Satirischer Blick auf Versprecher bekannter Politiker

Von: Anke Holgersson
Letzte Aktualisierung:
Schillingspark
Peter Zudeick nimmt Originalzitate von Politikern aufs Korn. Foto: ah

Gürzenich. Im verwunschenen Schillingspark spazieren zu gehen, ist bereits ein Erlebnis. Ein stimmungsvoll beleuchteter Weg führt durch den Wald, an alten Rhododendronbüschen vorbei und schließlich am See entlang zur Festwiese.

Einer der Termine, an dem der private Park für die Öffentlichkeit für gleich fünf aufeinanderfolgende Tage zugänglich gemacht wurde, ist das Ereignis ‚Kabarett im Park‘. In dieser Reihe traf am Samstagabend Professor Herbert Schmidt, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Düren, auf den Autor und Satiriker Peter Zudeick. Letzterer dürfte vielen Radiohörern mit seinem markanten ‚Wird gemacht, Chef‘ bekannt sein. Ein Ausspruch, mit dem er regelmäßig seinen „satirischen Wochenrückblick“ fürs öffentlich-rechtliche Radio beendet. Darin schneidet er meisterhaft Originaltöne von Bundespolitikern gegeneinander und tritt in einen Dialog mit ihnen. Außerdem ist Zudeick Autor sozialkritischer Gesellschaftsanalysen, wie zum Beispiel mit seinem Buch „Tschüss, ihr da oben“, in dem er Anzeichen für den Beginn einer nicht mehr vom Kapitalismus geprägten Gesellschaft deutet.

Bei seinem Auftritt im Schillingspark zeigt er sich freilich als Satiriker. Er spürt blumigen Aussprüchen nach wie zum Beispiel dem folgenden von Angela Merkel: „Die Aufgabenvielfalt lag bergartig vor meinem Kopf oder Gemüt.“ Er spielt sie den Zuhörern im Original vor und überlegt, ob sich diese oder andere Äußerungen wohl besser vermarkten ließen, wenn Herbert Grönemeyer sie singen würde.

Er freut sich über Fehlinformationen von Frühmoderatoren, die Heinz Erhardt zu einem der ersten Bundeskanzler der BRD machen, und lässt auch WDR-Intendant Tom Buhrow nicht ungeschoren davonkommen, dessen Versprecher vom „vorläufigen endlichen Amtsergebnis“ er abspielt. Schließlich trauert er auch den Meistern der blumigen Wort- und Satzverdreher nach, die wie Edmund Stoiber („Ich rede nicht wie der Blinde von der Salbe“ – statt von der Farbe ) zwar nicht mehr aktiv Politik betreiben, aber immer noch für schöne Sätze wie diesen des Pensionärs Stoiber sorgen: „Ich habe mir angewöhnt, in der Früh in den Garten zu schauen und eine Blume hinzurichten.“

All das ist vergnügliche Satire, die den rund 100 Zuschauern im Schillingspark, die sich trotz Regens aufgemacht haben, diese besondere Veranstaltung mitzuerleben, gut gefällt. Professor Herbert Schmidt überschreibt seinen karnevalistisch anmutenden Vortrag mit „Freunde, Verwandte und Typen, die ich überhaupt nicht mag“. Dazu gehören die meisten Lokalpolitiker, die Dürener Verwaltung und Ehefrauen, die zu viel Geld ausgeben.

Die Veranstaltungsreihe „Offener Schillingspark“ fand 2016 zum ersten Mal statt. Organisiert wurde sie vom Sohn der Parkbesitzer-Familie Weyer-Schüll, Patrick Bahlert, in Kooperation mit dem Lions-Hilfswerk Kreuzau-Rureifel, der Bürgerstiftung Düren und dem Runden Tisch für Toleranz. Die Erlöse sollen im Rahmen der Flüchtlings- und Jugendhilfe im Raum Düren eingesetzt werden.

Vorläufiges Resümee von Mitveranstalter Patrick Bahlert: „Ich bin sehr froh, dass wir das gemacht haben. Am Freitagabend, bei der Party im Park, waren 400 feiernde Gäste hier, die den Dauerregen einfach rheinländisch ignoriert haben.“

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