Seit 90 Jahren Sprachrohr für Blinde und Sehbehinderte

Von: Anne Wildermann
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Susanne Draheim und Michael Mohr vom Blinden- und Sehbehindertenverein Düren mit Hündin Gustel. Foto: Wildermann

Düren. Der Blinden- und Sehbehindertenverein Düren feiert sein 90-jähriges Bestehen. Für den neuen Vorsitzenden Michael Mohr (40) ein Grund zum Feiern. „Allerdings wird es keine öffentliche Veranstaltung geben. Wir wollen mit unseren Mitgliedern eine Schifffahrt auf dem Rhein von Bonn nach Linz machen und in einem Restaurant in Düren essen gehen“, fasst er zusammen.

Seit März ist Mohr Vorsitzender und seit 2012 Mitglied. Mit Susanne Draheim (41), die seit 2015 Schriftführerin ist, und dem zweiten Vorsitzenden Christian Kappler will Mohr den Verein für junge Menschen, die entweder blind oder sehbehindert sind, reizvoller gestalten. „Wir wollen beispielsweise über Facebook mehr Betroffene erreichen. Wir haben dort schon eine Gruppe mit knapp 100 Mitgliedern“, berichtet Draheim.

Zunächst sei es gar nicht so einfach gewesen, diese Gruppe zu gründen, da einige Vereinsmitglieder die Ansicht waren, dass die sozialen Netzwerke keinen Nutzen für die Vereinsarbeit haben. „In der Vergangenheit wurde der Schwerpunkt auf die älteren Mitglieder gelegt“, erzählt Mohr. Das solle sich künftig ändern. „Wir wollen sowohl für jüngere als auch für ältere Mitglieder interessant sein und es bleiben“, ergänzt er. Der Altersdurchschnitt im Verein liegt bei 64 Jahre.

Draheim kann gut nachvollziehen, dass jüngere Menschen, die ein Handicap haben, nicht Mitglied werden wollen. „Ich komme ursprünglich aus Braunschweig und bin vor 20 Jahren dort einem Blinden- und Sehbehindertenverein beigetreten. Ich war einmal dort und dann nie wieder. Es war furchtbar“, erinnert sie sich.

Selbst auf Fotos für die Homepage oder für Flyer wurde in der Vergangenheit verzichtet. „Die früheren Akteure haben einfach keine gemacht“, sagt Mohr und erzählt, dass er für den neuen Flyer erstmal ins Fotostudio gegangen sei, um Bilder anfertigen zu lassen. Mit dabei war auch Gustel, die viereinhalb Jahre alte Labradorhündin von Draheim. Gustel wurde zum Blindenführhund ausgebildet und führt ihr Frauchen sicher und routiniert durch Düren.

Der Verein, der insgesamt 119 Mitglieder aus dem Kreis Düren hat, ist auch in Jülich aktiv, nämlich im Arbeitskreis für Inklusion (kurz AKI). Und auch beim Inklusionsbeirat in Düren diskutieren die blinden und sehbehinderten Männer und Frauen mit, geben Vorschläge und Ideen beispielsweise für die Sanierung der Kölnstraße. Verkehrsfragen sind für Mohr und Draheim sowieso ein „großes Thema“.

Vor allem die taktilen Leitlinien, die Blinden- und Sehbehinderten eine Orientierungshilfe auf dem Boden sein sollen, seien häufig mit Stühlen von Straßencafés zugestellt oder von Geschäften, die auf den weißen Erhebungen ihre Werbetafeln aufstellen. „Gustel orientiert sich an diesen Leitlinien und wenn die zugestellt sind, hat auch sie ihre Probleme, den richtigen Weg zu finden“, erklärt Draheim.

Probleme gebe es nach Ansicht der Mitglieder auch bei Blindenampeln. Die gelbfarbenen Kästen geben häufig keine Signale von sich, weil sie defekt sind oder mutwillig zerstört wurden. Sogar die Durchsagen für die Haltestellen in den Bussen fehlen laut Draheim teilweise. „Auch das Absenken der Busse am Bordstein fürs leichtere Ein- und Aussteigen klappt nicht durchgängig“, sagt sie.

Aber nicht alles läuft schlecht für Blinde und Sehbehinderte in Düren. Viel Lob haben Mohr und Draheim für die Audio-Deskription bei Veranstaltungen im Haus der Stadt. Gustel darf sogar in Düren mit ins Kino und sogar ins Schwimmbad. „Auch Geschäfte und Behörden sind sehr offen gegenüber Blinden oder Sehbehinderten“, resümiert Mohr.

Gegründet wurde der Verein 1927 von 30 blinden und sehbehinderten Menschen. Dokumente, Fotos oder andere historische Zeugnisse existieren nicht mehr. Vermutlich sind sie während des Zweiten Weltkrieges verschollen oder in der Bombennacht am 16. November 1944 verschüttet und verbrannt.

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