Sängerin Ina Hagenau tauchte gerne in neue Welten ab

Von: Anke Holgersson
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Ina Hagenau vor dem farblich geordneten Bücherregal der Familie. Foto: Holgersson

Düren. Wenn es ums Lesen geht, ist die Sängerin und Gesangspädagogin Ina Hagenau bekennende Anhängerin des Eskapismus, der Realitätsflucht. Je fremder und anziehender die Welt ist, die eine Geschichte aufbaut, desto lieber liest sie sich hinein, um Urlaub vom eigenen Alltag zu machen.

„Ich lese gerne, viel und in großen Brocken. Nicht nur kurz vor dem Einschlafen,“ sagt sie. Sie mag es, in Geschichten hineingezogen zu werden. Der Schriftsteller Haruki Murakami zum Beispiel schaffe das mit seinen Romanen, die zwar realistisch seien, aber immer eine skurrile Meta-Ebene aufwiesen. Das führe dazu, in eine Welt abtauchen zu können, die ihrer eigenen fremd und gerade deshalb so interessant sei.

„Ich bin neugierig und offen für andere Weltsichten,“ sagt die 35-Jährige. „Ein guter Roman schlägt mir Gefühle und Lösungen für eine Situation vor, auf die ich selbst nicht gekommen wäre.“ Ein weiterer Lieblingsautor für die Frontfrau der Bands „i.n.a.“ und „Honey & Wood“ ist der amerikanische Schriftsteller David Mitchell, dessen bekanntestes Buch „Cloud Atlas“ die Leser anhand der Innensicht seiner Figuren durch die Menschheitsgeschichte führt.

Wenn möglich, liest die Mutter einer Tochter (Frieda, 4 Jahre alt) Mitchells Texte gerne im englischen Original. Daran habe sie sich vor allem im Musik-Hochschulstudium, das sie niederländischen Arnheim absolvierte, gewöhnt. Die Niederländer sähen sich Filme einfach unsynchronisiert an. Das helfe enorm beim Spracherwerb und sei auch viel schöner. Denn oft gehen Untertöne und Atmosphäre in der Übersetzung verloren, findet sie. Auch Niederländisch spricht Hagenau fließend. Und so finden sich in ihrem Bücherregal auch niederländische Autoren und Nachschlagewerke.

Daneben: Max Frisch, Krimis, Gartenbücher, Jugendromane („Die lese ich immer noch gerne“) Werke von Martin Suter und so weiter – auf den ersten Blick ohne System gemischt. Bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass Hagenau die Bücher nach Farben sortiert hat. „Für mich das einzig sinnvolle System,“ sagt die Ästhetin. Gesellschaftsspiele, DVDs, sowie die Schallplatten ihres Mannes Mischa Ruhr, Saxophonist, Musikproduzent und Lehrer an der Musikschule Düren, ergänzen die gedruckten Werke.

Fachbücher zum Thema „Stimme“, die sich im Besitz der ausgebildeten Gesangs- und Sprechtrainerin befinden, sucht man im Familien-Bücherregal vergeblich. Die befinden sich im Büro der Firma „Stimmste?! Institut für Stimme und Persönlichkeit“, die sie mit ihrer Schwester Astrid Hagenau betreibt. Ihr Lieblingsbuch aus diesem Bereich ist der Ratgeber „Die persönliche Stimme entwickeln“ von Kristin Linklater. „Die Autorin erklärt in diesem Buch, das ursprünglich für Schauspieler gedacht war, wie wir unsere natürliche Stimme wiederfinden,“ erklärt Hagenau.

Damit ist jener Stimmgebrauch gemeint, den Babys noch beherrschen, die ihre Emotionen ganz direkt ausdrücken können. Später verlerne man das und folge eher Konventionen. Im Gesang brauche man diese Fähigkeit, Emotionen authentisch abzubilden. Zum Beispiel in der Rockmusik, die auch negative Emotionen wie Wut ausdrücken darf. Auch für ihre Arbeit als Stimmcoach ist die so genannte „Linklater-Methode“ interessant.

Stimme sei ein sehr persönliches Thema, berichtet Hagenau, Schwächen gäbe man ungern zu. Und dabei lohne es sich für jeden, einmal darauf zu schauen, warum wir auf welche Art und Weise sprechen. Denn die Stimme mache einen genauso großen Teil unserer Außenwirkung aus wie Kleidung oder Körperform. Kann es zum Beispiel sein, dass der Leise-Sprecher oder der Nuschler eigentlich gar nicht gehört werden will, weil er sich selbst als inkompetent empfindet?

„Man sollte immer auf die Ursachen von Sprechhaltungen schauen,“ sagt Hagenau. Sonst bekämpfe man nur Symptome. Daher erwartet, wer bei „Stimmste?!“ vorbeischaut, beim Sprechtraining eine Sitzung mit Schwester Astrid, die als Logopädin und ausgebildeter systemischer Coach den Menschen immer in seinem kompletten System wahrnimmt und dann an den Ursachen des Sprechverhaltens mit dem Stimmtraining ansetzt. Den Mut, den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen, fanden die beiden Schwestern übrigens auch durch ein Schriftstück: Der für den Gründerwettbewerb AC² angefertigte Businessplan landete unter den ersten zehn der Ausschreibung und steht heute noch im Bücherregal von Ina Hagenau.

Im Rahmen der Jazztage spielt Ina Hagenau mit ihrer Band am Sonntag ab 18 Uhr auf der Bühne vor dem Hoesch-Museum.

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