Düren - Sanfte Bilder mit überwältigender Tiefe

Sanfte Bilder mit überwältigender Tiefe

Von: Bruno Elberfeld
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Paul Larue, Stefan Knodel, Justus Peters, Pit Goertz, Abdul Razzak Shaballout und Dr. Hans-Joachim Güttler (v.l.) eröffneten eine ungewöhnliche Ausstellung in den Räumen der Kunstinitiative „Die Treppe“. Foto: Bruno Elberfeld

Düren. Ein Mann, Maler von Beruf, flieht aus Syrien vor den Luftschlägen, dem Bomben- und Granatenterror, flieht vor Folter und Tod nach Deutschland. Abdul Razzak Shaballout ist dieser Mann. Er hat vier Jahre in Damaskus Malerei studiert, ist dann auf beruflichen Umwegen als Grafik-Designer über die Vereinigten Arabischen Emirate nach Deutschland gekommen.

Seit einigen Monaten lebt und arbeitet er im Heinrich-Böll-Haus im Kreuzauer Ortsteil Langenbroich. Jetzt präsentiert er seine Werke im Rahmen der Kunstinitiative „Die Treppe“ des Kunstfördervereins des Kreises Düren.

Die Gäste der Vernissage waren von den akribisch gemalten Werken von Abdul Razzak Shaballout beeindruckt. Doch war da nicht eine Diskrepanz? Auf keinem der 15 Ölgemälde ist ein Hinweis zu entdecken auf das Leid, das der Künstler in Syrien, bei seiner Flucht und auch in Deutschland beim Hin und Her um seine Aufenthaltserlaubnis erlebt hat.

Leben und Werk des Künstlers

Pit Goertz, Kurator der Galerie in der Yorckstraße, gab in seiner Einführung einen Überblick über Leben und Werk des Künstlers. Da gebe es, so Goertz, Nachrichten aus seiner Heimat über Folter und Tod von Verwandten und Freunden in Übermaß. Das Bangen, ob der Bruder seine schwere Verletzung übersteht, war immer da. Soziale Medien machen es möglich.

Landsleute machen Abdul Razzak Shaballout den Vorwurf, unpatriotisch zu sein, weil er in seinen Bildern nicht von all dem Grauen erzählt, das er erlebt hat. In der Initiative „Die Treppe“ dagegen hängen Werke, die den Betrachter eher zur Meditation anregen. Da erkennen die Besucher einen Ausschnitt aus dem Atelier in Syrien, auf einem anderen Tisch liegen Kaktusfeigen zum Verzehr bereit, ein weiterer Tisch ist für das Abendessen gedeckt.

Bewegt und ergriffen beschreibt Pit Goertz das Gemälde, in dem der Maler Partnerschaft und Liebe inszeniert. „Selten durfte ich ein schöneres Porträt einer Liebe betrachten“, sagte der Kurator, „als dieses Bild mit gelbem Untergrund, auf dem der traditionelle Schmuck des Landes liegt, geerbt von den Frauen der Familie und betitelt mit zwei Wörtern ‚Ihr Duft‘.“

Warum malt Abdul Razzak Shaballout diese sanften Bilder? Im Gespräch kommen mögliche Gründe zum Vorschein. Der Maler schafft für sein Wohlbefinden und die Freude des Betrachters Szenen einer heilen syrischen Welt, in der man sich verlieren kann, wenn man sich darauf einlässt. Durch die sehr ungewöhnliche Maltechnik der kleinstmöglichen Punkte mit kleinstmöglichem spitzen Biberhaarpinsel bekommen die Werke eine überwältigende Tiefe. Der erste Eindruck, tolle Fotos vor Augen zu haben, weicht nach und nach der Erkenntnis, dass in den Räumen der Initiative „Die Treppe“ ungewöhnliche Gemälde hängen, meist in Schwarz und Rot, die auf diese Art und Weise viele Kunstliebhaber noch nicht gesehen haben.

Kurator Goertz bedankte sich besonders bei Bernd Heidbüchel, der innerhalb eines Tages alle 15 Gemälde gerahmt hatte.

Begrüßt wurden die vielen Gäste von Justus Peters, Chef des „Arbeitskreises Bildende Kunst“ im Kunstförderverein, im Beisein des Vorsitzenden des Kunstfördervereins, Dr. Hans-Joachim Güttler, und des Geschäftsführers des Heinrich-Böll-Hauses, Stefan Knodel. Im Namen der Stadt begrüßte Bürgermeister Paul Larue Künstler und Gäste.

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