Sehbehinderte Kinder mit allen Sinnen im Burgauer Wald

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Pusteblumen machen nicht nur sehenden Kindern Freude. Auch stark sehbehinderte und blinde Kinder sollen Erfahrung in der Natur machen und verarbeiten.

Düren. Elf Kinder und viele Erwachsene stehen an einem Mittwochnachmittag im Kreis am „Rucksackbaum“ auf der „Walnusswiese“ und begrüßen stampfend den Wald. Solche und ähnliche Szenen ist man im Burgauer Wald gewohnt, wird er doch von vielen Eltern-Kind-Gruppen genutzt, um die Natur kennenzulernen und hautnah zu erleben.

Was auf den ersten Blick nicht sichtbar ist: einige der Kinder haben eine Sehbehinderung oder sind blind, und die vielen Erwachsenen sind nicht nur Eltern oder Großeltern der Kinder, sondern auch fünf Frühförderinnen des Frühförderzentrums Düren für sehgeschädigte Kinder und fünf Waldpädagogen der evangelischen Familien- und Erwachsenenbildungsstätte Düren.

Dieser Nachmittag gehört zum vierteljährlich stattfindenden offenen Angebot der Frühförderung mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten, diesmal Thema Wald, und ist das Resultat langer Planung und Vorbereitung, bei der beide Einrichtungen Hand in Hand gearbeitet haben. Koordiniert wurde das Projekt von Andrea Schneider, Projektmitarbeiterin der evangelischen Erwachsenenbildung, die zuletzt mit der Öffnung der Eltern-Kind-Waldgruppen für (seh-)behinderte Menschen betraut war und Gabriele Korf, Leiterin des Frühförderzentrums.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Ein fünfjähriger Junge betrachtet Schnecken mit Augen und Händen. Bei der Berührung mit der echten Schnecke zuckt er zurück. Schnecke „Finchen“, das mitgebrachte Waldmaskottchen aus Fimo mit echtem Weinbergschneckenhaus ist zwar so groß und original wie eine echte Schnecke geformt, fühlt sich aber nicht wie eine echte Schnecke an, schon gar nicht, wenn die sich in ihr Schneckenhaus zurückzieht und nur noch der schleimige „Fuß“ herausschaut.

„Solche Erfahrungen sind enorm wichtig für die Begriffsbildung der Kinder, die Tiere, Pflanzen und Gegenstände nicht oder nur sehr schlecht sehen können und denen die Zuordnung von Begriffen daher schwerer fällt als ihren sehenden Altersgenossen“, sagt Waldpädagogin Doris Breuer. Ein zweijähriges blindes Mädchen sitzt mit Matschhose bekleidet in einem Blätterhaufen und befühlt fasziniert die trockenen Blätter und Ästchen, während einige andere Kinder allein oder an der Hand ihrer Eltern über einen dicken Baumstamm balancieren oder Kräuter sammeln. Weder unebene Wege noch hohes Gras und Wurzelwerk oder gar die Brücke aus zwei Baumstämmen, die über den Bach zum Waldsofa führt, wo das gemeinsame Picknick abgehalten wird, können die Kinder in ihrem Forscherdrang aufhalten.

Jedes Kind nach seinem Interesse und seinem Tempo. Auch für den Geschmack ist etwas dabei: Wiesenkräuterquark, junge Fichtenmaitriebe und Bärlauch schmecken prima auf dem Butterbrot und die Eltern sind überrascht, was ihre sonst gegenüber neuen Nahrungsmitteln eher abweisenden Kinder so alles probieren.

Unter den Frühförderinnen ist man sich einig, dass ein solches Angebot sehr lohnenswert ist und die Kinder an diesem Tag, trotz sonstiger kleiner Schwierigkeiten beispielsweise im Bereich Motorik und Gleichgewicht, viel mitnehmen. Fortsetzung nicht ausgeschlossen.Die Waldpädagogin Doris Breuer merkt an: „Eigentlich ist es nicht viel anders als sonst mit unseren Eltern-Kind-Gruppen im Wald!“

Nähere Informationen zu den Eltern-Kind-Waldgruppen erhalten Interessierte unter Telefon 02421/188108 oder auch im Internet unter www.bildung-bewegt-dueren.de.

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