S-Bahn-Fahrer: „Wir haben schon üble Sachen erlebt“

Von: Sarah Maria Berners
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So sehen die Mitarbeiter der „DB Sicherheit“ aus, die bis Jahresende in allen S-Bahnen im Raum Köln ab 19 Uhr bis Betriebsschluss im Einsatz sein werden. Foto: Deutsche Bahn
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Marc Giesen wünscht sich auch eine Überwachung am S-Bahn-Halt in Merzenich. Foto: Sarah Maria Berners

Düren/Merzenich. Die Eheleute Heckmann fahren regelmäßig von Merzenich mit der S-Bahn der Linie 12 nach Köln. „Wir haben schon üble Sachen erlebt“, sagen sie. Da seien zum Beispiel betrunkene Rechtsradikale mit in der Bahn gewesen, die mit Schlägen gedroht hätten.

Den Vorstoß der DB Regio, bis zum Jahresende nach 19 Uhr in den S-Bahnen der Linien 11, 12 und 13 zwei Sicherheitskräfte einzusetzen, finden sie „eine gute Sache“, weil die Fahrgäste sich dann sicherer fühlen. „Abends sind ja auch nicht mehr so viele Leute in der Bahn, die einem in einer Notsituation helfen könnten“, geben die Nutzer der S 12, die bis Düren fährt, zu bedenken. Einer generellen Videoüberwachung in Zügen stehen die Eheleute jedoch skeptisch gegenüber.

Beides – mehr Sicherheitspersonal und mehr Videokameras in den Zügen – steht auf der Agenda der DB Regio NRW und der Nahverkehr Rheinland GmbH, der die Züge und Fahrleistungen bei der Bahn bestellt. Schon jetzt sind im Raum Köln 60 Sicherheitskräfte im Einsatz. Sie tragen blaue Uniformen mit dem Aufdruck „DB Sicherheit“. Die Sicherheitskräfte sollen Straftaten verhindern und bei Auseinandersetzungen deeskalierend eingreifen. Polizeiliche Befugnisse haben sie nicht.

„Ich finde es gut, wenn mehr Sicherheitspersonal eingesetzt wird, da die Übergriffe auf Fahrgäste und Personal zugenommen haben“, sagt Marc Giesen, der täglich mit der S 12 unterwegs ist. „Im Übrigen dürfte dadurch auch dem Vandalismus entgegengewirkt werden.“ Marc Giesen fühlt sich bislang sicher in der S-Bahn, betont aber auch, dass seine Frau die Sicherheit in der Bahn schon kritischer betrachte. „Vermutlich gibt es im Kölner S-Bahn-Netz aber schwieriger Linien als die S 12“, sagt der Berufspendler.

„Ich habe mich bisher noch nicht unsicher gefühlt“, sagt eine junge Frau, die häufig die S-Bahn zwischen Düren und Köln nutzt. „Trotzdem finde ich es sinnvoll, wenn mehr Sicherheitspersonal in den Bahnen ist. Vor allem für ältere Leute ist das bestimmt wichtig“, betont sie vor allem mit Blick auf die dunkle Jahreszeit. Auch ein junger Mann, der regelmäßig die S-Bahn nutzt, findet den Vorstoß gut: „Um mich mache ich mir weniger sorgen. Aber ich glaube schon, dass es für Frauen, die alleine mit der Bahn unterwegs sind, wichtig ist.“

Zudem werden die 63 Züge des Typs ET 423, die auf den Linien L 11, 12 und 13 unterwegs sind, bis Jahresende schrittweise mit jeweils 14 Kameras ausgerüstet. 2,3 Millionen Euro investiert die DB Regio. „Die Erfahrung zeigt, dass sich die Fahrgäste in videoüberwachten Zügen sicherer fühlen“, sagt Dirk Helfert von der DB. Die Kameras sollen das Sicherheitsempfinden verstärken, potenzielle Straftäter abschrecken und helfen, Straftagen und Vandalismus aufzuklären.

„Grundsätzlich bin ich gegen zu viel Überwachung. Personal ist sicher besser. Eine Videoüberwachung ist eher auf einer einsamen Station wie in Merzenich sinnvoll“, sagt Marc Giesen.

Zugriff hat nur die Bundespolizei

Nach Angaben der Bahn werden die aufgezeichneten Videobilder 72 Stunden lang verschlüsselt gespeichert. Die Bahn selbst habe keinen Zugriff auf die Daten. „Wenn sich ein konkreter Vorfall ereignet haben sollte, werden die Speichermedien mit der Aufzeichnung des Tatzeitraums an die Bundespolizei übergeben“, erklärt die Bahn. Ausschließlich die Bundespolizei könne das Filmmaterial anfordern und mit speziellen Programmen auswerten.

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