Schüsse an Heiligabend: Beziehungsdrama erneut vor Gericht

Von: Wolfgang Schumacher
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Eine blutige Familienfehde aus Düren wird seit Donnerstag erneut vor dem Aachener Landgericht verhandelt. Symbolfoto: Friso Gentsch/dpa

Aachen/Düren. Vor der 2. Schwurgerichtskammer des Aachener Landgerichts wurde am Donnerstag ein Fall neu aufgerollt, der fast sechs Jahre zurückliegt und blutiger Höhepunkt eines Beziehungsdramas in Düren war. Der Bundesgerichtshof hatte eine Entscheidung der 1. Schwurgerichtskammer aus dem Jahr 2012 aufgehoben und zur Neuverhandlung an die Kammer von Richter Norbert Gatzke zurückverwiesen.

Der Fall: Am Heiligabend des Jahres 2010 trafen die Brüder Taner (39 Jahre) und Sener S. (33) an einer Tankstelle in Düren auf Hayati A., den Schwager und Ziehvater eines Mädchens, zu dem Taner S. eine Beziehung aufgenommen hatte. Der Schwager lehnte das Verhältnis aus Gründen der „Familienehre“ jedoch entschieden ab und hatte den neuen Freund des Mädchens bereits zurechtgewiesen.

Der jedoch kümmerte sich nicht darum. Der Onkel gab nicht auf. Bei einer Auseinandersetzung Anfang September 2010 verletzte er bei einem Straßenkampf Taners Bruder Sener mit einem Messer.

Am Weihnachtstag 2010 trafen die drei Kontrahenten nun zufällig an der Tankstelle bei Schnee und Kälte aufeinander. An diesem Nachmittag fielen die Brüder über Hayati A. her. Mit Schlagstöcken versetzten sie dem Mann, der am Straßenrand gerade eine Reifenpanne an seinem Wagen zu beheben versuchte, Schläge auf Kopf und Körper. Als Hayati A. dann in Richtung Straße zu flüchten versuchte, zog Taner S. eine Waffe und schoss ihm ins Bein und in den Beckenbereich. Hayati A. überlebte.

Angeklagt wurde der Fall seinerzeit als versuchter Mord. Im Jahr 2012 wurden beide Brüder schließlich gemeinschaftlich zu dreieinhalb Jahren Haft wegen versuchten Totschlags und Körperverletzung verurteilt. 2013 entschied der Bundesgerichtshof jedoch, dass die Schüsse dem Jüngeren – der nicht geschossen hatte – nicht angerechnet werden konnten.

So geht es seit Donnerstag noch einmal um die Feststellung der Schuld des jüngeren Bruders Sener S., dem möglicherweise auch „nur“ eine Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung droht.

Das Opfer Hayati A. wiederum war vom Aachener Schwurgericht im Januar 2015 wegen seines Messerangriffs auf Sener S. zu drei Jahren Haft verurteilt worden, die er aktuell noch verbüßt.

Das Verfahren ist auf neun Verhandlungstage angesetzt.

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