000 Pflegekräfte ließen sich bereits entsprechend schulen. Krankenkassen tragen 95 Prozent der Hospizkosten, fünf Prozent müssen diese Einrichtungen über Spenden einholen.

Auch ist eine hospizliche Betreuung zu Hause möglich und wird von Krankenkassen übernommen. Die Politikerin bemängelt allerdings: „Die Informationen müssten besser fließen, die Versicherten wissen zu wenig.“ Weiter sagte sie, dass das deutsche Gesundheitssystem zwar grundsätzlich ein Gutes sei, aber immer wieder an den einzelnen Sektoren scheitere. Kühn-Mengel: „Alle arbeiten für sich, das ist eine große Schwachstelle.“

Das Randthema

Dr. Herbert Breuer, Leiter des Interdisziplinären Schmerz- und Palliativzentrums am St.-Augustinus-Krankenhaus in Lendersdorf, bestätigte, dass sich die Vermittlung der Palliativmedizin, etwa während des Studiums, noch ganz am Anfang befinde. Breuer: „Palliativmedizin war bisher ein Randthema.“ Bei dieser Art der Behandlung handele es sich nicht um Sterbemedizin. Breuer: „Symptome werden behandelt, um aus der Zeit, die vielleicht noch bleibt, etwas herauszuholen.“ Das St.-Augustinus-Krankenhaus besitzt mehrere Palliativbetten und besitzt damit eine von 250 derartigen Stationen in ganz Deutschland.

Gerda Graf, die Ehrenvorsitzende des Deutschen Hospiz- und Palliativverbands, erinnerte an die Zeiten, als vor einigen Jahrzehnten die Menschen noch abgeschoben und unbeachtet in Badezimmern starben, frei nach dem Motto: „Da ist nichts mehr zu machen, und sterben kann man ja auch alleine.“ Diese Misere habe sich deutlich gewandelt.

Doch wünschte ich auch die Ehrenvorsitzende, dass das Zusammenwirken der einzelnen Stellen in Deutschland weiter voran getrieben werde, damit es optimal funktioniere.

Petra Rosarius, ehrenamtliche Mitarbeiterin im Hospiz Düren-Lendersdorf und verheiratete Mutter von zwei jugendlichen Kindern, erklärte, warum sie sich engagiert: „Im Hospiz erhalte ich vieles und kann auch vieles geben, was woanders gar nicht angefragt wird. Im Hospiz wird ja nicht nur gestorben, da wird auch viel gelebt und gelacht, die Lebensqualität ist hoch und das Leben ist sehr intensiv, von Tag zu Tag.“

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