Schulschließungen und Ausbau von Gesamtschulen

Von: Jörg Abels
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Nachdem der Schulentwicklungsplan Ende vergangener Woche vorgestellt wurde, ist in Düren engagiert diskutiert worden. Nun ist nicht davon auszugehen, dass es in Kürze Entscheidungen geben wird. Foto: imago/Westend61
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Schulentwicklungsplaner Wolf Krämer-Mandeau.

Düren. Monatelang wurden die Zahlen des Dürener Schulentwicklungsplans von Politik und Verwaltung hinter verschlossenen Türen diskutiert und bewertet. Am Donnerstagabend nun hat der von der Stadt beauftragte Planer seine Empfehlungen erstmals öffentlich vorgestellt. Die klare Botschaft von Wolf Krämer-Mandeau für den Bereich der weiterführenden Schulen: „Es wird Änderungen geben müssen“.

Damit widerspricht er der CDU, die sich bereits vor zwei Wochen gegen Schulschließungen und den Ausbau von Gesamtschulkapazitäten ausgesprochen hatte. Krämer-Mandeau begründet seine Schlussfolgerung mit einem Blick auf die nackten Zahlen: Im Grundschulbereich hat die Stadt in den vergangenen zehn Jahren 1100, im Bereich der weiterführenden Schulen 1300 Schüler verloren. „Und die Zahlen bleiben langfristig auf diesem tiefen Niveau“, betont der Planer.

Aus den umliegenden Kommunen drängen lange nicht mehr so viele Schüler wie früher nach Düren und auf der anderen Seite ist die Zahl der Dürener Kinder, die auswärtige Angebote (vor allem Gesamt- und Sekundarschule) annehmen, auf zuletzt 13 Prozent gestiegen. Krämer-Mandeaus Fazit: „Es gibt schon jetzt für die Schullandschaft in Düren zu wenig Schüler und zu viel Raum.“ Die Politik müsse sich entscheiden, ob sie in Zukunft Entscheidungen aus der Not heraus treffen oder ob sie perspektivisch handeln will. Der Planer lässt keinen Zweifel daran, dass er letzteres anrät.

Wie sehen seine Empfehlungen konkret aus? Weil die Zahl der Gymnasiasten in den vergangenen Jahren stetig gesunken und mittlerweile unter 450 je Einschulungsjahrgang gefallen ist, werde es dauerhaft für fünf Gymnasien nicht reichen. Aus planerischer Sicht und zur Stützung der anderen Gymnasien „muss angeraten werden, dass Rurtal-Gymnasium auslaufen zu lassen“.

Weil das „Rurtal“ dauerhaft unter 60 Anmeldungen habe, sei die pädagogisch-organisatorische Existenzgrenze unterschritten, auch wenn die Landesregierung zweizügige Gymnasien noch zulasse. Krämer-Mandeau sieht keine Anhaltspunkte dafür, dass sich das „Rurtal“ erholen könnte. Das Burgau-Gymnasium zu schließen, wäre aus Sicht des Experten keine Alternative und würde nur dafür sorgen, dass mehr Kinder aus dem Dürener Süden nach Kreuzau abwandern.

Um den Bedarf an Gesamtschulplätzen zu decken, bietet Krämer-Mandeau gleich mehrere Alternativen, von der Gründung einer dritten Gesamtschule aber rät er ab. Dafür reiche die Zahl der Schüler mit Gymnasialempfehlung nicht aus. Somit bleiben Dependancelösungen. Vorausgesetzt, das „Rurtal“ würde aufgelöst, könnte dort entweder eine Dependance der Heinrich-Böll-Gesamtschule (HBG) entstehen oder aber die Realschule Wernersstraße einziehen, so dass eine HBG-Zweigstelle auch an der Wernersstraße eingerichtet werden könnte.

Auch bei der Anne-Frank-Gesamtschule könnte man über Dependancen nachdenken. Mögliche Standorte wären die Realschule Bretzelnweg und die sanierungsbedürftige Hauptschule Birkesdorf. Für letztere sieht Krämer-Mandeau keine Zukunft. „Spätestens in fünf Jahren wird trotz der vielen Rückläufer in den Jahrgängen 6 bis 10 eine Hauptschule in der Stadt Düren ausreichen“, ist er überzeugt. Und dabei habe die weitaus größere „Burgauer Allee“ deutliche Vorteile.

Nicht unerwähnt lassen will der Planer, dass auch die Gründung einer Sekundarschule denkbar wäre. In der Befragung haben sich die Eltern aber gegen diese Schulform ausgesprochen. Daher sieht Krämer-Mandeau auch wenig Chancen für die vielerorts angebotene „Neue Realschule“, die auch einen berufsnahen Hauptschulabschluss ermöglicht. „Solange es in Düren noch eine Hauptschule gibt, wird sich dieses Modell nicht durchsetzen“, ist er überzeugt.

Jetzt ist die Politik gefragt, insbesondere die „Ampel“-Mehrheit im Stadtrat. Ob es aber zu schnellen Entscheidungen kommt, darf bezweifelt werden. Zwar kündigte der SPD-Fraktionsvorsitzende und „Ampel“-Sprecher Henner Schmidt an, schon in der kommenden Woche ein Konzept für die anstehenden Beratungen im Schulausschuss vorlegen zu wollen, dass – wenn nötig – auch gegen die CDU durchgesetzt werde.

Ulf Opländer, Vorsitzender des Schulausschusses und SPD-Fraktionsvize, aber hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, die am Status Quo festhaltende CDU noch von der Notwendigkeit von Veränderungen überzeugen zu können. Er wolle keinen Schulstreit in Düren. Er sprach sich dafür aus, erst noch die Anmeldezahlen für das Schuljahr 2017/18 abzuwarten.

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