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Seit 500 Jahren ein Ort des stillen Gebets

Von: Christoph Hahn
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Am 11. November jährt sich die Weihe der ersten Klosterkirche in Mariawald zum 500. Mal. Foto: Hahn

Mariawald. Auch wenn das Gnadenbild der Schmerzhaften Muttergottes seit mehr als 200 Jahren ins Rurtal, genauer gesagt nach Heimbach, „umgezogen” ist - die Abteikirche von Mariawald ist trotzdem ein Pilgerziel.

Hunderte von Touristen treten täglich durch das rot gestrichene Portal, lassen sich von der Atmosphäre voller Stille beeindrucken, suchen in der Seitenkapelle den Beichtstuhl auf oder sprechen ein Gebet.

Was die wenigsten Besucher ahnen: Das nahezu schmucklose Gotteshaus, dessen zurückgenommene Gestaltung ganz der Strenge der hier lebenden Trappisten entspricht, ist auch ein Geburtstagskind: Die Weihe der Kirche jährt sich 2011 zum 500. Mal - eigentlich am 11. November. Damit aber das Jubiläum von möglichst vielen Menschen begangen werden kann, haben Abt Josef Vollberg und die Brüder des Klosters beschlossen, die Feier des Jahrestages auf Sonntag, 13. November, 10 Uhr, zu verlegen.

1824 abgerissen

Was sich heute so unverrückbar auf dem Höhenrücken des Kermeter erhebt, war in vergangener Zeit mancher Gefahr ausgesetzt. 1824 war die Kirche, nachdem das Kloster rund 20 Jahre zuvor während der napoleonischen Besetzung des Rheinlands durch die Franzosen aus den Händen der Zisterziensermönche entrissen und an weltliche Besitzer verkauft worden war, abgerissen worden.

Auch nach der Wiederbesiedelung durch die Trappisten aus Oelenberg im Elsass wurden die Ordensleute mehrfach von hier vertrieben, so im Zuge des Kulturkampfes gegen die Katholiken unter Reichskanzler Bismarck und durch die braunen Machthaber der Hitler-Diktatur, die hier ein Lager für Westwall-Arbeiter errichteten, von diesem stillen Ort vertrieben.

Doch angefangen hatte alles mit einem Dachdecker aus Heimbach namens Heinrich Fluitter. Der hatte mit Hilfe eines Spenders in Köln eine Statue der Schmerzhaften Muttergottes, auch Pietà genannt, erworben. Aufstellen wollte der fromme, aber arme Mann die Skulptur in der Höhlung einer dicken Buche am Amselbach. Doch der Legende nach fand Fluitter die Madonna weit davon entfernt in einem Dornbusch auf der Gemarkung Berschet, dem heutigen Standort der Abtei, vor.

Der Handwerker sah das als göttliche Fügung an, in der er sich zu schicken hatte. Nun ergab sich alles Weitere: Ein Pfarrer von Heimbach gab 1479 sein ganzes Erbe hin, damit eine erste Kapelle gebaut werden konnte. 1511 siedelten sich Zisterzienser aus Bottenbroich, einem mittlerweile in Folge des Braunkohle-Abbaus verschwundenen Ort in der Nähe von Frechen, in Mariawald an und bauten eine Kirche aus Stein.

Gnadenbild 1804 übergeben

Das Gnadenbild freilich blieb nicht ewig dort und wurde am 22. Juni 1804 von Pater Edmund Ossen, einem der letzten Zisterzienser von Mariawald, dem Pfarrherrn des Städtchens im Tal übergeben. Erst in der alten Pfarrkirche St. Clemens, seit 1981 aber in dem unter Pfarrer Josef Olivier errichtetem modernen Gebäude von St. Salvator, ist es nicht nur während der Oktav im Sommer Ziel viel vieler Wallfahrer auch aus der weiteren Umgebung.

Mit „verpflanzt” wurde auch der zugehörige Schnitzaltar mit seinem reichen Bildwerk, der schon von Alters her die Bewunderung der Zeitgenossen auf sich zog. Da großes Gedränge schon von ihrer inneren Einstellung her nicht unbedingt die Sache von Trappisten ist, wird das 500. Kirchweih-Jubiläum zwar mit der gebotenen Würde, aber ohne üppige Prachtentfaltung begangen - schon weil der Konvent von Mariawald derzeit nur noch neun Mönche zählt. Dessen ungeachtet beteiligen sich die Mitglieder des Fördervereins an den Feiern und zeigen am Wochenende des Jahrestages im Bereich der Pforte eine kleine Ausstellung.

Damit nicht genug: Zusammen mit Freunden der Heimbach-Wallfahrt wollen die Förderer noch in diesem Jahr mit der Restaurierung der frei stehenden Kapellen im Bereich des Kreuzweges beginnen. Denn der verbindet Heimbach und Mariawald - allen Brüchen und Sprüngen in der Tradition zum Trotz.
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