Düren - Seit Jahren stellt die Maus die Weichen

Seit Jahren stellt die Maus die Weichen

Von: Benjamin Jansen
Letzte Aktualisierung:

Düren. Ein dicker Wintermantel, kuschelige Handschuhe und eine wärmende Mütze - Bahnreisende, die sich am Samstagmorgen etwas „dicker” eingepackt hatten, waren am Dürener Hauptbahnhof klar im Vorteil. Denn für viele Reisende begann der Start ins Wochenende mit kollektivem Frieren.

Um 7.20 Uhr legten zwei defekte Com-Server im elektronischen Stellwerk Düren den Bahnverkehr zwischen Köln und Aachen lahm (wir berichteten). Sechs Regionalverbindungen und zwei Fernverbindungen fielen der Störung zum Opfer - und mehr als sechs Stunden dauerte es, bis die Panne behoben war.

Während hunderte Bahnreisende in der Kälte auf die Weiterfahrt hofften, begab sich ein Techniker auf die Suche nach dem „Fehlerteufel”. „Ein Software-Problem wäre schnell zu beheben gewesen. Wenn aber die Hardware streikt, kann es dauern”, erklärt Bahn-Sprecher Jürgen Kugelmann. Ersatz für die ausgefallenen Rechner musste her - der Umstieg auf die „neue” Technik forderte seinen Tribut.

Seit dem 24. November 2002 läuft alles beim Stellwerk Düren digital ab. Die Zeit von Hebeln und Seilzügen, die die Weichen und Signale früher einstellten, ist ebenso abgelaufen wie die Zeit der Drucktastenstellwerke. Und mit ihr ging auch die Ära der Fahrdienstleiter zu Ende, deren Arbeit nun von Computern erledigt wird - ein Stück Eisenbahnromantik wurde von der Technik vertrieben. Nur noch ein Not-Bedienplatz steht in Düren zur Verfügung, umgeben von zahlreichen Rechnern, die in eisernen Schränke verstaut sind. Der Grundgedanke, der hinter der Umstellung steht: Die analoge Technik ist zwar genauso sicher wie die digitale, sie gestaltet sich aber deutlich wartungs- und personalintensiver. Deshalb wurden im Laufe der Jahre mehr und mehr Standorte „umgerüstet”.

In der Betriebszentrale in Duisburg ist die Abschaffung von Personal undenkbar, da von dort aus auch der Bahnverkehr in unserer Region „ferngesteuert” wird. Ein Mitarbeiter ist für die Signale zuständig - und die Maus stellt die Weichen.

Das neue System birgt jedoch auch Risiken. Denn in den vergangenen Jahren schlichen sich immer wieder Betriebsstörungen ein - Signale zeigten dauerhaft Rot an, so dass es im Großraum Aachen zu erheblichen Verspätungen kam. Im November 2007 reagierte die Geschäftsführung des Aachener Verkehrsbundes (AVV) auf diesen Zustand, indem sie die sofortige Einstellung sämtlicher Zahlungen des AVV an die Deutsche Bahn ankündigte, falls sich die Situation nicht bessere.

Am Samstag hat sich die Situation wieder zugespitzt, da die 31 Kilometer lange Strecke zwischen Aachen und Düren erneut Probleme bereitete. Auch für die Fahrgäste aus Köln hieß es deshalb: Endstation Horrem.

Dass noch mehr Bahnreisende dieses Schicksal ereilte, dürfte für die frierenden Fahrgäste am Hauptbahnhof Düren nur ein schwacher Trost gewesen sein. Denn die mussten noch bis 13.30 Uhr warten, bis die Panne im Stellwerk endlich behoben war. Der geregelte Fahrbetrieb wurde sogar erst ab 18 Uhr wieder aufgenommen.

Ein paar Fahrgäste fanden jedoch eine (Not-)Lösung: Im warmen Taxi ging´s auf nach Horrem.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert