Mariaweiler - Schüler kämpfen um Ein-Euro-Jobber

Schüler kämpfen um Ein-Euro-Jobber

Von: Bruno Elberfeld
Letzte Aktualisierung:
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Uwe Schieren (hinten rechts) mit den Schülern Lukas Uerlich (r.), Melvin Gilke (l.) und Alex Sobold im Tonstudio.

Mariaweiler. Zehntklässler Melvin Gilke ist niemand, den man als Wortführer bezeichnen würde. Doch jetzt in diesem Fall muss es raus: „So einen Mann darf man einfach nicht gehen lassen”, sagt Melvin, der die Anne-Frank-Gesamtschule besucht. Seine Mitschüler können da nur zustimmen.

Der Mann, von dem die Rede ist, heißt Uwe Schieren. Seit einem Jahr arbeitet er als Ein-Euro-Jobber an der Mariaweiler Schule. Ein Engagement, von dem beide Seiten profitieren. Aber auch ein Fall, der deutlich macht, welche Probleme die Beschäftigung von Ein-Euro-Jobbern auslösen können. Denn Schierens Vertrag läuft in wenigen Tagen aus. Und er hinterlässt eine große Lücke.

Viel mehr als im Vertrag steht

Zuständig, so steht es auf dem Papier, ist der Ein-Euro-Jobber für den Maschinenpark der Schule, die Werkzeuge, die Systempflege der Computeranlage und die Software. Doch Uwe Schieren tut Vieles darüber hinaus: Mit den Schülern baute er aus alten PCs verwertbare Teile aus, setzte sie zusammen und schon existieren mehr Schülerarbeitsplätze als vorher.

Er erweiterte das Mittagsangebot: Schüler können seit Monaten während der Pause handwerkliche Fertigkeiten erwerben. Tatkräftig unterstützt er Lehrerinnen und Lehrer bei ihrer Arbeit in vielen Fächern, in denen seine Kenntnisse als „Technischer Tonmeister” gefragt sind. Denn nach seinen Ausbildungen als „Textilmaschinenbau-Mechaniker” und „Erzieher” setzte Schieren vor Jahren noch die Ausbildung zum Tonmeister drauf.

Für die Schule im Übrigen eine ideale Ausbildungskombination, und so sind nicht nur die Schüler, sondern auch die Lehrer von der Arbeit Schierens äußerst angetan. „Ich bin mit der Arbeit Uwe Schierens mehr als zufrieden”, sagt Hans-Willi Stollenwerk, der Schulleiter.

So ist aus dem Nichts ein funktionierendes Tonstudio entstanden. Schüler Alex Sobold: „Von Herrn Schieren habe ich viel über Musik erfahren, weil sie über die Computerschiene läuft.” Selbst an den Wochenenden steht der Bastler seinen Schülern zur Verfügung. Neben Platinenlöten werden da Elektronikinstrumente gebastelt, die einwandfrei funktionieren.

Uwe Schieren, ein Mann der Tat, der um seine Person keinen großen Wirbel macht, möchte sehr gerne an der AFG bleiben, „denn hier ist meine Arbeit zum Hobby geworden”, drückt er seine Gefühle aus. Mit den Schülern ist er sehr gut ausgekommen.

Doch in ein paar Tagen wird der AFG ein engagierter und kreativer Praktiker fehlen, und Uwe Schieren ist mit seinen knapp 50 Jahren wieder arbeitslos. Die Schüler haben an die SV der Schule und an die Schulkonferenz Anträge gestellt. Sie wollen alles versuchen, um Uwe Schieren doch noch an der Gesamtschule zu halten.
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