Schüsse in Dürener Shisha-Bar: Zweiter Prozess hat begonnen

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
Justizzentrum Aachen Landgericht
Vor dem Aachener Landgericht müssen sich drei Männer sowie eine Frau aus Düren wegen schwerer räuberischer Erpressung und Beihilfe beziehungsweise der Anstiftung dazu verantworten. Foto: Marius Becker/dpa

Aachen/Düren. Vor der 9. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht geht es seit Mittwoch um zwei Jogginganzüge im Wert von 120 Euro, deren Kauf mit drei Pistolenschüssen in einer Shisha-Bar geendet hat.

Es müssen sich drei Männer im Alter zwischen 28 und 33 Jahren sowie eine 26-jährige Frau aus Düren wegen schwerer räuberischer Erpressung und Beihilfe beziehungsweise der Anstiftung dazu – das betrifft die 26-Jährige – verantworten.

Der Fall beruht auf einem völlig aus dem Ruder gelaufenen Abend in einer Dürener Shisha-Bar am 4. März 2015. Damals hatte die heutige Angeklagte Katharina V. eine Beziehung zu dem Betreiber der Shisha-Bar, dem Hauptangeklagten Sultan B. (33).

Sultan B. sollte an jenem Abend für seine „Flamme“ einen Streit mit einem Nachbarn von Katharina V. regeln, der ihr sowohl nachstellte, als auch rückständiges Geld aus einem Deal um zwei modische Jogginganzüge einforderte – dies unmissverständlich mit mehreren Telefonaten und per SMS an jenem Abend. Die genervte V. bat dann offenbar ihren Shisha-Freund um Hilfe.

Jener Sultan B., so die Anklageschrift, ließ dann den Nachbarn David K., damals 25 Jahre alt, zur Shisha-Bar an der Oberstraße kommen, bedrohte ihn mit Unterstützung zweier weiterer Kumpel und warf ihm als Schuldentilgung einen 50-Euro-Schein vor die Füße. K. fuhr zwar weg, hörte aber nicht auf, das Restgeld einzufordern.

Zwei Jahre Haft für Rache

Da machten sich die drei männlichen Angeklagten mit weiteren Unbekannten aus dem Umkreis der Bar auf zur Wohnung des „Nervbolzen“ in Düren. Vor dessen Wohnungstür fuchtelte man mit Messern und Baseballschlägern herum und bedrohte die Familie des Jogginganzug-Dealers, um ihm klarzumachen, dass er keinen Cent mehr von Katharina V. bekommen und sie künftig in Ruhe zu lassen habe.

Strafrechtlich führte das zu dem Vorwurf der schweren räuberischen Erpressung in dem gegenwärtigen Verfahren. David K. rächte sich: Er fuhr mit einer Pistole zur Shisha-Bar und schoss dort wutentbrannt zweimal in ein TV-Gerät und einmal in die Decke. Dafür kassierte er im Januar 2016 eine Haftstrafe von knapp zwei Jahren ohne Bewährung.

Der Prozess geht morgen weiter. Die angeklagten Männer haben bereits angekündigt, sich zunächst nicht zu den Vorwürfen zu äußern. Katharina V. gestand zum Auftakt des Prozesses lediglich ein, das man sich um die Markenanzüge gestritten, sie die Mitangeklagten aber nicht gegen den Nachbarn aufgestachelt habe.

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