Schülern zeigen, dass sie etwas erreichen können

Von: Tobias Röber
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Sie stoßen die verschiedensten Projekte mit Jugendlichen an: Die beiden katholischen Schulseelsorger Rudi Hürtgen und Michael Kruse (von links) haben stets ein offenes Ohr. Foto: Röber

Düren. Es ist früh am Morgen. In der Kirche sitzen dennoch rund 800 Jugendliche, klatschen im Takt der Musik und singen Textzeilen der Sängerin Rihanna mit. Michael Kruse und die Religionslehrer, die mit Schülerinnen der St.-Angela-Schule diesen Gottesdienst vorbereitet haben, sehen mit Wohlwollen, wie viel Spaß die Jugendlichen haben.

Auch abends ist dort noch Musik zu hören, diesmal aus dem Probenraum der Band „umhimmelswillen”, in der Jugendliche der Jugendgemeinde mit Rudi Hürtgen Stücke von Xavier Naidoo einüben.

Kruse und Hürtgen sind katholische Schulseelsorger. Mit Projekten wie der Vorbereitung etwas anderer Gottesdienste zeigen sie, dass Schulseelsorge mehr ist als das bloße Lösen von Konflikten.

Schlüssel zum Erfolg

„Die Schulseelsorge wird vom Bistum sehr wertgeschätzt”, sagt Michael Kruse, der wie sein Kollege Hürtgen 46 Jahre alt ist. Das Beschäftigungsfeld des Duos umfasst zwei ganze Stellen, davon ist eine halbe Stelle gebunden als Schulseelsorge in St. Angela, für die Michael Kruse verantwortlich ist. Die übrigen eineinhalb Stellen stehen für den Einsatz an den weiterführenden Schulen in Düren zur Verfügung, vor allem in der Gemeinschaft der Gemeinden Düren-Mitte.

Rudi Hürtgen hat einen Schwerpunkt in der Cornetzhofschule. „Wir wollen die in die Mitte stellen, die oft am Rand stehen”, erklärt Hürtgen. Mit das wichtigste für die beiden ist Präsenz zu zeigen. Obwohl nicht an den Stundenplan gebunden, sind sie irgendwie immer da. Vielleicht ist auch gerade das der Schlüssel zum Erfolg. Kruse und Hürtgen sind nicht Teil des Leistungssystems.

Häufig komme es vor, dass Schüler zwischen Tür und Angel fragen, ob sie vorbeikommen können. Das Internet, vor allem Facebook, wird zudem ein immer wichtigerer Kontaktpunkt. „Klassische Einzelfallhilfe” nennt Rudi Hürtgen das. In den Gesprächen geht es dann um Probleme mit den Eltern oder Mitschülern. Vor allem Mobbing wird ein immer größeres Thema. Manchmal sind es kleine Probleme, aber es gibt auch größere. Etwa wenn es um Schwangerschaft oder Scheidung geht.

In der Schule St. Angela steht für solche Gespräche ein Raum zur Verfügung. Rudi Hürtgen hat an der Cornetzhofschule eine Fahrradwerkstatt. Im Rahmen der Rad-AG habe er einen guten Zugang zu den Schülern, erklärt Hürtgen. Auch Lehrer suchen hin und wieder den Rat der Schulseelsorger. Für Lehrer bieten die beiden Fortbildungen an. Es gab bereits eine zum Thema „Scheidungskinder”, die nächste gibt es zu „No Blame Approach” (wörtlich Ohne Schuld Ansatz), der neue Möglichkeiten bietet, Mobbing zu begegnen.

Rudi Hürtgen und Michael Kruse ist eines klar: „Wir können und wollen nicht alles machen und Kooperation mit Lehrern sowie den Sozialpädagogen an den Schulen ist sehr wichtig”, sagt Hürtgen. Kruse fügt hinzu: „Die meiste Arbeit läuft im Hintergrund ab.” Und ihnen ist vor allem wichtig, dass sie „nicht nur auf der Problemseite angesiedelt sind”, wie Rudi Hürtgen es ausdrückt.

Ein Gottesdienst etwa mit Musik von Rihanna ist nur ein Beispiel dafür. Andere sind besondere Aktionen im Advent oder die Gestaltung von Pausenräumen. Dabei sind Schüler und Lehrer mittendrin. „Schulseelsorge ist keine Ein-Mann-Show”, betont Hürtgen. Altbacken und verstaubt, wie die Kirche schon mal gesehen wird, soll es auf keinen Fall zugehen.

„Wenn wir Projekte angehen, haben wir nie etwas Fertiges in der Tasche”, sagt Kruse. Die Projektentwicklung ist ein lebendiges Geschehen, bei dem den Schülern vermittelt werden soll, dass sie etwas erreichen können, wenn sie sich einsetzen.

Und noch etwas ist sehr wichtig: die Freiwilligkeit. Die beiden Schulseelsorger lernen eine Menge von den Jugendlichen. „Die Kirche muss auch von den Jugendlichen lernen”, betont Kruse. Etwa in Sachen Musik. „Das ist nicht immer unbedingt mein Fall”, sagt Kruse mit einem Lächeln. Wenn die Schüler aber voller Freude die Verse ihrer Stars singen, wissen die beiden Schulseelsorger, dass sie den Nerv der Schüler getroffen haben.
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