Düren - Schoellershammer: Wo die Papierbahn mit Tempo 60 rast

Schoellershammer: Wo die Papierbahn mit Tempo 60 rast

Von: Jörg Abels und Sarah Maria Berners
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Ein Blick hinter die Kulissen der Papierfabrik Schoellershammer: Geschäftsführer Armin Vetter und Betriebsleiter Konrad Franken erklärten den DZ-Lesern im Rahmen der Sommertour den Produktionsablauf – vom Rohstoff Altpapier bis zum fertigen Wellpappenrohpapier, das im Rollenlager auf die Auslieferung an die Kunden wartet. Sie zeigten den Leitstand und erklärten die Funktion der gigantischen Papiermaschine. Foto: Jörg Abels
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Ein Blick hinter die Kulissen der Papierfabrik Schoellershammer: Geschäftsführer Armin Vetter und Betriebsleiter Konrad Franken erklärten den DZ-Lesern im Rahmen der Sommertour den Produktionsablauf – vom Rohstoff Altpapier bis zum fertigen Wellpappenrohpapier, das im Rollenlager auf die Auslieferung an die Kunden wartet. Sie zeigten den Leitstand und erklärten die Funktion der gigantischen Papiermaschine. Foto: Jörg Abels

Düren. Mit einer Geschwindigkeit von bis zu 60 Stundenkilometern saust das fünf Meter breite Wellpappenrohpapier durch die gigantische Papiermaschine (PM 5) der Firma Schoellershammer. 29.423 Meter sind am Ende bereits aufgerollt, da reißt die Papierbahn.

Gerade noch hatte Betriebsleiter Konrad Franken den DZ-Lesern im Leitstand der PM 5 erklärt, was in einem solchen Fall geschieht, jetzt erleben es die Teilnehmer der letzten Etappe der DZ-Sommertour hautnah mit. In Windeseile haben die Mitarbeiter das Problem gefunden, behoben und die unzähligen Walzen von den letzten Resten der gerissenen Papierbahn gesäubert. Schon kann die Maschine wieder anlaufen. „Im Durchschnitt haben wir zweimal am Tag einen Papierriss“, erklärte Franken. „In der Regel ist er in zehn Minuten behoben.“ Auch diesmal.

225.000 Tonnen im Jahr

Rund um die Uhr läuft die fast 200 Meter lange Papiermaschine, 365 Tage im Jahr. 225.000 Tonnen Wellpappenrohpapier produziert das 1784 gegründete Familienunternehmen jährlich. Die Feinpapierproduktion (vor allem Transparent-, aber auch Grafik- und Künstlerpapiere) spielt mit 4500 Tonnen nur noch eine Nebenrolle, obwohl die Dürener Firma eine von nur noch zwei Transparentpapier-Herstellern in Europa ist. Aber der ohnehin rückläufige Markt wird mehr und mehr von chinesischen Firmen bedient, erklärte Geschäftsführer Armin Vetter.

Am Jahresumsatz von 100 Millionen Euro hat das achtmal teurere Feinpapier nur noch einen Anteil von 13 Prozent. Die Firma Schoellershammer hat vor Jahrzehnten bereits den Fokus auf die Produktion von Wellpappenrohpapier gerichtet, das zu 50 Prozent in den europäischen Export geht, aber auch an regionale Kunden wie die Wellpappenfabriken Gissler & Pass und Eichhorn in Jülich, die aus dem Dürener Papier Kartons herstellen.

18 Millionen Tonnen Wellpappenrohpapier werden jährlich in Europa benötigt. „Er ist – neben Hygienepapieren – der einzige Papiermarkt, der wächst“, erklärte Vetter, nicht zuletzt aufgrund des boomenden Versandhandels jährlich um zwei Prozent. Und deshalb will das inhabergeführte Unternehmen, das seit 2001 schon mehr als 40 Millionen Euro in die Modernisierung des Standortes investiert hat, weiter expandieren und seine Produktionskapazität verdoppeln. Ende 2016 soll am Standort Düren eine neue Papiermaschine in Betrieb gehen. Schoellershammer will „einen hohen zweistelligen Millionenbetrag investieren“, erläuterte der Geschäftsführer die Pläne. In Kürze schon sollen die entsprechenden Bauanträge gestellt werden.

Erstaunt waren die DZ-Leser auch, dass für die Produktion von Wellpappenrohpapier ausschließlich Altpapier verwendet wird, bei Schoellershammer sind es rund 250 000 Tonnen im Jahr. Auf dem Gelände lagern permanent 8000 bis 12.000 Tonnen. Altpapier aus der Blauen Tonne privater Haushalte, aus dem Handel und Stanzabfälle der Wellpappenwerke, die zurück in den Produktionszyklus kommen.

In der Stoffaufbereitung sahen die DZ-Leser, wie das Altpapier in einem großen Mixer, dem sogenannten Pulper, aufgelöst und von Fremdstoffen befreit wird. Und man glaubt ja gar nicht, was sich im Altpapier so alles versteckt. Monatlich werden allein bei Schoellershammer rund 60 Tonnen Schrott, 100 Tonnen Glas und Hunderte Tonnen Kunststoffe herausgefiltert, berichtete Armin Vetter den überraschten Gästen. Die immer weiter mit Wasser verdünnte Faserstoffsuspension wird schließlich über Düsen in die Papiermaschine gespritzt. „Um ein schönes, homogenes Papier zu bekommen, liegt der Wasseranteil anfangs bei 99 Prozent“, erklärte Konrad Franken.

Wasser, das in den verschiedenen Abschnitten der großen Maschine wieder aus der Papierbahn herausgesiebt, gepresst und verdampft wird. 2,3 Millionen Kubikmeter Wasser benötigt die Firma Schoellershammer im Jahr, die teilweise in der firmeneigenen Kläranlage wieder aufbereitet werden. Auch den benötigten Strom und Dampf produziert das Unternehmen größtenteils selbst. Weithin sichtbares Wahrzeichen ist das mit Braunkohlebriketts befeuerte Kraftwerk. 80.000 Tonnen Briketts verbraucht die Papierfabrik im Jahr, rund zehn Eisenbahn-Waggons am Tag. Darüber hinaus verfügt die Firma über Erdgas-Kraftwerke und kauft bei Bedarf auch extern Strom ein.

Interessanter Nebenaspekt: Schoellershammer ist in Kooperation mit den Stadtwerken Düren auch Produzent von jährlich rund 4,5 Millionen Kilowattstunden erneuerbarer elektrischer Energie. Das bei der Abwasserreinigung entstehende Biogas wird in einem Blockheizkraftwerk zur Stromerzeugung genutzt.

Zweieinhalb informative Stunden vergingen wie im Flug. Jetzt wissen die DZ-Leser, welchen Aufwand die 235 Mitarbeiter betreiben müssen, um Papier für ein Verpackungsmittelprodukt herzustellen, das nach kurzem Gebrauch als Karton wieder im Altpapier landet und Schoellershammer wieder als Rohstoff für die Produktion dient.

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