Schmerzhafte Einblicke in das Seelenleben

Von: Sarah Maria Berners
Letzte Aktualisierung:
Sie verstehen sich als Sprachr
Sie verstehen sich als Sprachrohr für Frauen, die Gewalt erfahren: Elke Mertens, Barbara Irmen, Gudrun Bergmann und Cilly Baum.

Düren. Emma vertraut. Ihrem Onkel, ihrem Trainer, ihrem Vater. Häuslicher Unfall. Emma hält still, sie funktioniert. Die Wunden heilen, die Seele nicht. Vier Künstlerinnen der Akademie für bildende Kunst in Lendersdorf erzählen diese Geschichte, „emmas GEschicHTe”.

Es ist eine Geschichte, die die Kehle zuschnürt. Brutal realistisch. Diese Emma ist erfunden, aber Emmas leben überall. Mitten unter uns.

Jede vierte Frau ist ein Opfer von Gewalt. Das sagt die Statistik. Und das ist die traurige Realität, mit der sich der Verein „Frauen helfen Frauen” immer aufs Neue befasst. Befassen muss. Seit 30 Jahren. Anlässlich dieses Jubiläum haben Elke Mertens, Barbara Irmen, Gudrun Bergmann und Cilly Baum sich künstlerisch mit dem Thema „Frauen und Gewalt” befasst.

Sie haben Emmas Geschichte aufgeschrieben und eine Ausstellung konzipiert. Die Künstlerinnen verstehen sich als Sprachrohr für die Frauen, die geschlagen, misshandelt oder psychisch drangsaliert werden. „Wir können uns für sie stark machen. Schließlich hatten wir das Glück, ein solches Schicksal nicht erfahren zu müssen”, sagt Cilly Baum.

Gratwanderung

Die Darstellung von Gewalt in der Kunst war für die Frauen eine Gratwanderung, bei der sie auch eigene Grenzen ausloten mussten. „Stellen wir Gewalt dar? Geben wir den Tätern ein Gesicht? Das sind Fragen, die wir diskutiert haben”, sagt Elke Mertens. Der Spagat ist den Frauen gelungen.

Die Würde der Frauen ist ein zentraler Punkt in den Bildern. Es gehe nicht darum, blutige Wunden und blaue Augen zu zeigen. „Und wir zeigen auch bewusst keine nackten Körper, um Voyeurismus vorzubeugen”, sagt Gudrun Bergmann. Die Bilder geben schmerzhafte Einblick in das Seelenleben der Gewaltopfer ohne plakativ zu sein.

Sie zeugen von einem finsteren Kreislauf, in dem die Frauen stecken. Und sie zeigen, dass es in allen Gesellschaftsteilen Emmas gibt. Es gibt aber auch Werke, die von Hoffnungen und Lichtblicken erzählen. Sie bilden ab, wie Frauen es schaffen auszubrechen und ein neues Leben zu beginnen. Emma geht.

Die Bilder machen nachdenklich. Sie zu fertigen war für die Künstlerinnen ein sehr emotionaler Prozess. Diese Empathie spiegelt sich in den Bildern wider. „Es hat uns betroffen gemacht. Wir haben uns immer wieder gefragt, welche Gründe es geben kann, dass eine Frau diese Situationen aushält”, sagt Baum. Ist es die Religion? Wegen der Kinder? Aus Angst?

Spielraum für Interpretationen

Der Betrachter ist aufgefordert, sich eigene Gedanken zum Thema zu machen und diesen Gedanken Handlungen folgen zu lassen. Aus diesem Grund haben die Malerinnen ihren Werken auch keine Titel gegeben. Während der Arbeit an den Bildern und während der vielen Diskussionen im Atelier wurde den Frauen schnell bewusst, dass sie ihre Gedanken auch in Worte fassen wollen. So ist Emmas Geschichte entstanden, die die Ausstellung ergänzt. Cilly Baum hat sie verfasst. Die Sprache ist klar und hart. „Es gibt nichts zu beschönigen”, sagt Baum.

„Am schönsten wäre es, wir müssten uns gar nicht mit diesem Thema befassen”, sagt Cilly Baum. Aber das Thema brenne unter den Nägeln. „Die Täter bekommen oft schnell Hilfe, aber die Opfer müssen kämpfen, um psychologische Betreuung zu erhalten”, kritisiert Elke Mertens, die im Verein Frauen helfen Frauen aktiv ist.

Die Ausstellung ist ab heute bis zum 11. Dezember im Kulturzentrum Komm, August-Klotz-Straße, zu sehen. Am Freitag, 25. November, tragen die Frauen um 18 Uhr „emmas GEschicHTe” vor. Der Eintritt zu der Lesung ist frei.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert