Salafismus: Rückständig und extremistisch

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Dozent Bacem Dziri referierte zum Salafismus in Düren. Rund 100 Menschen waren zum Vortrag in die Evangelische Gemeinde gekommen.

Düren. Bacem Dziri referierte in der Evangelischen Gemeinde zu Düren. Das „Forum Politik“ hatte ihn zu einem Vortrag über den Salafismus eingeladen. Bacem Dziri ist Dozent für Islamische Theologie an der Universität Osnabrück und forscht über die islamische Debattenkultur.

Im Forum Politik haben sich die hiesigen Kirchen, der BUND, die Erwachsenbildungsstätten, das Katholischen Forum und die Gewerkschaften zusammengeschlossen, um wichtige Themen in einer breiten Öffentlichkeit zu diskutieren.

Der Dozent trat in seinem Vortrag für eine offenere Diskussionskultur unter Muslimen ein. Das würde Vertrauen schaffen. Mit seinem differenzierten Vortrag konnte er die etwa 100 Zuhörer über den Ursprung des Salafismus informieren, der im 19. Jahrhundert eine Reformbewegung für einen islamischen Modernismus gewesen sei.

Davon sei nichts mehr übrig geblieben: Heute sei er „rückständig und extremistisch“, der eine angeblich absolute Autorität der Offenbarungsschriften über Vernunft und Verstand stelle. Das führe dazu, dass Salafisten sämtliche etablierten Rechtsschulen genauso kategorisch ablehnten wie die üblichen Auslegungsmethoden des Korans, die es ermöglichten, seinen Sinn in unsere Gegenwart zu übertragen.

Es komme darauf an, den Salafismus als eine Ideologie wahrzunehmen und ihn nicht als das zu sehen, was er nur vorgebe zu sein: eine islamisch-religiöse Position.

Der Referent beschrieb Faktoren, die heute zur Radikalisierung junger Muslime führe. Das habe kaum etwas mit Religion zu tun. Vielmehr ginge es um Ausgrenzungserfahrungen. Frühere räumliche Grenzen zwischen kulturellen und religiösen Sphären würden jetzt mental gezogen und als „Verwestlichung des Islams“ wahrgenommen.

Schule als Präventionsort

Insgesamt war er der Meinung, würde einzelnen islamistischen Aktionen hierzulande zu große mediale Aufmerksamkeit zu teil. Der wichtigste Ort für Prävention sei die Schule. Es komme darauf an, aus der Logik des Verdachts herauszukommen und Jugendliche nicht auch noch durch Unterstellungen dorthin zu treiben. Islamischer Religionsunterricht und christlich-islamisches Gespräch seien ebenfalls wichtig: „Der Dialog – gerade wie er hier in Düren geführt wird – bleibt unsere große Prävention.“

In der anschließenden angeregten Diskussion, an der sich auch Repräsentanten der hiesigen Moschee-Vereine beteiligten, bekam das Plädoyer von Pfarrer Dirk Siedler breite Unterstützung, dass ein soziales Miteinander in der Stadt wichtig sei, das alle jungen Menschen teilhaben lasse: durch Ausbildungsplätze und berufliche und persönliche Perspektiven. Das sei die Aufgabe für Muslime und Nicht-Muslime.

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