Heimbach/Düren - Schulobst-Programm: Die EU sponsert 300 Gramm Gesundheit

Schulobst-Programm: Die EU sponsert 300 Gramm Gesundheit

Von: Sarah Maria Berners
Letzte Aktualisierung:
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Schnippeln für 162 Heimbacher Schüler: Sandra Titz (v.l.), Miriam Adams, Sabrina Küpper, Heiko Kindermann und Tanja Witt.

Heimbach/Düren. Nur der Rettich ist bislang sang- und klanglos durch den kritischen Geschmackstest der Grundschulkinder gerasselt. Tomaten, Radieschen und Co. waren ja wirklich lecker, aber beim Rettich wurden an der Dürener Südschule Schnuten gezogen. Abgesehen vom Rettich ist das Schulobst- und Gemüse-Programm aber ein Erfolg.

Dreimal pro Woche bekommen Kinder an 18 Grund- und Förderschulen im Kreisgebiet Schulobst und Gemüse ins Klassenzimmer geliefert. Bezahlt wird die Extra-Ladung Vitamine von der Europäischen Union. Die will mit dem Programm dafür sorgen, dass sich Kinder gesünder ernähren. Denn die Menge an Obst und Gemüse, die täglich in den Kindermägen landet, liege deutlich unter der empfohlenen Menge.

100 Gramm bringen Lieferanten aus der Region pro Kind und Tag in die Schulen. Damit die Schüler auch zugreifen, sind es vielerorts Eltern, die Bananen und Kohlrabi, Tomaten und Apfelsinen in mundgerechte Stücke schnippeln. An der Südschule sorgen die Dritt- und Viertklässler beispielsweise aber vor Unterrichtsbeginn schon selbst dafür, dass für den Tag Obst und Gemüse bereitstehen.

„Von den Kindern wird dieses Angebot, das je nach Saison wechselt, sehr gut und gerne angenommen“, weiß Joachim Dunkel, Leiter der Heimbacher Grundschule. Obst und Gemüse würden ihnen schmecken und ratzfatz verputzt, auch von den Kindern, bei denen Rohkost sonst selten auf dem Speiseplan steht. „Die Kinder merken, dass gesundes Essen schmeckt und gut tut“, ist der Schulleiter überzeugt.

Mit dem EU-Programm sollen Kinder an gesunde Ernährung herangeführt werden. Denn in den Brotdosen landet nicht immer nur Gesundes. „Ein Teil der Schüler hat auch Äpfel oder Kohlrabi dabei, in anderen Brotdosen findet man so etwas aber nicht“, weiß Dunkel. Und auch seine Kollegin Isabell Freyschmidt von der Südschule weiß, dass in einigen Dosen eingeschweißte Schokoladencroissants statt Paprika und einem geschmierten Brot liegen. Manche Kinder kommen sogar ohne Frühstück zur Schule. Fehlende Zeit, fehlendes Wissen, fehlendes Bewusstsein können Gründe dafür sein.

Damit alle Kinder in den Pausen vitaminreiche Kost zu sich nehmen können, haben sich die Schulen für das Obst- und Gemüseprogramm entschieden. Viele Kinder lernen durch das Programm bestimmte Sorten überhaupt erst kennen und schätzen. „Wir möchten ein gesundes Essverhalten fördern und hoffen, dass die Kinder dieses auch in ihre Familien tragen“, sagt Isabell Freyschmidt, die schon vor dem EU-Programm über das Preisgeld eines Wettbewerbs Schulobst organisiert hat.

Das gesunde Essen steht in den geförderten Schulen aber nicht nur auf dem Tisch, sondern auch auf dem Lehrplan. Außerdem sind auch die Lehrer angehalten, zuzugreifen. „Wie die Eltern haben auch wir eine Vorbildfunktion“, erklärt Joachim Dunkel. Miriam Adams – eine Mutter, die in Heimbach eifrig Gemüse und Obst schneidet – erklärt ihre Motivation, morgens mit zu schnippeln: „Ich möchte, dass es für alle Kinder eine Selbstverständlichkeit wird, zu Obst und Gemüse zu greifen.“ Eine Auswertung des Projektes hat laut NRW-Schulministerium ergeben, dass Kinder mit dem Schulobst auch ihre Einstellung gegenüber gesunder Ernährung ändern, dass sie bestimmte Sorten lieber mögen, als noch vor dem Projekt. Als Ideal werden fünf handgroße Portionen Obst und Gemüse empfohlen.

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