Schilder-Schrott: Niemand für Ersatz zuständig?

Von: Stephan Johnen
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Darf es eine Markierung mehr sein? Wer das verwitterte, grüne Schild einst aufgehangen hat, ist unklar. Heutige Nutzer des Pfahls sind das Radverkehrsnetz NRW und der Eifelverein. Foto: Stephan Johnen

Vossenack. Die Artenvielfalt in der Nordeifel ist beachtlich – auch bei Hinweis- und Warnschildern. Es gibt rote Schilder für Fahrradfahrer, gelbe für Wanderer, der Eifelverein und Rureifel-Tourismus weisen Wege aus. Wer ein Schild aufstellt, ist dafür verantwortlich? Nicht unbedingt.

„Offenbar ist niemand zuständig, wenn Schilder beschädigt, abgerissen oder nicht lesbar sind“, ärgert sich Vossenacks Ortsvorsteher Ulrich Hallmanns.

„Entwurzelte“ Naturschutz-Gebiet-Schilder, zugewachsene Wanderschilder oder abgerissene Hinweise zu Rettungspunkten: Die „Mängelliste“, die er nach Gesprächen mit Wanderern und Besuchern zusammengestellt hat, ist lang. „Wer sich nicht auskennt, läuft gegen die Pumpe“, sagt Hallmanns. Ihn ärgert, „dass viele defekte Schilder verlassen rumstehen“. Auch der Zustand vieler Wege sei nicht gerade wandererfreundlich. Er wünscht sich vom Regionalforstamt, Wege nicht „monatelang in schlechtem Zustand“ liegenzulassen.

„Die Markierung der Wanderwege nehmen wir sehr ernst“, betont Gotthard Kirch, Geschäftsführer des Vereins Rureifel-Tourismus. Mit Wolfgang Müller, dem Hauptwegewart Nord des Eifelvereins, will er die Kritik nicht unkommentiert im Raum stehen lassen. „Wir haben permanent mit Vandalismus zu tun. Reparatur und Ersatz der Schilder kosten mehrere Tausend Euro im Jahr“, bittet er um Verständnis, sollte schon einmal eine Markierung fehlen.

Im Südkreis gibt es 743 Kilometer Wanderwege, um die sich Rureifel-Tourismus und Eifelverein kümmern. Pro Jahr werden etwa 12.000 Euro für die Beschilderung ausgegeben. „Jeder Weg wird mindestens zwei Mal im Jahr begangen und kontrolliert“, sagt Müller. „Wir sprechen allein über fast 3500 Markierungen“, fügt er hinzu. Sollte an einer Stelle eine Markierung fehlen oder ein Schild nicht lesbar sein: „Ein kurzer Hinweis genügt und wir gehen der Sache nach“, verspricht er.

„Ich wünsche mir bei berechtigter Kritik mehr Informationen“, appelliert auch Konrad Hecker, Leiter des Regionalforstamtes Rur-Eifel-Jülicher Börde an alle Waldbesucher, defekte Schilder und Probleme zu melden. „Und ich bitte um etwas Geduld“, fügt er hinzu. Das Walgebiet „riesig“, die Förster und Waldarbeiter könnten nicht alles gleichzeitig im Blick haben.

Aus Sicht des Forstamtsleiters stellt Vandalismus an Schildern kein allzu großes Problem dar. „Wir kämpfen vielmehr mit illegal entsorgtem Müll“, sagt Hecker. Etwa 500 Stunden im Jahr kümmere sich ein Mitarbeiter nur darum. Kostenpunkt allein für die Arbeitszeit: rund 12.500 Euro. „Die Leute werden immer dreister, brechen Schranken auf, laden ihren Abfall ab und vermüllen Parkplätze“, klagt Hecker. Häufig komme es auch zu Beschädigungen des 20 Kilometer langen Zaunes, der zum Schutz der Landwirtschaft in der Nachkriegszeit rund um den Wald gebaut wurde – und dessen Instandhaltung allein „ein Millionenprojekt“ sei.

Und was sagt er zum Vorwurf, dass viele Wege im Wald wie eine Mondlandschaft aussehen? „Der Zustand der Wege ist immer wieder mal Thema“, weiß Hecker. Aufgrund der Witterung im Winter – es gab kaum Frost, die Wege waren weitgehend aufgeweicht – hätten die Arbeiten im Wald vielerorts ruhen müssen.

„Wir packen die Wege nur einmal an – nach dem Abschluss der Arbeiten werden sie wieder hergerichtet“, erklärt er. Der Kostenaufwand sei nur so vertretbar. Er hat Verständnis für Wanderer, bittet allerdings auch Besucher des Waldes um Verständnis für den Forst: „Wir reden über Wirtschaftswege für die Forstwirtschaft“, sagt er. Der Anspruch vieler Menschen gehe jedoch in Richtung Stadtpark.

„Wir müssen rigoroser vorgehen“, spricht Konrad Hecker Verstöße von Firmen an, die im Wald arbeiten. Seien die Wege witterungsbedingt kaum passierbar, verhänge die Verwaltung Fahrverbote. „Daran wird sich nicht immer gehalten“, bedauert Hecker, der mehr Kontrollen in Betracht zieht. Auch gegen die Überladung der Lkw wolle er vorgehen. „Das ist nicht nur gefährlich, das haut uns auch die Wege kaputt.“

„Derzeit vertiefen wir eine Kooperation mit den Bauhöfen, um Schilder aufzustellen und bei Bedarf zu ersetzen beziehungsweise zu reparieren“, heiß es aus der Unteren Landschaftsbehörde, die für die Naturschutz-Schilder verantwortlich ist. Ziel sei eine vertragliche Regelung von Pflege und Unterhaltung der Schilder.

Nur zu einem Kritikpunkt auf Hallmanns Liste fällt partout keinem Schild-Aufsteller etwas ein. Niemand kann sich daran erinnern, wer die verwitterte, grüne Hinweistafel an der Panoramastraße aufgestellt hat. Der schiefe Mast allerdings wird rege genutzt: vom Kreis Düren für eine Radweg-Plakette und vom Eifelverein für Wanderweg-Markierungen.

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