Schließung des Seniorenheims schlägt weiter Wellen

Von: Ines Kubat
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Das Seniorenheim in Drove wird Ende November geschlossen. Ab Januar werden 300 Flüchtlinge einziehen. Foto: Ines Kubat

Kreuzau. Die Diskussion um die Schließung des Seniorenheims in Kreuzau-Drove schlägt weiter Wellen. Wie berichtet, schließt die Einrichtung zum 30. November. Bis dahin müssen die 42 Bewohner ausgezogen sein. Der Betreiber hatte die Schließung mit einem schweren Unfall des Geschäftsführers begründet und der Bezirksregierung daraufhin das Gebäude zur Unterbringung von 300 Flüchtlingen angeboten.

Das Vorhaben trifft nicht überall auf Verständnis. Bei der Heimaufsicht, dem Kreis Düren, die für Alten- und Pflegeheime zuständig ist, sind bereits Beschwerden eingegangen, sagt Wolfgang Schumacher, Leiter des Ordnungsamts beim Kreis Düren: „Mehrere Angehörige haben sehr deutlich ihr Unverständnis zum Vorgehen der Betreiber ausgedrückt.“ Vor allem, weil Bewohner und Angehörige erst einen Monat vor dem Auszug informiert worden sein sollen.

Wie ein Betroffener gegenüber unserer Zeitung äußerte, sei bei ihm bis Dienstag keine Kündigung eingegangen. Die musste rechtlich gesehen einen Monat vor Schließung – also bis Ende Oktober – erfolgen. Linda Hawig beteuert, dass diese Vorwürfe nicht stimmten: „Die Bewohner wurden sowohl mündlich als auch schriftlich über die Kündigung informiert.“

Auch beim Kreis Düren sind nach Schumachers Angaben keine Beschwerden eingegangen, dass die Kündigungsfrist nicht eingehalten wurde. In der Diskussion zeigen sich nicht nur die Betroffenen erstaunt über den Informationsfluss. Auch Landrat Wolfgang Spelthahn war überrascht: „Wir haben das Seniorenheim niemals als Flüchtlingsunterkunft in Betracht gezogen.“

Auch die Gemeinde Kreuzau habe bis vor zwei Wochen nichts von den Plänen der Betreiber-GmbH SWH gewusst. „Als Gemeinde sind wir in die Verträge zwischen Betreiber und Bezirksregierung nicht involviert. Wir können es nur zur Kenntnis nehmen“, erklärt Bürgermeister Ingo Eßer. „Dennoch hätte ich mir gewünscht, als Kommune früher informiert zu werden.“ Denn natürlich ergäben sich zahlreiche Fragen: „Wie viele Mitarbeiter werden dort beschäftigt sein, welche neuen Verkehre ergeben sich? Und natürlich auch die Frage, wie die Asylsuchenden in das soziale Dorfgefüge einzubringen sind.“

Das Vorgehen der SWH kommentiert der Bürgermeister so: „Ich kann den Betreibern keinen rechtlichen Verstoß vorwerfen – höchstens einen moralischen. Aber natürlich muss man auch die unternehmerische Seite verstehen.“ Die SWH, ein Familienbetrieb unter der Geschäftsführung von Heinz-Jürgen Hawig, zieht sich mit Schließung des Seniorenheims aus Drove zurück. An ihre Stelle tritt die S&C GmbH mit Sitz in Vettweiß. Gesellschafterin ist Tochter Linda Hawig, die Eltern Heinz-Jürgen und Ulrike sind geschäftsführende Gesellschafter, wie auf der Internetseite im Impressum zu lesen ist.

Wie viel Geld pro Flüchtling und Tag die S&C erhalten wird, dazu wollte die Bezirksregierung am Mittwoch auf Nachfrage keine genauen Angaben machen. Der finanzielle Aspekt habe allerdings keine Rolle bei der Entscheidung zur Schließung des Altenheims gespielt, beteuert Linda Hawig auf Nachfrage.

Fakt ist aber, dass eine Reform im Alten- und Pflegegesetz viele Betriebe der Altenpflege zu Veränderungen zwingt: Bis 2018 haben Senioren beispielsweise Anspruch auf Einzel- statt Doppelzimmer. In vielen Einrichtungen stehen deshalb hohe Investitionen an. Linda Hawig sagte, dass der bauliche Zustand der Immobilie in Drove „einen Umbau auf die geforderten räumlichen Anforderungen – insbesondere Zimmerzuschnitte und Flurbreiten – schon aus statischen Gründen“ nicht zuließe.

Bis das Seniorenheim Ende November schließt, unterstützen die Betreiber laut eigenen Angaben die Angehörigen bei der Suche nach einem neuen Platz. Dazu seien sie gesetzlich verpflichtet, so der Kreis Düren. 80 freie Plätze stünden im Kreisgebiet derzeit zur Verfügung. Ob allerdings alle Bewohner in der Nähe Droves untergebracht werden können, bleibt abzuwarten. Etwa der Hälfte der Bewohner „konnte ein ortsnaher Pflege- oder Betreuungsplatz vermittelt werden“, sagte Linda Hawig.

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