Sanfte Töne und düstere Musik

Von: Bruno Elberfeld
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Andreas Heinrich, Annegret Klingel, Cornelie Bodamer-Cahen und Daniel Cahen (von links) konzertierten in der Kapelle der St.-Angela-Schule. Foto: Bruno Elberfeld

Düren. Der Ort des Geschehens hätte passender nicht sein können: die Kapelle der St.-Angela-Schule in Düren, klein, anheimelnd, von meditativen Veranstaltungen erzählend. Vor dem Altar die vier Musiker des „Carolus Quartetts“ aus Köln, die an diesem Abend mit drei unterschiedlichen Kompositionen von drei Komponisten aufwarteten, die jeder auf seine Weise Musikgeschichte geschrieben haben.

Andreas Heinrich (1. Geige), Cornelie Bodamer-Cahen (2. Geige), Annegret Klingel (Bratsche) und Daniel Cahen (Violoncello), alle vier Mitglieder des Gürzenich-Orchesters Köln, spielten das Streichquartett Opus 59.1 von Ludwig van Beethoven, das Streichquartett Opus 13 von Felix Mendelssohn Bartholdy und das Streichquartett Opus 138 von Dimitry Schostakowitsch.

Aufschreiende Dissonanzen

„Das war sehr gewöhnungsbedürftig“, so oder so ähnlich lauteten die ersten Sätze einiger Besucher zu Beginn der Pause nach Schostakowitschs Werk. Begonnen hatte in dieser Komposition die Bratsche, düster, geheimnisvoll, unterbrochen von sehnsüchtigen Passagen, in die die anderen Instrumente dialogisch einfielen. Aufschreiende Dissonanzen strapazierten das Hörempfinden der Besucher, die vorher von Mendelssohn Bartholdys sanfteren Tönen im Streichquartett Opus 13 verwöhnt worden waren. Hier und da versuchte die 1. Geige die Stimmung durch zaghafte fröhlichere Beiträge zu heben vergeblich.

Schostakowitschs Komposition aus dem Jahre 1970 hinterlässt Todesahnung und Todesdrohung mit einer ungeheuren Intensität, die den Hörer durchaus verwirren kann. Die technische Realisation verlangte von den Interpreten höchstes Können. Besonders beeindruckend das Solo der Bratsche, die schier unmenschlich klagt, und das ungewöhnliche Klopfen der 2. Geige, ein Anklopfen des Todes? Interpretationen sind erlaubt.

Wie aus einem Guss

Am Anfang des Programms stand Felix Mendelssohn Bartholdys Streichquartett Opus 13. Die vier Streicher spielten wie aus einem Guss, empathisch und sympathisch daher kommend. Der junge Komponist hatte das Werk im Alter von 18 Jahren zu Papier gebracht. In vier Sätzen – Adagio- Allegro vivace, Adagio con lento, intermezzo und Presto – zeigten die Streicher-Musiker, wie sich der Komponist in der Nachfolge Beethovens in der einsetzenden romantischen Epoche musikalisch ausdrückte. Mendelssohn kann nicht verleugnen, dass er ein Bewunderer Beethovens war, er bringt jedoch eindrucksvolle eigene Elemente zum Klingen.

Der Abend wurde mit Beethovens Streichquartett Opus 59.1, vom Carolus Quartett ebenfalls brillant gespielt, beschlossen. Es ist das erste der drei Rasumowsky-Quartette. Diesen Beinamen erhielten die Quartette, weil sie einen so genannten „russischen Ton“ hatten und zudem von Andrei Kirillowitsch Rasumowski, einem russischen Diplomaten, bei Beethoven in Auftrag gegeben worden waren.

Benefizkonzert

Die Veranstaltung war ein Benefizkonzert. Wie in den letzten vier Jahren verzichtete das Carolus Quartett auf ein Honorar. Die Spenden des Abends kommen dem gemeinnützigen Verein „Arbeitskreis Soziale Aktionen (AKSA)“ der St. Angela-Schule zugute, der zurzeit einen Kindergarten und eine Schule in Afrika unterstützt.

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