Seit fünf Jahrzehnten an der Zapfsäule

Von: BEATE WEILER-PRANTER
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Willy Küpper am Zapfhahn – heute. Foto: bwp

Heimbach. „Als ich vor 50 Jahren hier meine Lehre als Tankstellenkaufmann begann, war ich 14 und gerade mal 1,50 Meter groß. Passende Berufsbekleidung gab es für mich damals noch nicht“, erinnert sich Willy Küpper. Also griff Willys Mutter 1963 zu Nadel und Faden und änderte den kleinsten „Blaumann“, der zu finden war, auf die Maße ihres Sohnes um.

Auch nach Ende seiner Lehrzeit und zusätzlicher Ausbildung zum Kfz-Mechaniker blieb Willy Küpper, der inzwischen bei der Shell-Raffinerie in Godorf arbeitete, „seiner“ Heimbacher Tankstelle treu: „An den Wochenenden hab ich hier immer wieder ausgeholfen“, erzählt er und zeigt ein altes Foto, auf dem zwei im Stil der 1950er Jahre abgerundete Zapfsäulen unter einem futuristischen Flügeldach zu sehen sind. „Während meiner Lehrzeit nannte man das eine ‚Großtankstelle‘“, erklärt Willy Küpper mit einem Schmunzeln.

Als die Heimbacher Tankstelle im Januar 1973 neu verpachtet werden sollte, ging auch er ins Rennen und bekam – trotz über 30 weiterer Bewerbungen – den Zuschlag. Einziger Haken: „Damals konnten nur Ehepaare einen Pachtvertrag unterschreiben.“ Kurzerhand führte der 24-jährige Willy seine Freundin Ingrid zum Standesamt. „Geheiratet hätten wir sowieso. Aber vielleicht nicht so früh“, fügt Ingrid Küpper 40 Jahre später hinzu. Die „Flitterwochen“ verbrachten das Paar in Hamburg: auf einem dreiwöchigen „Tankstellengrundlehrgang“. Seitdem sind die Zwei das Herz der Heimbacher „Tanke“.

Die Konditionen des damaligen Pachtvertrags kennt Willy Küpper noch ganz genau: „An BP musste ich 47 D-Mark Miete zahlen und als Grundstückspacht ging pro getanktem Liter Sprit jeweils ein halber Pfennig an die Stadt Heimbach.“ Viele seiner „guten Stammkunden“ betreut Willy Küpper bereits seit 50 Jahren. Er weiß noch ganz genau, wer wann welches Auto fuhr und seine Erzählungen spiegeln eine ganze Ära wider: die Ölkrise 1973 mit dem Sonntagsfahrverbot („Stundenlang war hier kein einziger Wagen zu sehen!“) oder die Einführung der ersten Münzzapfsäule („Damals wurden wir nachts oft aus dem Bett geklingelt, weil wieder irgendetwas nicht funktionierte!“).

Die drei Küpper-Kinder sind mit und auf der Heimbacher Tankstelle groß geworden. „Dort drüben stand das Laufställchen!“, zeigt Ingrid Küpper. „Und hier war früher eine kleine Küche“, verweist sie nach links. Dorthin, wo nun ein Sortiment mit Supermarktware steht.

„Manchmal habe ich einem unserer Stammkunden den Kochlöffel in die Hand gedrückt, wenn ich draußen einen Wagen auftanken musste“, erinnert sie sich. Denn damals gab es noch keine Selbstbedienung. Für so manchen Einbrecher allerdings schon: „Früher hatten die es besonders auf Autoradios abgesehen“, weiß Willy Küpper. Einer der Diebe war sogar so dreist, sich mitten in der Nacht Spiegeleier mit Speck zu braten. Unvergessen bleibt auch ein bewaffneter Raubüberfall und die Episode, als ein auswärtiger Landwirt 1800 Liter Sprit im Wassertank bunkerte und mit einem windigen Scheck bezahlen wollte.

Eintönig sei das Leben am Heimbacher Kreisel garantiert nie gewesen. „Was früher die Schmiede im Dorf war, ist heute unsere Tankstelle“, erzählt Willy Küpper. „Hier treffen sich die Heimbacher auf ein kurzes Schwätzchen, trinken eine Tasse Kaffee im Stehen und im Sommer wird draußen ‚gekartet’.“

Auch Radrennfahrer und Amateurweltmeister Heinrich Hövel hat bei seinen Trainingsfahrten durch die Eifel seit Jahrzehnten regelmäßig einen Zwischenstopp in Heimbach eingeplant. „Auf seiner Internetseite ist dann zu lesen ‚Station bei Ingrid und Willy‘“, freuen sich die Zwei von der Tankstelle.

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