Düren - Schneereichstes Weihnachtsfest seit Beginn der Aufzeichnungen

Schneereichstes Weihnachtsfest seit Beginn der Aufzeichnungen

Von: Jörg Abels und Karl Josef Linden
Letzte Aktualisierung:
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Heiligabend und am ersten Feiertag rückten THW-Helfer an, um - gut gesichert - das Dach des Schwimmbads Jesuitenhof von der zentnerschweren Schneelast zu befreien. Foto: Monika Klinkenberg

Düren. Im Glockenturm war Schluss. Eine dicke Schneeschicht auf dem Turm der Pfarrkirche St. Anna und peitschender Wind machten den Aufstieg für die jungen Musiker des Stiftischen Gymnasiums unmöglich. Gespielt haben sie trotzdem. Tradition verpflichtet.

Um deshalb dankte Orchesterleiterin Astrid Michels denn auch den 16 Schülern und Ehemaligen um so mehr, die sich trotz des Schneechaos aufgemacht hatten, Heiligabend um 15 Uhr mit dem Turmblasen standesgemäß einzuläuten.

An das Weihnachtsfest 2010 werden nicht nur sie sich noch lange erinnern. Mit Neuschneemengen zwischen 29 Zentimetern in Nörvenich, 44 in Drove und Heimbach, 49 in Soller oder 65 in Vossenack geht es als das schneereichste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in die Geschichte ein. Nach Einsetzen der Schneefälle am Donnerstag rieselten binnen 36 Stunden an der Luftmassengrenze zwischen Tief „Scarlett” und Hoch „Yannik” im Kreis Düren 25 bis 40 Liter Niederschlag pro Quadratmeter vom Himmel.

Rurtalbahn fährt wieder

Und das blieb nicht ohne Folgen. Auf vielen Straßen im Kreis ging Heiligabend nichts mehr. Immer wieder steckten Autos fest, selbst mit Schneeketten bestückte Polizeiwagen. Die Dürener Kreisbahn und die Rurtalbahn mussten ihren Betrieb einstellen. „Unsere Busse kamen nicht einmal aus dem Depot”, berichtete ein DKB-Mitarbeiter. Schneeberge in vielen Straßen ließen auch am ersten Feiertag keinen Busbetrieb zu. Am Sonntag konnte einzig die Linie 208 (Düren-Nörvenich) wieder Fahrt aufnehmen. Und auch am heutigen Montag muss nach DKB-Angaben noch mit erheblichen Einschränkungen gerechnet werden.

Die Rurtalbahn versuchte am ersten Feiertag mit 40 Mann, Bahnübergänge und Weichen freizuschaufeln, erklärte Geschäftsführer Hans-Peter Nießen. Nach Kontrollfahrten mit einer schweren Güterzug-Lok konnte Samstag die Strecke Düren-Linnich wieder bedient werden, am Sonntag erreichten auf dem Südast die ersten Regiosprinter auch wieder das tief verschneite Heimbach.

Nach rund 30 witterungsbedingten Unfällen am Donnerstag, zählte die Polizei bis Sonntagnachmittag weitere 14, darunter einen Unfall auf der L33 zwischen Vettweiß und Nideggen mit einem Räumfahrzeug, das vermutlich durch die Masse einer Schneewehe auf die Gegenfahrbahn geschoben worden war, auf der die Helfer mit einem Pkw kollidierten. Wie bei den meisten Unfällen blieb es bei Blechschäden, die sich insgesamt auf mehrere zehntausend Euro summierten. Lediglich eine 28-jährige Autofahrerin aus Niederzier wurde bei einer Kollision „Im Großen Tal” am späten Samstagabend leicht verletzt.

Und die Polizei warnt: Es muss weiter mit Behinderungen gerechnet werden. So mancher Autofahrer wird sein Fahrzeug am heutigen Montag erst noch freischaufeln müssen. Fußgänger sollten auf Schneeüberhänge und Eiszapfen achten. Vielerorts lasten Schneemengen von 40 bis 50 Kilogramm pro Quadratmeter auf Bäumen, Sträuchern und Gebäuden. Bei Verwehungen können die Dachlasten sogar noch höher sein.

In Düren waren THW und Feuerwehr im Einsatz, um das Dach des Schwimmbads vom Schnee zu befreien. Das Bad wurde aus Sicherheitsgründen geschlossen und soll heute um 17 Uhr für das Vereinsschwimmen wieder öffnen. Die Feuerwehr meldete kreisweit rund 35 witterungsbedingte Einsätze. Leitstellenleiter Walter Weber sprach zudem von unzähligen „Hilferufen” besorgter und überforderter Bürger.
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