Düren - Schlüsseldienst kassiert 556,80 Euro ab

Schlüsseldienst kassiert 556,80 Euro ab

Von: christina handschuhmacher
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Die Tür ist zugefallen, der S
Die Tür ist zugefallen, der Schlüssel steckt drinnen: Wenn man sich ausgesperrt hat, kann es teuer werden, denn einige Schlüsseldienste nutzen die Notsituation der Verbraucher aus. Foto: dpa

Düren. 556,80 Euro für ein paar Sekunden Unaufmerksamkeit: Die Tür fällt ins Schloss und der Schlüssel liegt nur wenige Meter entfernt, aber unerreichbar hinter der zugefallenen Haustür. Aus dieser Notsituation schlagen immer wieder unseriöse Schlüsseldienste Profit - wie im Fall von Sonja Lauterbach (Name von der Redaktion geändert).

Über ihr Mobiltelefon suchte die ausgesperrte Vettweißerin im Internet nach einem Schlüsseldienst in ihrer Nähe und wurde schnell fündig - scheinbar saß der Anbieter im nur wenige Kilometer entfernten Kreuzau. So stand es zumindest auf der Internetseite, auf der Sonja Lauterbach landete, nachdem sie die Suchbegriffe Schlüsseldienst und Kreuzau in die Suchmaschine „Google” eingetippt hatte.

„Überregionale Schlüsseldienste werben häufig mit regionalisierten Anzeigen”, weiß Carolin Semmler, Rechtsanwältin bei der Verbraucherzentrale NRW. Im Internet sucht man nach Schlüsseldiensten in Nideggen, Kreuzau oder Vettweiß, ein Klick aufs Impressum verrät dann aber: der Schlüsseldienst sitzt keineswegs um die Ecke, sondern in Bremen, Geldern oder - in Köln.

So wie der Schlüsseldienst, den Sonja Lauterbach anrief. Vor Ort wollten die Monteure nicht die lediglich zugezogene Haustür und auch nicht die Terrassentür öffnen, sondern machten sich an einer massiven Brandschutztür zu schaffen. Den zerstörten Schließzylinder ersetzten sie durch ein rund 150 Euro teures Schloss mit Sicherungskarte, siebeneinhalb Mal so teuer wie ein handelsübliches Doppelzylinderschloss für 20 Euro. Dann der Schock: Stolze 556,80 Euro standen auf der Rechnung. Die Mitarbeiter bestanden darauf, dass der Betrag sofort gezahlt wird.

„Solche Fälle kommen bei uns etwa alle zwei Monate vor”, sagt Hildegard Dapper, Leiterin der Dürener Beratungsstelle der Verbraucherzentrale NRW. Teilweise seien die Schlüsseldienstmitarbeiter mit dem Kunden zum Bankautomaten gefahren, damit die Rechnung direkt beglichen würde. Sie weiß: „Die Ausgesperrten sind in einer Notsituation, in der sie oft wenig durchdacht handeln.”

Einen kühlen Kopf bewahren? Schwierig, wenn man sich über die eigene Unachtsamkeit ärgert und gleichzeitig keine Idee hat, wie man nun schnell wieder ins Haus und an den Schlüssel kommt.

Was also tun? „Man sollte nicht einfach irgendeinen Schlüsseldienst beauftragen. Gut ist es, telefonisch schon die Situation möglichst genau zu schildern und darauf aufbauend einen Kostenvoranschlag zu fordern”, sagt Rechtsanwältin Semmler. Sie empfiehlt, zwei Schlüsseldienste anzurufen und das Preis-Leistungs-Verhältnis zu vergleichen.

Doch was unterscheidet einen seriösen Schlüsseldienst von einem schwarzen Schaf der Branche? Ein erster Hinweis: die 0800er-Nummer. Aber auch regionale Vorwahlen sind keine Garantie dafür, dass der Schlüsseldienst auch wirklich vor Ort sitzt. „Bei einer lokalen Vorwahl dürfen bei einer Anfahrt von weiter weg keine höheren Fahrtkosten abgerechnet werden”, sagt Semmler.

Der Schlüsseldienstanbieter, den Sonja Lauterbach anrief, verweist auf Nachfrage der DZ auf die Tarife des Unternehmens Deutsche Schlüsseldienst-Zentrale. Dort sei eine Einsatzpauschale von 159 Euro netto werktags üblich. In der Zeit von 22 bis 9 Uhr und am Wochenende komme noch einmal ein Notdienstzuschlag von 100 Prozent dazu.

Im schlechtesten Fall also 319 Euro nur für das Öffnen, Mehrkosten wie für ein zerstörtes Schloss, das ersetzt werden muss, nicht eingerechnet. „Wir sind ein Notdienstleister”, rechtfertigt der Monteur die hohen Preise.

Einer, der wirklich mit seinem Schlüsseldienst in Düren sitzt, ist Jürgen Außem. Er ärgert sich über die schwarzen Schafe, die dem Ruf der Branche schaden: „Bei der Masse von Schlüsseldienstanbietern im Branchenbuch müsste eigentlich an jeder Ecke in Düren ein Schlüsseldienst sitzen. Aber nur fünf oder sechs sind wirklich vor Ort ansässig.” Viele seien als Subunternehmer tätig und müssten einen bestimmten Prozentsatz des Verdienstes abgeben. Laut Außem nehmen Dürener Betriebe rund 50 Euro für das einfache Öffnen einer zugezogenen Tür. Von so einem Preis konnte Sonja Lauterbach nur träumen. Sie hat sich rechtlichen Beistand geholt und klagt nun auf teilweise Rückerstattung.

Hildegard Dapper, Leiterin der Dürener Beratungsstelle der Verbraucherzentrale NRW, rät dazu, sich mit dem Szenario ausgesperrt zu sein vorab zu beschäftigen: „Suchen Sie einen vertrauenswürdigen Schlüsseldienst vor Ort, dessen Nummer Sie dann in ihrem Handy abspeichern oder auf einem Zettel notiert ins Portemonnaie stecken.”
Seriöse Anbieter seien oft in Fachverbänden organisiert und verfügen über einen Eintrag im Handelsregister vor Ort.

Bei einem Besuch im Ladenlokal kann man sich vorab einen persönlichen Eindruck verschaffen. Bereits am Telefon sollte über den Preis und weitere Kosten wie Nacht- oder Feiertagszuschlag gesprochen werden. „Es ist gut, wenn auf konkrete Fragen konkrete Antworten gegeben werden”, sagt Hildegard Dapper. Welche Arbeiten zu erledigen sind, sollte klar geklärt werden.

Die Verbraucherzentrale empfiehlt bei Zweifeln an der Rechnung nur einen Teilbetrag zu überweisen und die Rechnung bei der Verbraucherzentrale prüfen zu lassen. Dapper: „In Fällen, in denen der Verbraucher noch nicht den vollen Preis gezahlt hat, können wir unseren Honoraranwalt mit dem Fall beauftragen.”

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