Birkesdorf - Schulsozialarbeiter als Schnittstelle zwischen Schülern und Lehrern

Schulsozialarbeiter als Schnittstelle zwischen Schülern und Lehrern

Von: Stephan Johnen
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Schulsozialarbeiter Stefan Schnee will auch eine Schnittstelle zwischen Schülern, Eltern, Lehrern und den Behörden sein. Foto: Stephan Johnen

Birkesdorf. Was läuft schief, wenn ein Schulsozialarbeiter schon in der Grundschule tätig wird? „Gar nichts“, betont Norbert Lotter, Schulleiter der Katholischen Grundschule Birkesdorf. Es habe Zeiten gegeben, in denen die Schulsozialarbeit kritisch beäugt wurde. Von einer Stigmatisierung möchte Lotter aber nicht sprechen.

Im Gegenteil. „Aus schulischer Sicht besteht überall Bedarf“, bilanziert er. Bei Schülern gebe es heute weitaus mehr Defizite im Sozial- und Arbeitsverhalten, bei manchem Kind werde die Schulreife „erst im System hergestellt“. Der Schulleiter begrüßt es, dass im Rahmen des „Bildungs- und Teilhabepakets“ der Bundesregierung Schulsozialarbeiter Stefan Schnee zu seinem Team gehört. „Er ist ein Gewinn“, sagt Lotter. „Für das Kollegium, aber erst recht für die Kinder.“

Seit September 2012 besucht Stefan Schnee regelmäßig die KGS Birkesdorf, der 41-Jährige bietet auch Sprechstunden, Arbeitsgemeinschaften und Sportangebote an der Hauptschule Birkesdorf, an der Anne-Frank-Gesamtschule und an den Grundschulen Arnoldsweiler, Echtz, Hoven, Merken und Derichsweiler an. „Ich habe mir eigene Schwerpunkte festgelegt“, sagt Schnee, der zuvor viele Jahre lang Jugendeinrichtungen in Bonn und Aachen geleitet hat. So rief er an der Birkesdorfer Grundschule beispielsweise eine Hiphop-Tanzgruppe ins Leben und bietet an der Anne-Frank-Schule eine Gruppe nur für Jungen und ein soziales Kompetenztraining an.

Seine Kernaufgabe im Rahmen des Bildungs- und Teilhabepakets ist es, eine Art Schnittstelle zwischen Schülern, Eltern, Lehrern, Ämtern und Vereinen zu sein. Bis Ende 2014 ist die Arbeit von Stefan Schnee und seinen Kollegen gesichert. Das Land NRW hat im Bundesrat eine Initiative gestartet, damit die Arbeit mit Geld aus Berlin fortgeführt werden kann. „Nicht nur die Arbeitsplätze vieler engagierter Sozialpädagogen stehen auf der Kippe, Verlierer werden auch die Schüler sein, denen mit Hilfe der Schulsozialarbeit eine bessere Lebensperspektive ermöglicht wird“, begründet die Dürenerin Liesel Koschorreck, Präsidiumsmitglied der NRW-SPD, die Initiative ihrer Partei.

Doch wie sieht die Arbeit der Schulsozialarbeiter aus? Stefan Schnee versucht, die etwas sperrigen Inhalte des „Bildungs- und Teilhabepakets“ bekannt zu machen, passgenaue Angebote für Kinder zu finden und bei der Vermittlung von Fördermöglichkeiten zu helfen – seien es Nachhilfestunden, Zuschüsse für Klassenfahrten oder Mitgliedschaften in Vereinen. Er steht regelmäßig für Beratungen zur Verfügung. „Ich möchte aber nicht nur darauf warten, dass jemand anklopft“, sagt Schnee. Also hat er eigene Angebote gestartet – und versucht, sich und seine pädagogischen Fähigkeiten im Schulleben einzubringen.

„Ich stehe außerhalb des Systems“, sagt er. Er sei kein Lehrer, der Noten vergebe. Das ermögliche beizeiten einen anderen Zugang zu den Schülern. Gleichzeitig könne er aber auch Fragen der Eltern beantworten, für die im Schulbetrieb manchmal die Zeit fehle – oder schlicht das notwendige Detailwissen über Förderprogramme.

Die Arbeit trage Früchte, sagt Schulleiter Norbert Lotter. Das Kerngeschäft der Lehrer sei schließlich die Vermittlung von Wissen, gefordert werde auch eine individuelle Förderung jedes einzelnen Schülers. Schon heute betrage der sozialpädagogische Anteil der Arbeit aber mehr als die Hälfte. „Es besteht die Gefahr der Überforderung. Wir können Lehrer nicht als Sozialarbeiter verschleißen“, sagt Lotter. Nicht ohne Grund gebe es eine Spezialisierung der pädagogischen Berufe. Er begrüßt es , dass es mit Stefan Schnee einen Sozialarbeiter an seiner Schule gibt. Wünschenswert wäre es, wenn es an jeder Schule eine solche Stelle gäbe – in Vollzeit. Lotter: „Wer eine 5 in Mathe hat, bekommt Nachhilfe. Das stellt niemand in Frage. Ich wünsche mir, dass es mit der Schulsozialarbeit genauso wird. Wer mehr Unterstützung braucht, bekommt sie.“

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