Düren - Selbstanzündung: Wer hilft Zeugen, das Erlebte zu verarbeiten?

Selbstanzündung: Wer hilft Zeugen, das Erlebte zu verarbeiten?

Von: Stephan Johnen
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Unter der Polizeirufnummer 110 ist auch seelsorgerische Hilfe zu erreichen. Symbolfoto: Marc Müller/dpa

Düren. Mitten im Adenauer-Park hat sich am Montag ein Mann mit Benzin übergossen und angezündet. Der 50-jährige Dürener starb noch an Ort und Stelle. Die Staatsanwaltschaft geht von Selbstmord aus. Die Polizei beschäftigt eine weitere Facette: Ein Unbekannter hat den Suizid mit dem Mobiltelefon gefilmt und das Video offenbar online gestellt. Am Dienstagabend wurde Anzeige erstattet.

Im Park hatten am Montag viele Passanten das schreckliche Ereignis mitbekommen, die Polizei erfasste elf Zeugen. Dem Vernehmen nach sollen sich in Sichtweite des Suizids auch Eltern mit kleinen Kindern aufgehalten haben. Doch welche Hilfsmöglichkeiten gibt es bei der Verarbeitung des Erlebten?

Die Polizei wies auf Rückfrage darauf hin, dass Zeugen, die Unterstützung brauchen oder Angaben zu dem unbekannten Filmer machen wollen, sich an die Leitstelle (Telefon 02421/949-6425) wenden können. Bereits am Montag waren Polizeiseelsorger im Einsatz. Dieses Angebot stehe allen Zeugen offen. In dringenden Fällen könne auch der Notruf 110 gewählt werden.

„Ich kann nicht ausschließen, dass auch Schüler Augenzeugen geworden sind“, sagte Jürgen Momma, Leiter der Realschule Wernersstraße, am Mittwoch auf DZ-Nachfrage. Der Park liegt in Nachbarschaft der Schule, die Tat hatte sich kurz nach Unterrichtsende ereignet. An der Schule gebe es für solche Fälle ein Krisenteam, zu dem neben Beratungslehrern auch der Schulsozialarbeiter gehört.

„Pietätlos“

„Bislang haben sich weder Eltern noch Schüler gemeldet“, sagte Jürgen Momma. Die Mitglieder des Krisenteams seien aber alle über das Geschehen informiert. In Krisenfällen könne die Schule unter anderem auch auf die Unterstützung des Schulpsychologischen Dienstes zurückgreifen.

Dass jemand den Selbstmord gefilmt hat, bezeichnete Momma als „pietätlos“. Das Video, das in sozialen Medien zu sehen gewesen und nach DZ-Informationen über Nachrichten-Gruppen unter Schülern nicht nur in der Stadt ausgetauscht worden sein soll, sei ihm bislang unbekannt.

„Wenn wir mitbekommen, dass Schüler solche Videos haben oder austauschen, sprechen wir sehr intensiv über die moralische Dimension und die Folgen und informieren auch die Eltern“, erklärte Momma. Eine weitere Verbreitung soll verhindert werden. Daher werde ein solches Thema nicht im Plenum angesprochen. Dies wecke im Zweifelsfall nur Neugier.

„Wir leben in einer Zeit, in der alles schnell die Runde macht“, sagte Momma. Die Suche nach dem Extremen ist ein gesellschaftliches Phänomen und Kinder sind von Natur aus neugierig. „Aufgabe von Eltern und Schule ist es, dies zu lenken, Präventionsarbeit zu leisten.“ Generell könne es nie schaden, ab und zu den „Medienkonsum“ der Kinder zu kontrollieren. 

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