Düren - Satiriker Droste arbeitet sich an der Banalität des Blöden ab

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Satiriker Droste arbeitet sich an der Banalität des Blöden ab

Von: Stephan Vallata
Letzte Aktualisierung:
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Ein Mann, ein Buch: Der Satiriker Wiglaf Droste las im Komm aus seinen Texten vor. Foto: Vallata

Düren. Mehr Licht. Den Künstler verlangt es nach Erleuchtung. Und die soll er auch bekommen, denn ohne Licht, da sieht er nicht. Nicht genug jedenfalls, um die dunklen Flecken auf der waidwunden Seele des modernen Menschen bis zur Kenntlichkeit zu illuminieren.

Der Künstler braucht dazu halt den Durchblick, sonst kann er keinen seiner niedergeschriebenen Gedanken entziffern. Und das wäre schlecht. „Ich möchte Ihnen nicht den Anblick gönnen, mich mit Lesebrille zu sehen”, spricht er ins Auditorium. Ein Anflug von Eitelkeit? Vielleicht. Aber dafür gönnt der Künstler den Gemeinten etwas anderes, ungleich Wertvolleres: Worte, Worte, und nochmals Worte, wie aus der Pistole geschossen. Autsch. Solche Worte müssen weh tun, wenn sie einen treffen, ja regelrecht durchsieben.

Das Szenario stellt sich folgendermaßen dar: Wiglaf Droste sitzt im Komm-Zentrum an einem Schreibtisch auf der kleinen Bühne, vor sich ein wildes Konvolut an Manuskripten, schmalen Bändchen und gebundenen Textsammlungen. Dieses Chaos zu beherrschen, ist dem Satiriker wohl ein willkommener Anreiz. Manchmal gleitet sein Blick suchend über die buchstabenreiche Ebene, bis er dann die bedruckten Blätter seiner Wahl aus dem Zentralmassiv herauszieht. Und dann liest er vor, was eigentlich alles so schiefläuft in diesem unseren Lande und warum die Welt langsam aber sicher im Innersten zusammenfällt.

Drostes fein ziselierte und im Tarnanzug des Harmlosen daherkommende Kritik an den herrschenden Klassen und Zuständen entlädt sich bisweilen im Stil stakkatoartiger Nadelstiche: Er arbeitet sich ab an der Banalität des Böden, die in Friseurläden mit fragwürdigen Namen wie „Hair Force One” oder „Headhunter” ihren radebrechenden Ausdruck findet, um sich alsbald in die wild umwucherten Niederungen der Kreditwirtschaft zu begeben, wo die große Gier zu immer neuer Blüte kommt. In der Psychoanalyse sei Geld ein Synonym für Exkremente, gibt der Denker zu bedenken. Und überhaupt: „Wer zu phantasiearm ist, sein Geld mit Freuden zu verprassen, der muss es auf schäbige Weise verlieren - und das ist gut, denn weg muss es.”

Ein Graus ist Droste die durch sämtliche Gazetten und Politikermünder irrlichternde und „Gemeinschaft stiftende Abnickvokabel” Krise. Er sagt: „Wer Krise sagt, muss nichts mehr erklären.” Auch das von krankhaftem Ehrgeiz vergiftete Scrabble-Spiel mit der Frau Mama ist immer noch für eine Nacherzählung gut: Es wäre doch ein echter Jammer, sollte es „Taumelamöben”, „Intimlurche” oder „postdebile Jetluder” nicht geben, oder?

Hin und wieder streut Droste, seines Zeichens Träger des Annette-von-Droste-Hülshoff-Preises, ein Gedicht ein („Heiße Hühnersuppe heilt”) und versucht sich zudem an einer „Nutzpflanzenlyrik”, die selbstverständlich nur auf dem „Humus des Humors” gedeihen kann. Fazit: „Man kann alles bedichten, sogar Bielefeld.”

Selbst gerade erst Erlebtes lässt der Gegenwarts-Chronist in seinen Vortrag einfließen. So kam er nicht umhin, eine Dürener Bauchtanzgruppe beim Probenbetrieb zu beobachten. „Das war sehr eindrucksvoll. Ich hoffe, ich bin es auch.” Der Mann hat Humor.
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