Düren - Schon längst keine Exoten mehr im Wald

Schon längst keine Exoten mehr im Wald

Von: Lars Brepols
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Dorothee Sieger (45) aus Rölsdorf macht eine Ausbildung zur Jägerin. Foto: Brepols

Düren. Der Mann als Jäger und Beschützer und die Frau als Heimchen am Herd, die ihn liebevoll umsorgt. Eine Klischee, das auch heute noch in vielen Köpfen das Denken dominiert. Dass die Zeiten sich sichtbar geändert haben, unterstreichen auch die Angaben des Landesjagdverbands.

Sie belegen, dass der Anteil der Frauen unter den ehrenamtlichen und hauptberuflichen Jägern in Nordrhein-Westfalen einen deutlich Zuwachstrend aufweist. „Insgesamt sind zwar nur acht Prozent Frauen unter allen Jagdscheininhabern, aber in unseren Jungjägerkursen bilden die Frauen inzwischen teilweise fast die Hälfte der Teilnehmer”, sagt Verbandsreferent Gregor Klar. Und dieser Trend spiegelt sich auch in Düren wider.

Dorothee Sieger aus Rölsdorf nimmt derzeit am Jungjägerkurs der Kreisjägerschaft Düren teil. Sie ist eine von zwei Frauen unter den insgesamt 13 Teilnehmern. „Wir sind gut aufgenommen worden, die Teilnehmer sind sehr offen und freundlich”, verdeutlicht die 45-Jährige. Vorurteile gegenüber Frauen spüre sie nicht.

Sieben Monate dauert die Ausbildung zur Jägerin. Die Teilnehmer treffen sich wöchentlich - von Freitagabend bis Sonntagnachmittag - , um sich fundiertes Wissen über Wildtier-, Wildkräuterkunde oder beispielsweise Waldbau anzueignen. Geleitet wird der Jungjägerkurs von dem Dürener Forstbeamten und Jäger Dirk Bauer. „Die einzelnen Fächer werden von verschiedenen Dozenten unterrichtet. Um später die Jagdscheinprüfung erfolgreich bestehen zu können, müssen wir viel lernen”, weiß Sieger, deren Interesse für die Jagd durch ihren Vater geweckt wurde. „Mein Vater ist Falkner, daher bin ich ein bisschen vorgezeichnet”, schmunzelt die Mutter eines Sohnes (10).

Schon seit frühester Kindheit habe sie sich für die Jagd interessiert und stetig auf der Internetseite der Kreisjägerschaft die Kursangebote studiert. „Aber Beruf und Familie gingen natürlich vor, und für die Ausbildung zur Jägerin muss man sich richtig Zeit nehmen, das kann man nicht so nebenbei machen.”

Rund 1000 Euro Kursgebühr hat die Naturliebhaberin jetzt in ihre Ausbildung investiert. Aus ihrer Sicht eine gut angelegte Summe, denn „Jäger wissen sehr viel”. Sollte die gelernte Bürokauffrau im April die schriftliche und mündliche Prüfung bestehen, kann sie einen Jagdschein lösen und anschließend eine Waffe erwerben. Wobei die 45-Jährige unterstreicht, dass der Umgang mit der Schusswaffe nur einen Teil der Jagdtätigkeit ausmacht: „Viele Berufsjäger sind ausschließlich im landwirtschaftlichen Bereich tätig”.

Dennoch zählt auch der richtige Umgang mit der Waffe während des Jungjägerkurses zum „ge-wichtigen” Lerninhalt. Ein schwieriges Unterfangen für die zierliche Frau. „Die Flinten sind sehr schwer und haben einen starken Rückschlag. Unser Dozent hat mir geraten, durch Hanteltraining Muskelmasse aufzubauen”, sagt Sieger mit einem Lächeln auf den Lippen. Dass die Öffentlichkeit einen eher zwiespältigen Blick auf die Jäger und die Jagd an sich hat, kann Sieger nachvollziehen.

„Auch bei mir schlagen zwei Herzen in der Brust, wenn ich zum einen friedlich grasende Hirsche von einem Hochsitz aus beobachten kann, aber andererseits auch mit ansehen muss, wie Wildschweinherden die Felder regelrecht zerstören. Die Population im Wald muss vernünftig und ausgewogen sein. Um das zu gewährleisten, muss Wild geschossen werden”, verdeutlicht Sieger, die bis dato nur auf Bockscheiben und Tontauben geschossen hat. Gleichzeitig räumt die Vogelliebhaberin aber ein, dass es sicher auch schwarze Schafe unter den Jägern gebe, die dann das Bild der Öffentlichkeit trüben: „Manche haben glänzende Jagdfieberaugen.”

Auch dass die Verbraucher ihr Fleisch lieber abgepackt im Supermarkt kaufen, kann Sieger irgendwie verstehen. „Der Bezug zum lebenden Tier ist dadurch weg, das ist einfach anonymer. Ich persönlich bevorzuge Wild. Das kann ich mit gutem Gewissen essen, weil ich weiß, dass das Tier ein schöneres Leben hatte und zudem das Fleisch qualitativ besser ist.” Sollte die angehende Jägerin die Prüfung Anfang April bestehen, plant sie für die nahe Zukunft schon ihr nächstes Projekt: Sie möchte die Falknerjagdscheinprüfung ablegen.

„Als Jägerin ist man eng mit der Natur verbunden und sehr oft in Feld und Wald unterwegs, bei jedem Wetter. Ich kann nur jedem empfehlen, sich einmal intensiver mit der Thematik zu beschäftigen”, sagt Sieger überzeugt von ihrem Hobby.
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