Düren - Schulz hat Zeit für neun Fragen von Bürgern

Schulz hat Zeit für neun Fragen von Bürgern

Von: Carsten Rose
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Fragen an den SPD-Kanzlerkandidaten: Dagmar Becker (rechts) von der Regionalen Armutskonferenz Düren richtet sich an Martin Schulz, der auf Einladung von Dietmar Nietan nach Düren gekommen ist. Foto: Carsten Rose
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Fragen an den SPD-Kanzlerkandidaten: Dagmar Becker von der Regionalen Armutskonferenz Düren richtet sich an Martin Schulz, der auf Einladung von Dietmar Nietan nach Düren gekommen ist. Foto: Carsten Rose
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Schulz ging mit dem Schild-Geschenk von Jo Ecker („Fußballvereine gegen Rechts“).

Düren. Dagmar Becker hatte nicht erwartet, dass Martin Schulz mit einem profunden Konzept auf ihre „Impulsfrage“ antwortet. Die Geschäftsführerin der Regionalen Armutskonferenz Düren wollte wissen, wie sich der SPD-Chef im Falle einer Kanzlerschaft für die Arbeitsmarktförderung einsetzt.

Was er vorhabe, um Jobsuchende zu unterstützen, die auf dem ersten Arbeitsmarkt keine Chance haben. Den Kern seiner Antwort brachte Schulz mit typischer Wahlkampf-Überzeugung auf den Punkt: „Wir müssen dafür sorgen, dass die Agentur für Arbeit eine Agentur für Arbeit und Qualifizierung wird. Qualifizierung ist das Wichtigste fürs Berufsleben.“ Martin Schulz, 61, führte das Thema freilich weiter aus. Dagmar Becker war zufrieden. „Er hat das Thema aufgenommen und breiter ausgearbeitet, das fand ich gut“, sagte sie anschließend.

Dass sie die Chance hatte, in Düren direkten Kontakt mit dem SPD-Oberhaupt im Wahlkampf aufzunehmen, lag an Dietmar Nietan. Der Schatzmeister und Bundestagsabgeordnete der Sozialdemokraten lud „seinen Freund Martin“ ins Restaurant „Cocoriqo“ am Markt ein, um – exklusive einiger SPD-Politiker – vor mehr als 30 handverlesenen Gästen, die sich im Ehrenamt für die Gesellschaft einbringen oder in Gewerkschaft und Betriebsrat für die Bürger einstehen – und mitunter wenig überraschend auch ein rotes Parteibuch besitzen. „Der Martin hört euch nämlich zu und nimmt Anregungen mit“, verkündete Nietan, bevor Schulz nach einer Großkundgebung aus Bochum in Dürens Mitte erschien.

Ja, Martin Schulz hörte zu, aber noch mehr redete er. In gut einer Stunde und 15 Minuten war Zeit für neun Fragen. Beispiele: Die Rente war in mehreren Abschnitten Thema, Jürgen Müller als Neapco-Betriebsrat etwa sprach sie im Auftrag der Beschäftigten zu Beginn der Fragerunde an. „Die Leute können nach 45 Jahren im Drei-Schichtsystem nicht mehr, sie wollen nicht noch länger arbeiten“, sagte Müller.

Matthias Dürbaum, RWE-Betriebsrat am Tagebau Hambach, forderte am Tag der Klimaproteste im Rheinischen Revier, dass den Kohlearbeitern mehr der Rücken gestärkt werden soll. „Auch wir arbeiten 365 Tage im Jahr für den Wohlstand dieser Gesellschaft – wo bleibt der Respekt dafür?“

Die Freiwilligenarbeit brachte Ingrid Lensing vom Freiwilligenzentrum Düren ins Spiel. Die Zentren als „Arbeitsamt fürs Ehrenamt“ seien unterfinanziert, eine Grundfinanzierung müsse her. Applaus für Fragen und Antworten waren rar an diesem Abend – aber Lensing bekam ihn.

Ebenso Karoline Pinkert vom Asylkreis Inden, für die es unbegreiflich ist, dass den Kommunen das Geld für ausreichend Wohnraum für Flüchtlinge und Sozialhilfe-Empfänger fehlt.

Der Abend sei interessant gewesen, fand Inge Hehemeyer von der Lebenshilfe. Aber: „Für das große Thema Inklusion war leider keine Zeit“, sagte sie, nachdem Schulz gegangen war. Er verließ Düren mit einem Geschenk: Jo Ecker von „Fußballvereine gegen Rechts“ überreichte eins seiner Anti-Rassismus-Schilder, in der Hoffnung, es kommt bald ins Kanzlerbüro.

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