Sammler Wolf-Dietrich Schramm liest Texte eines Anarchisten

Von: Gudrun Klinkhammer
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Der Sammler Wolf-Dietrich Schramm (re.), der in Lübeck beheimatet ist, las in Simonskall Kurzgeschichten von B. Traven. Die musikalische Einstimmung übernahm der Obermaubacher Josef Blum. Foto: gkli

Simonskall. Der sagenumwobene Schriftsteller B. Traven, der unter dem Namen Ret Marut ab 1919 rund drei Jahre lang mit seiner damaligen Lebensgefährtin Irene Mermet in der Kremer-Mühle in Simonskall lebte, schrieb nicht nur weltberühmte Romane wie etwa „Das Totenschiff“ oder „Die Baumwollpflücker“.

Auch schrieb B. Traven Kurzgeschichten, die seine Gedanken und seine Sichtweise der Welt widerspiegeln.

Am Sonntag las Wolf-Dietrich Schramm im Hotel „Talschenke“ in Simonskall Kurzgeschichten des legendären Literaten. Rund 40 Zuhörer fanden sich im Seminarraum des Hotels ein, um den Worten zu folgen.

Der in Lübeck ansässige Pensionär Wolf-Dietrich Schramm beschäftigte sich bereits als Schüler mit den Traven-Schriften. Seit 2000 sammelt er ganz gezielt Material rund um diese bis heute geheimnisumwobene Person. Derzeit gilt sein Archiv als das drittgrößte weltweit, was das Thema B. Traven betrifft. Franz Tiedtke, ehrenamtlicher Leiter des dem Hotel benachbarten Junkerhauses, besuchte im vergangenen Jahr eine Ausstellung im internationalen Kulturinstitut in Luxemburg. Dort sah er die Ausstellung mit den Sammelobjekten und Schriften über B. Traven, die Wolf-Dietrich Schramm zur Verfügung gestellt hatte. Franz Tiedtke nahm Kontakt zum Sammler auf und lotste die Schau nach Simonskall.

Am Sonntag begrüßte Franz Tiedtke die Gäste, darunter Dr. Dorothea Eimert, die ehemalige Leiterin des Leopold-Hoesch-Museums in Düren, und Prof. Dr. Uli Bohnen, Professor für Kulturgeschichte und Ästhetische Theorie an der Fachhochschule Darmstadt. Franz Tiedtke musste schmunzeln, als er sagte: „Nicht alle, die nach Simonskall kommen wollen, kommen auch an.“

Abgelegen und verwunschen liegt der rund 50 Einwohner starke Ort im Kalltal. Nur eine schmale Straße führt dorthin, damals wie heute ein perfekter Rückzugsort. Musiker und Sänger Josef Blum stimmte die Zuhörerschaft mit Gitarre und Gesang auf die Lesung ein. Der „Gedankenwandler“, wie sich der Obermaubacher selber bezeichnet, trug das Tanzlied des Totenschiffes eindrucksvoll vor.

Dann erhob Wolf-Dietrich Schramm seine tiefe, sonore Stimme und die Worte, die B. Traven einst auf dem Papier aneinanderreihte, wurden hörbar und lebendig. In den Geschichten wie etwa der „Hundegeschichte“ geht es um alltägliche Szenen, geschildert mit Humor, Witz und Raffinesse. Die Menschen feilschen miteinander, versprechen das Blaue vom Himmel für ein paar Peso und zucken mit den Achseln, wenn sich das Versprechen plötzlich in Luft auflöst. B. Traven oder Ret Marut oder Otto Feige, wie sich der Literat auch nannte, war ein Anarchist durch und durch, was in den Texten deutlich zum Ausdruck kommt. Die Freiheit war ihm das höchste Gut.

Die Ausstellung „Mythos vom Schein und Sein“ zu B. Traven ist noch bis Sonntag, 26. Oktober, im Junkerhaus in Simonskall zu sehen. Die Öffnungszeiten sind sonn- und feiertags von 11 bis 17 Uhr und samstags von 14 bis 17 Uhr.

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