Schach-Nachwuchs: Wenn Erfahrung gegen Kombinationsgabe spielt

Von: Valerie Barsig
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So kann man Peter Titz (links) und MIchael Sorokin (rechts) öfter zusammen sehen: Titz trainiert Sorokin im Schachverein Lendersdorf. Titz spielt Schach seit er 16 Jahre alt ist, Michael Sorokin ist seit vier Jahren im Foto: Valerie Barsig/imago/Westend61

Düren. Peter Titz ist matt. Schachmatt. Der 62-Jährige muss sich gegen Michael Sorokin geschlagen geben. Der ist gerade mal zwölf Jahre alt und spielt seit vier Jahren im Schachverein Lendersdorf. Seinen Jugendtrainer Titz, der bereits als 16-Jähriger das Schachspielen begonnen hat, hat er in Sachen Spielstärke so gut wie eingeholt.

„Figuren schieben“ – so nennen sie das im Verein, wenn man anfängt. Später erst, wenn mehr Erfahrung da ist, spielt man wirklich Schach. 14 Jugendliche sind beim SV Lendersdorf gerade im Training. Es waren zwar auch mal mehr, allerdings ist der Verein in Sachen Jugendarbeit gut aufgestellt, denn an Nachwuchs fehlt es nicht. Die Jüngsten im Verein sind gerade einmal fünf Jahre alt. „Als ich mit 16 angefangen habe zu spielen, war das eigentlich schon zu spät“, sagt Titz. Mit etwa acht Jahren solle man mit dem Schachspielen beginnen, weil man dann noch besonders aufnahmefähig sei.

Wer Schach richtig lernt, lernt es mit kleinen Übungsaufgaben. „Matt in drei Zügen“, steht als Überschrift in dem Heft, dass Titz Michael vorlegt. Auf den Seiten sind viele kleine Schachbretter abgebildet, auf denen die einzelnen Figuren in unterschiedlichen Konstellationen angeordnet sind. „Weiß ist am Zug“, stellt Michael fest. Keine zehn Sekunden später erklärt er: „Dame zieht vor König, Pferd schlägt Turm, Läufer zieht in den Weg. Schachmatt.“

Michael ist mit vier Jahren mit seinen Eltern aus Moskau nach Düren gekommen. Vor rund vier Jahren suchte er ein neues Hobby und kam zum SV Lendersdorf. Als er seine erste Partie verlor, fasste er den Entschluss zu lernen, wie er die besiegt, gegen die er damals verlor. Heute schafft er das locker und hat im Schachverein viele neue Freunde gefunden. Damals hatte er einen großen Wunsch, an den er auch heute noch denkt: „Ich will mal Schachweltmeister werden.“

Peter Titz legt im Gegensatz zu Michael weniger Wert auf immer mehr Wertungspunkte – die von Michael nähern sich seinen bereits an. „Dafür habe ich mehr Erfahrung“, sagt er. „Michael hat hingegen die bessere Kombinationsgabe.“ Beim Spielen gegeneinander denken die beiden rund fünf Züge im Voraus. Früher hatte Michael Probleme mit dem Verlieren, erzählt Titz. Durch die Arbeit im Verein sei das besser geworden.

Schach sei gerade in jungen Jahren auch gutes Training für die Schule. Denn es verbessere die Fähigkeit, sich konzentriert in einem bestimmten Zeitrahmen einer Aufgabe zu widmen – wie zum Beispiel auch während einer Klausur. „Das sagen uns immer wieder die, die im Verein sind und beginnen zu studieren. Sie können sich durch Schach besser auf ihre Klausuraufgaben konzentrieren“, sagt Titz. Auch Michael glaubt, dass Schach seine Leistungen in der Schule verbessert hat.

In Latein hat er sich in einem Halbjahr von Note 5 auf eine 1 verbessert. Dass Schach aber für die Jugendlichen im Verein nicht das einzige Hobby sein darf, darauf besteht Titz. Die Jugend des SV Lendersdorf trainiert jeden Samstagvormittag im Bürgerhaus. Unter der Woche sei da noch Zeit für andere Dinge.

Als Titz mit 16 Jahren begann, im Verein zu spielen, trainierten die Lendersdorfer noch in der Gaststätte Bodes in Niederkrauthausen. Titz ist seitdem geblieben, Michael weiß noch nicht, ob er nicht in vier oder fünf Jahren den Verein wechselt.

Dass Düren keine Universitätsstadt sei, mache es schwer, die Jugend zu halten, sagt Titz. Viele von ihnen gingen nach Aachen oder Köln zum Studieren – dort sind die Vereine dementsprechend stärker aufgestellt. Wenn nicht schon früher die Pubertät, Mädchen oder andere Interessen dazwischenkämen. „Wir müssen einfach mit Abwanderung rechnen“, sagt Titz.

Er ist zusätzlich auch Jugendwart der Schachjugend Mittelrhein. Die Zahlen der jugendlichen Schachspieler stagnieren NRW-weit. Das sei eine gute Bilanz, sagt Titz. Es liegt wohl auch an motivierten Trainern wie ihm, dass Jugendliche wie Michael Begeisterung für den Sport finden. Bis er möglicherweise zum Studieren weggeht, werden er und Titz noch viele Schachpartien gegeneinander spielen.

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