Schnellinger kehrt zurück an die Rur

Von: Fred Schröder
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Schnellinger
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Düren. „Ein vergessener Großer des deutschen Fußballs” hat einst der Sportteil der renommierten Zeitschrift „Die Zeit” getitelt. „Der erste deutsche Fußballlegionär, der über die Alpen ging”, stand in anderen Publikationen. Die Rede ist von Karl-Heinz Schnellinger, in seiner Heimatstadt Düren, der er seit mehr als 40 Jahren den Rücken gekehrt hat, immer noch eine Fußballlegende.

Für wenige Tage kehrte er jetzt wegen einer Familienfeier zurück an die Rur. Sein Zuhause hat er längst in der Lombardei gefunden. In der Nähe von Mailand steht sein Haus. Dort wohnt er mit Frau Ursula, ebenfalls einer Dürenerin. Die drei Töchter, die italienischen Schwiegersöhne und die Enkel - der jüngste ist drei Monate alt - sind nicht weit.

Der rot-blonde Haarschopf, der ihm einst in Köln die anerkennend gemeinte Bezeichnung „Dä Fuss” einbrachte, ist inzwischen weiß geworden. Sportlich tritt der am 31. März 1939 in Düren geborene Ex-Profi immer noch auf. Zum 100. Geburtstag seiner Schwiegermutter war er angereist, mit Ehefrau und Tochter Birgit. Begeistert lässt er sich von Lydia Schmidt durch das Seniorenhaus St. Gertrud führen. Sein Urteil: „Es ist ein sehr ansprechendes Haus.” Von dem heutigen Düren hat er nicht viel gesehen. Die Zeit ist einfach zu knapp, reicht aber doch noch für ein lockeres Gespräch.

Am 1. FC Köln, für den er von 1958 bis 1963 spielte, hängt immer noch sein Herz. „Ich bin froh, dass der Klassenerhalt geschafft ist. Ein solcher Verein muss oben mitspielen”. Abgeschlossen hat der einstige Weltklasse-Verteidiger dagegen mit seinem Heimatverein Düren 99. „Die haben mich damals aus dem Verein ausgeschlossen, als ich nach Köln wechselte.” Inzwischen ist Normalität im Verhältnis zum Deutschen Fußballbund (DFB) eingetreten. „Seit Theo Zwanziger Präsident ist, denkt man beim DFB auch verstärkt an ehemalige Nationalspieler.

In der Lebensmittel-Branche

Nach dem Ende seiner Fußballer-Karriere baute sich Karl-Heinz Schnellinger in Italien eine Existenz in der Lebensmittel-Branche auf. Heute genießt er den Ruhestand mit allen seinen Facetten. Seine große sportliche Laufbahn mit 48 Länderspielen für die deutsche Nationalmannschaft, mit neun tollen Jahren beim AC Mailand mit Gewinn aller internationaler Titel und vorher je ein Jahr beim AC Mantua und AS Rom sind für ihn abgehakt.

Der Blondschopf aus Düren, den die Fachpresse für einen der besten linken Verteidiger der Welt hielt und dessen Tor gegen Italien im Halbfinale bei der WM in Mexico am 17. Juni 1970 in die Sportgeschichte einging, ist längst in seiner Wahlheimat Italien angekommen. Da kann der Abschied nach dem Gespräch im Rahmen seines Düren-Besuchs nur lauten: ”Ciao, ciao; Und alles Gute, Karl-Heinz Schnellinger.
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