Schüler lernen jüdisch-deutsche Literaturgeschichte kennen

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Interessante Lesung: Gebannt lauschten die Zuhörer Professor Dr. Hans Otto Horch.

Düren. Durch Veröffentlichung der sogenannten „Wolfenbüttler Fragmente” war Gotthold Ephraim Lessing mit dem Hauptpastor an der Hamburger Katharinen-Kirche, Johann Melchior Goeze, in heftige literarisch-theologische Auseinandersetzungen um die Freiheit wissenschaftlicher Forschung geraten.

Hatte Goeze 1778 über Lessings Schwächen geschrieben, er wolle diesem gerne zugestehen, dass „er in der Kunst, mit seiner Theater-Logik und Bildersprache die richtigsten Sachen zu verwirren, und die hellesten in Nebel und Dunkelheit einzuhüllen, ein großer Meister sei”, so konnten sich Literaturfreunde jetzt vom Gegenteil überzeugen lassen.

Detaillierter Vortrag

Professor Dr. Hans Otto Horch, von 1992 bis 2009 Inhaber der „Ludwig-Strauß-Professur” beim Lehr- und Forschungsgebiet „Deutsch-jüdische Literaturgeschichte” an der RWTH Aachen, zeigte in seinem detaillierten Vortrag mit dem Titel „Nathans Tod? Über Gotthold Ephraim Lessings dramatisches Gedicht Nathan der Weise” (1779) vielfältigste literarische, historische, philosophische und kulturhistorische Bezüge auf, wobei dem Aspekt der jüdisch-deutschen Literaturgeschichte besondere Aufmerksamkeit zukam.

So wurde den aufmerksamen Zuhörern etwa aufgezeigt, dass das Motiv der berühmten Ringparabel von Lessing aus dem „Decamerone” des Giovanni Boccaccio (1313-1375) übernommen wurde, wobei es auch schon in der mittelalterlichen Literatur um 1100 zu finden ist.

Der utopische Charakter des Stücks lässt Menschenliebe, Hilfsbereitschaft, Toleranz, Mildtätigkeit und Erziehung zum Kern des Humanitätsbegriffs werden. So lautet der von Lessing im Sinne des Toleranzgedankens der Aufklärung formulierte Appell, der eine Überwindung unterschiedlicher religiöser Bekenntnisse im Sinne eines humanistisch geprägten allgemeinen Menschentums fordert: „Kinderchen, liebt Euch!”

Da das Stück um den weisen Nathan während des 3. Kreuzzuges in Jerusalem spielt, also jenem Ort, der für die drei Offenbarungsreligionen - den Islam, das Judentum und das Christentum - ein heiliger Ort ist, schlossen sich in der Diskussion mit dem Referenten auch Fragen an, die sich auf das heutige Verhältnis der unterschiedlichen Konfessionen und das interkulturelle Zusammenleben bezogen. Auch Fragen der Rezeptionsgeschichte des „Nathan”, zum Beispiel im Dritten Reich, kamen zur Sprache.

Die Veranstaltung mit Professor Dr. Hans Otto Horch war Bestandteil des „Denkwerk-Projekts” der Robert-Bosch-Stiftung, das bereits seit mehreren Jahren im Bereich der Geisteswissenschaften einen „Wissenstransfer im Deutschunterricht” zwischen der RWTH Aachen und Schulen der Region in Aachen, Düren und Jülich praktisch ermöglichen soll.
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