Düren - Schönheitsmängel oder Missstände an der Neuen Jülicher Straße?

Schönheitsmängel oder Missstände an der Neuen Jülicher Straße?

Von: Stephan Johnen
Letzte Aktualisierung:
Nurten Kurkut (rechts) ist Spr
Nurten Kurkut (rechts) ist Sprecherin der Bewohnergruppe „Grüne Häuser”. Die Gruppe fordert eine Verbesserung der Wohn- und Lebenssituation und hat Unterschriften gesammelt, die an den Besitzer der Immobilie geschickt werden sollen. Foto: Johnen

Düren. Die Botschaft ist deutlich: „Für ein schönes Wohnen und eine bessere Hausverwaltung” hat die Bewohnergruppe „Grüne Häuser” die Bögen überschrieben, mit denen die Mitglieder der Interessenvertretung Unterschriften sammelten.

104 Wohneinheiten gibt es in der Anlage an der Neuen Jülicher Straße 65-83, mehr als die Hälfte der Bewohner hat unterschrieben.

Die Liste wird nun an die Eigentümerin der Immobilie geschickt, eine Gesellschaft aus München. „Wir wollen unseren Forderungen Nachdruck verleihen”, sagt Nurten Kurkut, Sprecherin der Bewohnergruppe. Aus Sicht von Nurten Kurkut und ihren Mitstreitern liegt in der Wohnanlage nämlich vieles im Argen.

Scharfe Kritik

„In den vergangenen Jahren ist das Wohnen in den Grünen Häusern immer schlechter geworden”, bilanziert die Bewohnergruppe, die Teil der Kooperations- und Organisationsstruktur der Stadtteilvertretung Düren-Nord ist. Scharfe Kritik übt die Gruppe an der Hausverwaltung, die auf Missstandsanzeigen nicht oder nur sehr langsam reagiere.

„Wir haben das Gefühl, dass uns die Hausverwaltung einfach ignoriert”, sagt Nurten Kurkut. So würden beispielsweise beschädigte gläserne Balkongeländer nicht repariert und defekte Platten der Außenfassade nicht saniert. „Bei Sturm kann so etwas auch herunterfallen”, weist Nurten Kurkut auf Sicherheitsrisiken hin.

Weitere Kritikpunkte sind gesprungene Treppenstufen, Feuchtigkeit in der Tiefgarage, Sprechstundenzeiten der Hausverwaltung von 13 bis 14 Uhr, die berufstätige Mieter nicht wahrnehmen könnten, und aus Sicht der Mieter ungepflegte Grünanlagen.

Von „gravierenden Mängeln, die wir ordnungsbehördlich prüfen lassen möchten” spricht Gerd Grzella vom städtischen Amt für Stadtentwicklung mit Blick auf die Brüstungen und Außenfassaden der „Grünen Häuser”.

„Es passiert nichts”, kommentiert Grzella die Gestaltung der Grünanlagen. Dabei gebe es im Rahmen des Bund-Länder-Programms „Soziale Stadt NRW” auch eine Maßnahme zur Wohnumfeldverbesserung, bei der Immobilienbesitzer Fördermittel beantragen können. Seit zwei Jahren gebe es diesbezüglich schon Verhandlungen.

Karlheinz Henning, Geschäftsführer der mit der Betreuung der Wohnanlage beauftragten Aachener Hausverwaltung Objekta GmbH, möchte diese Vorwürfe nicht unkommentiert im Raum stehen lassen. Die Anlage des sozialen Wohnungsbaus sei keine Luxusimmobilie, aber es sei unlauter, den Eindruck zu erwecken, die Wohnungen seien in einem desolaten Zustand. „Alle gemeldeten Mängel werden regelmäßig nachgearbeitet”, versichert Henning.

So sei in diesem Jahr allein der Dachdecker zehn Mal in Düren gewesen, um beschädigte Fassadenplatten zu erneuern. Für eine einzelne Platte auf Bodenhöhe, die womöglich beim Fußballspielen beschädigt wurde, könne aber kein Einzelauftrag geschrieben werden. „Wir müssen die Verhältnismäßigkeit der Mittel beachten”, betont Henning.

Auch laufe ein Sanierungsprogramm, um die beschädigten Glasplatten der Balkone gegen eine stabilere Alternative auszutauschen. „Wo Gefahr in Vollzug ist, haben wir aber direkt gehandelt und werden wir stets direkt handeln”, geht Henning auf den Vorwurf der Bewohner ein, gebrochene Platten seien ein Sicherheitsrisiko.

Bisher habe die Eigentümerin der Immobilie für 25.000 Euro Balkonbrüstungen austauschen lassen, im Frühjahr soll die Sanierung fortgesetzt werden. „Wir bitten um Verständnis, dass nicht alles auf einen Schlag geschehen kann”, sagt Henning. Gewisse Schönheitsmängel und „optische Beeinträchtigungen” müssten in Kauf genommen werden. Von einem Investitionsstau könne keine Rede sein.

Dies gelte auch für die Außenanlage. Die Eigentümerin habe vor zweieinhalb Jahren annähernd 30.000 Euro für die Rodung der damals zugewucherten Außenanlage bereitgestellt. Seitdem gebe es ein Hin und Her am Verhandlungstisch mit dem Amt für Stadtentwicklung und den Mietern, berichtet Karlheinz Henning.

„Die Forderungen der Bewohnergruppe und der Stadt sind nicht zu bezahlen”, wünscht sich Henning mehr Kompromissbereitschaft. Die Eigentümerin sei durchaus bereit, die Außenanlage zu gestalten, aber vor Ort herrschten „unrealisierbare Vorstellungen”. „Vermutlich werden wir im kommenden Jahr Rasen einsäen und die Diskussion beenden”, sagt Henning. So sei sichergestellt, dass die Grünanlage gepflegt aussieht.

Auch die Kritik am mangelnden Service weist der Geschäftsführer der Hausverwaltung zurück. „Es ist Luxus, dass eine Anlage überhaupt eine Sprechstunde hat”, sagt Henning. Ein Anrecht der Mieter darauf bestehe nicht. Außerhalb der Sprechstunde könne nicht nur in dringenden Fällen der Hausmeister vor Ort über Mobiltelefon erreicht werden.

Zudem bestehe jederzeit die Möglichkeit, Termine mit der Hausverwaltung für eine persönliche Beratung in Düren abzustimmen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert