Schnelleres Tempo bei Bergehalde-Sanierung gefordert

Von: Stephan Johnen
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Manfred Rogner und Gudrun Zentis stellten gestern ein von den Grünen in Auftrag gegebenes Gutachten vor. Foto: Johnen

Berzbuir. Die Bergehalde Beythal birgt ein Umweltproblem. Seit Oktober liegt das Ergebnis eines von der Bezirksregierung Arnsberg in Auftrag gegebenen Gutachtens vor. „Akute Gefahr besteht nicht, aber der Zustand der Halde ist auf Dauer nicht haltbar”, bilanzierte Dezernent Franz-Josef Chmielarczyk bei der Vorstellung des Gutachtens zur Ermittlung des Sicherungsaufwands.

Die Bezirksregierung kündigte Schritte an, um eine Auswaschung der Schwermetalle zu unterbinden und die Halde kontrolliert zu entwässern. „Mehr Enthusiasmus bei der Sanierung” fordern die Grünen. Vor allem müsse das Problem schneller in Angriff genommen werden.

Wer letztlich die Kosten dafür tragen muss, dürfte weiterhin unklar bleiben. Der bisherige Besitzer der Halde entledigte sich 2007 des Problems: Die mittlerweile liquidierte Firma ließ im Grundbuch Eigentumsverzicht eintragen. Nun hat die Staatsanwaltschaft Aachen Anklage gegen den ehemaligen Geschäftsführer der „Stolberger Zink GmbH & Co. Forsten KG” erhoben. Das bestätigte am Mittwoch Oberstaatsanwalt Robert Deller der DZ. Der Vorwurf lautet auf Gewässerverunreinigung und Bodenverunreinigung.

Auftrag zu eng abgesteckt

„Die Wanne ist voll. Aber wann läuft die Wanne über?”, fragte die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Gudrun Zentis. „Wohl im Interesse aller Bürger” forderte sie die Bezirksregierung Arnsberg erneut auf, sofort mit der Sanierung zu beginnen und nicht auf Zeit zu spielen. Auch der Kreistag hatte einem Antrag der Grünen folgend eine Resolution verabschiedet. Denn der in der Halde vorhandene Kalk wirke nach Aussagen der Gutachter derzeit noch wie ein Puffer, der die drohende Übersäuerung der Halde und damit eine stärkere Auswaschung der Schwermetalle verhindere. „Wie lange dieser Puffer noch reicht, weiß niemand”, bilanziert die Grüne.

Ihre Fraktion hat in Abstimmung mit dem Kreis ein weiteres Gutachten in Auftrag gegeben, dessen Ergebnisse nun vorliegen. „Die bisherigen Untersuchungen waren nur auf die Halde bezogen, und sie waren nicht so umfassend, wie sie hätten sein müssen”, ist Manfred Rogner, der umweltpolitische Sprecher der Grünen, überzeugt. Nicht ausreichend untersucht worden seien beispielsweise die Wasserflüsse unterhalb, vor und hinter der Halde. „Rund um die ehemalige Deponie in der Nachbarschaft gibt es zahlreiche Messstellen, bei der Halde herrscht auf der Karte Leere”, kritisierte Rogner und forderte eine bessere Überwachung. Auch die Frage der Standsicherheit sei nach Aussage des zweiten Gutachters nicht ausreichend geklärt.

„Die bisherigen Gutachter haben gute Arbeit geleistet”, sagte Rogner. Aber in der Auftragsstellung sei der Untersuchungsrahmen zu eng abgesteckt worden. In einem Antrag für den Umweltausschuss des Kreistags fordern die Grünen von der Bezirksregierung, diese Punkte nachzubessern, einen detaillierten Sanierungsplan vorzulegen und Sofortmaßnahmen zur Sulfatreduzierung zu überprüfen. Schließlich berge der Schwefel die größte Gefahr, dass die Halde „kippe”.

Die Bezirksregierung regte an, das von den gelösten Schwermetallen befreite schwefelhaltige Wasser in die Rur zu leiten. Diese Methode lehnen die Grünen ab. Sie berufen sich auf ein vom Bund gefördertes Forschungsprojekt der Brandenburgisch Technischen Universität Cottbus, bei dem stark schwefelhaltiges Wasser mittels Nanofiltration aufbereitet wurde. „Die Bezirksregierung soll sich dafür starkmachen, dass hier ein Forschungsprojekt gefördert wird”, sagte Gudrun Zentis. Rückendeckung erwartet sie auch vom Dürener CDU-Bundestagsabgeordneten Thomas Rachel, der Parlamentarischer Staatssekretär im Forschungsministerium ist. Zentis: „Es muss alles schneller gehen. Wir können nicht warten, bis eine akute Gefährdung vorliegt.”
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