Schuldnerberatung: Kontopfändungen nehmen weiter zu

Von: ptj
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Schuldnerberatung ist mehr denn je notwendig: Das Beratungs-Team des Kreises Düren übergibt seinen Jahresbericht an Kreisdirektor Georg Beyß (3.v.r.). Als Vierter v.l. ist Superintendent Jens Sannig zu sehen. Foto: Jagodzinska

Jülich. „Der Mensch hinter den Zahlen“ stand im Vordergrund des Jahresberichtes 2015, den die Schuldnerberatungsstellen im Jülicher Peter-Beier-Haus Kreisdirektor Georg Beyß in Vertretung von Landrat Wolfgang Spelthahn übergaben.

Die Schuldnerberatungsstellen sind eine Säule der kommunikativ strukturierten Sozialen Arbeit im Kreis Düren. Träger sind die Evangelische Gemeinde zu Düren und das Diakonische Werk des Kirchenkreises Jülich. „Soziale Arbeit hat das Ziel, Menschen wieder teilhaben zu lassen“, so formulierte es Dietlinde Folger-Kastrau. Deshalb ist die Schuldnerberatung „mehrdimensional angelegt“. Sie teilt sich auf in Schuldenberatung, Verbraucherinsolvenzberatung und Beratung zum Pfändungsschutz-Konto (P-Konto) und die damit verbundene Antragstellung.

Überschuldung hat sich zu einem Massenphänomen entwickelt, kreisweit ist jeder Zwölfte betroffen. Als Gründe im „multikausalen Gemenge“ nannte Diplom-Sozialarbeiterin Stefanie Richter die Trennung/Scheidung oder Tod des Lebenspartners (15 Prozent), unfreiwillige Arbeitslosigkeit (20 Prozent), reduzierte Erwerbsmöglichkeit oder mangelnde Finanzkompetenz (20 Prozent). Immer häufiger (6,5 Prozent) sei die Einkommensarmut der Einkommensschwachen, die von aufstockenden Sozialleistungen leben, die Ursache. 255 Personen haben im Rahmen der Verbraucherinsolvenzberatung einen Insolvenzantrag gestellt, in 40 Fällen wurde eine außergerichtliche Einigung, etwa ein Ratenzahlungsvergleich erwirkt.

Seit Einführung des Pfändungsschutzkontos zum Schutz des Existenzminimums des Kontoinhabers und seiner Familie im Jahre 2010 verzeichnen die Träger eine „eklatante Zunahme“ von 12,5 Prozent an Kontopfändungsbeschlüssen durch die Gläubiger. 490 Menschen, 100 mehr als noch 2012, nahmen deswegen Krisensprechstunden in Anspruch. Eine Tatsache, die der Schuldnerberatung „zu schaffen macht“. Weitere Sorgenkinder, die ein „zusätzliches aufsuchendes Beratungsangebot“ und damit zusätzliche Kapazitäten erfordern, sind ferner die steigende Altersarmut ab 60 Jahren und Flüchtlinge, Asylbewerber und Migranten, die „ganz schnell in eine Schuldenfalle tappen“, wie Diplom-Sozialarbeiter Wolfgang Stobbe ausführte. Das käme, so Superintendent Jens Sannig, einem „Sprengsatz an einer gelingenden Integration gleich“.

Umso wichtiger ist die geleistete Präventionsarbeit. Laut Präventionsfachkraft Claudia Ritter wurden bereits 165 Vorschulkinder und damit deren Familien mit dem Thema Verschuldung „in Kontakt gebracht“. 836 Schüler weiterführender Schulen wurden im Rahmen des wichtigen Baustein-Projektes „Fit in Finanzen“ unterrichtet.

Viele Dankesworte wurden ausgesprochen, auch im Namen der Ratsuchenden. Sie richteten sich an die Vertrags- und Kooperationspartner, den Kreis Düren, das Land NRW, den Sparkassen- und Giroverband, die Kirchengemeinden im Kirchenkreis Jülich, die Sparkasse Düren, die Deutsche Post AG, das Krankenhaus Düren und nicht zuletzt an die „sehr engagieren Ehrenamtler“, ohne die die Beratung „nicht zu leisten wäre“. Wird eine Schuldnerberatung eines Tages überflüssig sein?

Aufgrund der Gesellschaftsstruktur ist „das Gegenteil ist der Fall. Das stimmt uns nicht froh, zeigt uns aber, wie wichtig die Arbeit der Schuldnerberatung ist“, war Fazit der Übergabe mit anschließender Fragerunde.

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