Schüler erleben eine besondere Gewaltprävention

Von: Martina Rippholz
Letzte Aktualisierung:
gewaltbu
Gleichgültige Gewalt: Die mimt die Schauspielerin von „Theatertill” (links). Die Schülerinnen des GHS sind schockiert. Foto: Rippholz

Gürzenich. Beleidigungen, Prügel, gefährliche Körperverletzung: Die Kriminalitätsstatistik des Bundesinnenministeriums registriert eine steigende Brutalität in der Gesellschaft. Vor allem bei Jugendlichen erhöht sich die Gewaltbereitschaft, während die Hemmschwelle sinkt. Das sagen die jüngsten Zahlen.

Die Antwort auf diese Entwicklung lautet: Prävention. Möglichst früh und nachhaltig. Das wissen vor allem diejenigen, die Tag für Tag mit Jugendlichen arbeiten. So wie die Lehrer der Gemeinschaftshauptschule Gürzenich (GHS). Sie beschäftigen sich jedes Jahr an einem Tag im Unterricht mit dem Thema Gewalt -um zum Nachdenken anzuregen und vor Gewalt zu warnen.

Nun verleihen sie dieser Warnung mit einer neuen Aktion Nachdruck. Mit der Theatergruppe „Theatertill” aus Düsseldorf. Auf Initiative des Kulturausschusses des Kreises Düren und unterstützt durch die Unfallkasse NRW berichten fünf Schauspieler der Gruppe vor den Schülerinnen und Schülern der achten Klasse der GHS von ihren Einstellungen und ihren Erfahrungen. Und zwar in unterschiedlichen Rollen.

Das alles nur gespielt ist, davon haben die Jugendlichen zu Beginn der Vorführung jedoch keine Ahnung. Sie lauschen neugierig den fünf Typen, die es sich auf der Bühne ihrer Aula gemütlich gemacht hatten. Dem lockeren Richard mit dunkler Hautfarbe zum Beispiel. Der wartet gleich mit einer provokanten These auf: „Gewalt ist menschlich”, sagt er. Gemurmel im Saal macht sich breit.

Haben sie richtig gehört? Das haben sie. Richard erklärt: „Überall auf der Welt krepieren Leute im Krieg. Gewalt ist einfach Normalität.” Auch die anderen Figuren legen mitunter drastische Denkweisen an den Tag. Die gleichgültige Nicole etwa, deren Mitschülerin wegen ihres Mobbings Selbstmord beging. „Ist sie doch selbst schuld”, sagt Nicole trocken.

Oder der Neonazi Lützeck, der wegen schwerer Körperverletzung an Asiaten zu 30 Monaten Haft verurteilt wurde. Er meint: „Wir Deutschen müssen unser Land schließlich verteidigen.” Die Schüler reagieren mit Buh-Rufen und Empörung. An anderer Stelle schweigen sie. Dann wieder wird gelacht.

Eines tun die Achtklässler aber durchweg: Die eigene Einstellung zu Gewalt hinterfragen. Später diskutieren sie mit den Schauspielern und untereinander weiter, denken nach, wie es die Lehrer beabsichtigt haben. Und sie mahnen zu mehr Mitgefühl und Toleranz. Der Appell von „Theatertill” wirkt.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert