Düren - „Scheitern für Fortgeschrittene”: Lioba Albus im Komm

„Scheitern für Fortgeschrittene”: Lioba Albus im Komm

Von: han
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Sie hatte einen starken Auftritt im ausverkauften Komm: die Kabarettistin Lioba Albus. Foto: Schmitz

Düren. Sauertöpfische Miene, ungewohnter sauerländischer Redeschwall: Die Kabarettistin Lioba Albus war eigentlich ins ausverkaufte Komm gekommen, um über „erfolgreiches Scheitern für Fortgeschrittene” zu parlieren, aber erreichte für sich das Gegenteil.

Sie wurde vom Erfolg verwöhnt, denn das Publikum feierte sie - und würde es noch heute tun, wenn das mimische Talent mit spitzen Witz nicht einen Kniff angewendet hätte: Sie ließ die Zuschauer „Froh zu sein, bedarf es wenig, und wer froh ist, ist ein König” singen.

Zwischen Wollen und Können

Die Zuhörer, der weibliche Teil war deutlich in der Überzahl, waren von Beginn an frohen Mutes, erlebten einen bissigen Kabarettabend mit einem ironischen Blick auf alles Männliche, ein Lustspiel zwischen Wollen und Können. Schlüpfrig-böse Scherze, humorvolle Nonsens-Geschichten und scharfzüngige Erkenntnisse vor allem über das eigene Geschlecht gab es zu Hauf.

Albus schoss Breitseiten gegen die Politik ab („die Worthülsenabsonderer mit ihrer Lippen-Inkontinenz”), hatte die „Ur-Mutti” („die mit dem Mundwinkelproblem”) im Visier sowie die Familienministerin, die „die Frauen in die Fruchtbarkeit drängen will”. Die ehemalige Rockröhre Gianna Nannini hatte es ihr angetan, die mit über 50 noch Mutter wurde. Schon hatte Lioba Albus die Lösung gefunden: „Wenn die Jungen nicht mehr wollen, machen sich Opa und Oma ihre Enkel selbst.”

Dem Schönheitswahn mancher Frauen fuhr sie in die Parade: „Die haben die Pelle so straff nach hinten gezogen - wenn die lachen wollen, müssen sie die Knie anziehen”. Für Anwandlungen, häufig in den Spiegel sehen zu wollen, zeigte sie wenig Verständnis, nannte den Mann als positives Beispiel: Der gucke mit Mitte 20 einmal in den Spiegel, und das müsse für den Rest des Lebens halten, um aber gleich hinterher zu rufen: „Auch Männer zerfallen nicht auf eine schöne Art.”

Als sie nach knapp drei Stunden die Bühne verließ, ihre Perücken und Garderobe einpackte, die sie zu ihrem Alter Ego Mia Mittelkötter oder anderen Figuren werden ließ, hatten alle eins gelernt: „Wer nichts zu verlieren hat, kann alles riskieren.” Passend dazu rezitierte Albus noch einige Gedichte von Robert Gernhardt.

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